Telekommunikation bringt Multimedia ins Fahrzeug
Wenn Autos funken wird es multimedial

Zur modernen Kraftfahrzeugtechnik gehören heute nicht mehr nur Anti-Blockier-Bremse oder Katalysator, sondern längst auch Navigationssystem und Internet-Zugang. Drahtlose Technologien, bekannt unter dem Schlagwort Telematik, halten verstärkt Einzug in Neuwagen.

HB/dpa STUTTGART. Der neue Mobilfunkstandard UMTS könnte sich nach Einschätzung von Experten auch in der Autobranche durchsetzen. Und in der Zukunft wollen die Forscher sogar Fahrzeuge miteinander sprechen lassen und dadurch Unfälle verhindern.

Bis zu 19 unsichtbare Antennen baute der Zulieferer Hirschmann in die neue Luxuskarosse Maybach aus dem Hause Daimler-Chrysler ein. Sie senden und empfangen Signale für die Navigation, den Notruf, die Türverriegelung, den Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen und fürs Telefonieren. Allein vier Mobilfunkantennen für Sprache, Daten und Fax sind im Innern des 310 000 Euro teuren Autos versteckt - in Fahrzeugen mit geringerer Ausstattung natürlich weniger. Auf der CeBIT stellt Hirschmann Antennen-Lösungen zum Nachrüsten vor. Allgemein gilt: Immer mehr Autofahrer wollen mit ihrer Umgebung kommunizieren.

Die Premium-Autohersteller haben längst auf den Kundenwunsch reagiert und bieten aufwendige Mobilitätssysteme für ihre Fahrzeuge an, die BMW Online oder Mercedes-Benz Portal heißen. Sie lesen dem Fahrer seine E-Mails vor, finden das nächste Hotel oder bringen das Navigationssystem auf den neuesten Stand, wenn eine Baustelle die Fahrt behindern könnte. Im vergangenen Sommer stellte Mercedes-Benz ein Forschungsfahrzeug der S-Klasse mit UMTS-Sonderausstattung vor, die auch Video-Konferenzen im Fahrzeug ermöglichen soll. "Das Auto ist dabei, sich zu einem Multimedia-PC zu entwickeln", meint Dirk Wendt, Entwicklungsleiter für mobile Kommunikationstechnik bei Hirschmann Electronics.

In den Forschungslaboren der Fahrzeugindustrie wird sogar schon einen Schritt weitergedacht. Künftig sollen Autos, die hintereinander fahren, drahtlos Kontakt aufnehmen. Ein Unfall hinter einer scharfen Kurve soll so nach dem Prinzip der stillen Post in Sekundenbruchteilen an Autos weitergeleitet werden, die sich noch vor der Biegung befinden und sonst nicht mehr rechtzeitig bremsen könnten. "Ziel ist es, die Wahrnehmung des Fahrers zu erweitern", erklärt Walter Franz, verantwortlich für das Projekt FleetNet, eine Kooperation zwischen DaimlerChrysler, Bosch, Siemens sowie weiteren Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

FleetNet arbeitet an einer offenen Plattform, die Kommunikation zwischen fahrenden Autos unabhängig vom Hersteller ermöglichen soll. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass eines Tages genügend Fahrzeuge technisch dafür ausgerüstet sind, einander verstehen zu können. Gefunkt werden soll dabei auf einer lizenzfreien Frequenz, für die kein Netzbetreiber notwendig ist.

In den Zentralen der Autokonzerne wird der Enthusiasmus der Forscher allerdings nicht immer geteilt. Sorgen machen den Managern die rechtlichen Konsequenzen der drahtlosen Frühwarnsysteme. Wer haftet, wenn ein Unfallverursacher die Schuld an einem Zusammenstoß seinem Bordcomputer gibt? Das Steuern, Bremsen und Lenken muss der Fahrer wohl auch in Zukunft selbst erledigen. Denn vor allem in den USA könnten Technologien, die Autofahrern ein Stück ihrer Verantwortung abnehmen, findige Rechtsanwälte auf den Plan rufen.

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