Telekommunikation
Ericsson rechnet mit einem Verlustjahr

Der Weltmarktführer bei Mobilfunknetzen macht fehlende Aufträge der Telekom-Konzerne für seine schlechten Quartalszahlen verantwortlich. Wann die ersehnte Erholung des Marktes kommt, kann Ericsson nicht sagen. Eine Neuemission soll strategische Investitionen ermöglichen.

 

hst STOCKHOLM. "Wir befinden uns jetzt in einer Überwinterungsperiode", versuchte Ericssons neuer Aufsichtsratsvorsitzender Michael Treschow den schlechten Quartalsbericht des schwedischen Telekommunikationskonzerns zu erklären. Er wollte ebenso wenig wie Konzernchef Kurt Hellström eine Prognose wagen, wann der langersehnte Aufschwung kommen werde. "Ich weiß nicht, ob der Boden schon erreicht ist", erklärte Hellström in Stockholm und machte die hoch verschuldeten Telekom-Konzerne wie die Deutsche Telekom, Vodafone und France Télécom für den Investitionsstau beim Ausbau der Netzwerke für den dritten Mobilfunkstandard, aber auch bei den bestehenden GSM-Netzen verantwortlich. "Die Betreiber investieren nicht".

Deshalb geht der Weltmarktführer bei Mobilfunknetzwerken jetzt auch von einem Verlust im Gesamtjahr aus, nachdem er noch vor zwei Monaten eine Umsatzrendite von etwa 5 % für 2002 prognostiziert hatte. Hellström rechnet nun mit einem Umsatzrückgang bei Mobilfunk-Netzwerken von "bedeutend mehr als 10 Prozent" im laufenden Jahr. Wann die Erholung kommt, wollte er nicht präzisieren. "Ob es Anfang oder Ende 2003 wird, kann ich nicht sagen".

Um für eine anhaltende Krise in der gesamten Telekommunikationsbranche besser gerüstet zu sein, will Ericsson bis Ende 2003 insgesamt weitere 17 000 Arbeitsplätze abbauen, davon etwa die Hälfte in Schweden. Der Konzern hat dann nur noch rund 65 000 Mitarbeiter, 42 000 weniger als noch zu Beginn vergangenen Jahres.

Die angekündigte Neuemission von etwa 30 Mrd. Kronen (umgerechnet 3,3 Mrd. Euro) solle als aggressive Handlung verstanden werden", so Treschow. "Wir benötigen die Mittel nicht, um etwaige Löcher zu stopfen", sagte er. Vielmehr wolle man gerüstet sein für "strategische Investitionen, da es künftig nicht mehr die gleichen Akteure auf dem Markt geben wird wie heute". Der Finanzchef des Unternehmens, Sten Fornell, rechnete allerdings nicht mit einer größeren Übernahme. "Ich glaube nicht an Mega-Fusionen", sagte er. Telekom-Analyst Håkan Wranne von Fischer Partners in Stockholm kritisierte wie einige seiner Kollegen Ericsson für unklare Informationen zur Emission. "Sie sagen nicht, wofür sie die Mittel brauchen", erklärte er. Andere Analysten spekulierten über eine bevorstehende Senkung der Kreditwürdigkeit für Ericsson.

Quelle: Handelsblatt

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