Telekommunikation
Lizenzpläne aus Rom

Italienische Telekommunikationsunternehmen haben sich hinter Pläne der Regierung Berlusconi gestellt, den Mobilfunkmarkt weiter zu liberalisieren. Bei der Vodafone-Tochter Omnitel hieß es, man begrüße jede Maßnahme, die zu einer effizienteren Ausnutzung der bestehenden Bandbreiten führe. Kommunikationsminister Maurizio Gasparri hatte dem Handelsblatt gesagt, künftig den Handel mit Frequenzbandbreiten zuzulassen.

 

MAILAND. Aktuell arbeite sein Ministerium an einem neuen Rahmengesetz für die Telekommunikation, das eine entsprechende Neuregelung beinhalte. Bislang ist "Frequenz-Trading" in Italien wie im Rest Europas nicht möglich.

Auch Marktführer Telecom Italia stellte sich gestern ausdrücklich hinter die Initiative Gasparris. Ein Sprecher wies darauf hin, dass gerade starken Playern durch effizientere Marktmechanismen geholfen werde. In der Tat gehen Branchenbeobachter davon aus, dass die neue Freiheit eher den größeren als den kleineren Wettbewerbern helfen werde. Gänzlich offen sei, ob die Neuregelungen nur auf die GSM- oder auch auf die UMTS-Technologie angewendet werde.

In Deutschland haben sich Mobilfunkbetreiber strikt gegen die Möglichkeit ausgesprochen, den Handel mit UMTS-Bandbreiten zuzulassen. Grund: Das würde die Bedingungen, zu denen die (teuren) Lizenzen versteigert worden sind, maßgeblich verändern.

Die beteiligten Unternehmen in Italien weisen darauf hin, dass sich die gesamte Diskussion in einem sehr frühen Stadium befinde. Wichtig sei auf alle Fälle die endgültige Form des Gesetzes. Konkreter Anlass für die italienische Regierung, die delikate Materie anzugehen, ist die unmittelbar bevorstehende Abwicklung des vierten und kleinsten Mobilfunkunternehmens im Lande, Blu. Seit Monaten steht das vom Textilkonzern Benetton und der British Telecom kontrollierte Unternehmen zum Verkauf. Der italienische Markt hat sich für vier Wettbewerber als zu klein herausgestellt. Zudem ist Blu zu spät gestartet, um eine ausreichende Kundenbasis zu gewinnen. Nun soll Telecom Italia Tochter Tim nach Informationen aus Verhandlungskreisen Blu übernehmen und danach die von Blu genutzte Frequenzbandbreite von 15 Megahertz in drei Pakte à 5 Megahertz zerlegen. Sie sollen laut Verhandlungskreisen an die zwei Konkurrenten Omnitel und Wind verkauft werden. Das ist laut heutiger Gesetzeslage nicht möglich, liegt dennoch im Interesse des Kommunikationsministers. Er wird die Genehmigung des Deals verketten mit dem Versprechen der Käufer, möglichst viele der 2000 Arbeitsplätze bei Blu zu retten. Insofern könnte eine schnelle Lösung des Falles Blu eine katalytische Wirkung auf das gesamte Gesetzgebungsverfahren in Italien haben.

Von MARCELLO BERNI, Handelsblatt

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