Telekommunikation
Sommer: Neuer Großkauf könnte US-Bedenken gegen Telekom zerstreuen

Telekom-Chef Ron Sommer hat einen weiteren Großeinkauf der Deutschen Telekom angedeutet, mit dem auch die Bedenken in den USA gegen den hohen Telekom-Staatsanteil zerstreut werden könnten. "Das muss nicht unbedingt ein US-Unternehmen sein", sagte Sommer in New York der Europa-Ausgabe des Wirtschaftsblattes "Wall Street Journal" vom Freitag.

afp BRÜSSEL. Nähere Einzelheiten wollte Sommer nicht nennen; ein Konzernsprecher in Bonn lehnte jeden Kommentar ab. Medienberichten zufolge könnte sich das Kaufinteresse auf den finnischen Telefonkonzern Sonera beziehen, der sich angeblich ab der kommenden Woche für mindestens 35 Mrd. Dollar (knapp 73 Mrd. DM) zum Verkauf anbieten will.

Das "Wall Street Journal Europe" nannte vor allem die Telekomfirmen Global Crossing und Qwest als mögliche Kaufkandidaten der Telekom; weniger wahrscheinlich sei die Übernahme von Sprint. Am Montag hatte die Telekom den milliardenschweren Kauf des US-Konzerns VoiceStream angekündigt. Durch diese Übernahme per Aktientausch sinkt der Staatsanteil bei der Telekom unter 50 Prozent; mit einem weiteren Großkauf könnte er näher an die als kritisch geltende Marke von 25 Prozent gelangen.



Widerstand im US-Senat

Gegen den Einstieg der Telekom auf dem Telefonmarkt in den Vereinigten Staaten herrscht vor allem im US-Senat Widerstand, weil der deutsche Ex-Monopolist noch mehrheitlich vom Staat und der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beherrscht wird. Der demokratische Senator Ernest Hollings will eine Regel der Telekom-Aufsichtsbehörde FCC zum Gesetz machen, wonach nur ausländische Telefonfirmen mit weniger als 25 Prozent Staatsanteil Unternehmenskäufe in den USA tätigen können. Damit könnte die FCC keine Ausnahmen von der Regel mehr zulassen. Wegen dieses Gesetzesvorhabens schaltete sich bereits die Bundesregierung in Washington ein.

Die noch mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Sonera werde sich in der nächsten Woche selbst über die Beraterbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers zur Versteigerung anbieten, meldete die "Financial Times Deutschland". Zu den Interessenten zählen demnach auch France Télécom, deren britische Tochterfirma Orange sowie der niederländische Mutterkonzern des deutschen Mobilfunkanbieters e-plus, KPN. Sonera-Vize-Chef Kaj-Erik Relander hatte am Montag einen Bericht der "Welt am Sonntag" dementiert, die britisch-amerikanische Mobilfunkgruppe Vodafone AirTouch stehe vor dem Kauf von Sonera. Der finnische Konzern sei "nicht zu verkaufen", hatte Relander in London gesagt.



Telekom soll ohnehin mit Sonera verknüpft werden

Die Telekom soll bei ihrer VoiceStream-Übernahme ohnehin mit Sonera verknüpft werden: Am Montag kündigte Sonera an, ihren VoiceStream-Anteil von 7,9 Prozent für 3,7 Milliarden Dollar an die Telekom zu verkaufen. Im Gegenzug sollen die Sonera-Anteilseigner Bargeld sowie insgesamt 1,7 Prozent am Telekom-Kapital bekommen. In Presseberichten war auch die spanische Telefónica als Kaufinteressent an Sonera genannt worden. Der "Financial Times Deutschland" zufolge winkte Vodafone wegen des hohen Preises ab, den die Banken Goldman Sachs und Lehman Brothers für das Unternehmen verlangen wollten. Sonera war zuletzt an der Börse mit 33 Milliarden Dollar bewertet.

Wie der ebenfalls in Finnland angesiedelte Mobiltelefon-Hersteller Nokia profitierte Sonera vom Handy- und Internet-Boom in der nordischen Land. An der Börse von Helsinki ist der Telekomkonzern zweitgewichtigster Wert hinter Nokia.

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