Telekommunikationsaktien geraten erneut unter Druck
Nach Global Crossing wackeln weitere Glasfasernetzbetreiber

Für Telekommunikationsmanager bleiben die Zeiten hart. Nachdem Global Crossing am Montag die Insolvenz anmelden und sich unter den Schutz des US-Konkursparagrafen "Chapter 11" begeben musste, sind die Kurse der Festnetzbetreiber erneut weltweit unter Druck geraten.

dri BERLIN. Analysten fürchten, dass weitere Unternehmen, die Glasfaser-Fernnetze betreiben, in Schwierigkeiten geraten könnten. Am stärksten gerieten am Neuen Markt die Aktien von Carrier 1 unter Druck.

In den USA blickten Analysten besonders kritisch auf Level 3 - das Unternehmen hat ebenfalls ein weltumspannendes Glasfasernetz aufgebaut - und auf Williams Communications. Beide Telekomunternehmen signalisierten, dass sie Schwierigkeiten mit dem Schuldendienst bekommen könnten, wenn die Auftragslage sich nicht bessert.

Auch über Qwest gab es negative Spekulationen. Das Unternehmen ist nach der Übernahme eines Ortsnetz-Dienstleisters in den USA und durch das Joint-Venture KPN-Qwest viel breiter aufgestellt als die reinen Glasfasernetzbetreiber. Sogar Worldcom, eines der größten US-Telekomunternehmen, blieb nicht von Gerüchten über Zahlungsprobleme verschont.

Allerdings zeigt ein Blick auf die Aktienkursentwicklung, dass bei Global Crossing die Probleme schon länger weitaus größer waren als bei der Konkurrenz. Eine Börsenwert-Vernichtung von 98 % binnen eines Jahres schaffte weltweit kein anderes Telekommunikationsunternehmen. Bei Level 3 und Williams hatten sich die Kurse im vierten Quartal parallel zum Markt sogar erholt; bei Global Crossing ging in diesem Zeitraum die Talfahrt des Aktienkurses ungebremst weiter. Das Unternehmen, das im Frühjahr 2000 mit 48 Mrd. $ bewertet wurde, ist jetzt gerade noch 1,25 Mrd. $ wert - weitaus weniger als jene 12 Mrd. $, die Kreditgeber in den Bau des Glasfasernetzes pumpten.

Große Sorgen bereitet Analysten, dass auch eine Großpleite wie Global Crossing die Überkapazitäten im Glasfasermarkt nicht beseitigt. "Solange keine Atombombe Teile dieser Infrastruktur beseitigt, bleibt der Telekommarkt überversorgt", sagte Rohit Chopra von der Deutsche Banc Alex Brown Inc. dem Wall Street Journal.

Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) schreiben in ihrer aktuellen Studie über den Telekomsektor, dass zur Zeit nur 3 % der Glasfasernetze überhaupt genutzt werden. "In den vergangenen Jahren wurde schlicht viel zu viel Geld in viel zu viele Startups gepumpt", schreiben die CSFB-Analysten. So vervierfachten sich die jährlichen Investitionen in Telekominfrastruktur zwischen 1995 und 2000. Fünf Mal so viele Unternehmen tummeln sich seither in diesem Segment, schätzt CSFB. Die Analysten bezeichnen es als unausweichlich, dass nach dem abrupten Ende des Geldflusses im Jahr 2001 etliche dieser Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten werden. Einziger Trost für Investoren: Ein wenig Glasfaser verschwindet doch vom Markt. Bei der Versteigerung von Glasfaserstrecken unter dem Atlantik aus der Konkursmasse von Viatel gab es kaum Interessenten.

Marktbeobachter glauben daher nicht unbedingt, dass das 750 Mill. $ Gebot von Hutchison für 60 % von Global Crossing viele Gegengebote anziehen wird. Bei der Deutschen Telekom, die an den Märkten als möglicher Interessent gilt, war zu hören, dass sie die notwendigen Glasfaserstrecken für globale Dienste langfristig gemietet habe. Grundsätzlich beobachte man aber die Entwicklung des Insolvenzverfahrens, um zu sehen, ob sich daraus in einem halben Jahr Gelegenheiten für Infrastruktur-Zukäufe ergeben könnten. Offiziell wollte die Telekom sich nicht zu dem Thema äußern.

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