Telekommunikationsanbieter hoffen auf Ende des Misstrauens an den Börsen
Schwere Zeiten für Festnetz-Betreiber

Die Anbieter von Festnetz-Telekommunikationsdiensten rechnen erst im nächsten Jahr mit einem Ende der Marktbereinigung in ihrer Branche. Sorgen bereitet fast allen Anbietern das massive Misstrauen der Finanzmärkte - es trifft auch etablierte Anbieter wie Worldcom.

Die Reihen der Festnetzanbieter auf der Cebit haben sich gegenüber den Vorjahren ausgedünnt. Von den deutschen Neueinsteigern des Jahres 1998 unterhält allein die Arcor AG & Co. noch einen großen Stand. Von den großen Glasfasernetzbetreibern sind die deutsche Telefónica-Tochter Mediaways, KPN-Qwest, Worldcom und Telia International Carrier vertreten sowie der US-Anbieter Sprint. Verschwunden sind fast alle Festnetz-Startups.

"Der Markt an sich ist gar nicht so schlecht", meint Arcor-Chef Harald Stöber aller Krise zum Trotz. "Welche Branche, die wie das Festnetz 100 Jahre alt ist, wächst denn so beständig wie unsere?" Stöber begründet seinen vorsichtigen Optimismus damit, dass die niedrigeren Preise die Kunden zu erheblich mehr Telefonaten ermunterten. Trotz des Preisverfalls wachsen daher die Umsätze im Festnetz weiter.

Die Branche leidet unter Kapitalflucht

Vielen Telekomfirmen nutzt diese Tatsache jedoch nichts. Seit der spektakulären Global-Crossing-Pleite leidet die Branche unter Kapitalflucht. In den Unternehmen rechnet kaum jemand mit einer schnellen Erholung. "Es ist heute nicht mehr möglich, als Festnetzbetreiber für irgendetwas noch eine Finanzierung von Banken oder anderen Finanzinvestoren zu bekommen", sagt KPN-Qwest-Chef Jack McMaster. Er ist überzeugt, dass er in diesem Quartal auf den Kauf der Infrastruktur aus der Konkursmasse der britischen GTS hätte verzichten müssen.

Als er im November - vor der Global-Crossing-Pleite - diesen Deal vereinbarte, waren die Banken bereit, 200 Mill. Euro Restschulden als neue Kredite an KPN-Qwest zu geben und diese um 300 Mill. Euro für die weitere Finanzierung der Tochter von Qwest (47 %) und KPN (40 %) aufzustocken. McMasters rechnet damit, diese Übernahme in wenigen Tagen abzuschließen.

In anderthalb Jahren soll KPN-Qwest einen positiven Cash-flow erreichen, und dann unabhängig von weiteren Finanzierungsrunden sein. Bis dahin bleibe die Angst ums Überleben. Die Schwierigkeiten des grundsätzlich gut aufgestellten BT-Konkurrenten Energis in Großbritannien zeigten, dass kein Unternehmen, das auf Finanzmarktfinanzierung angewiesen ist, sich zur Zeit sicher fühlen könne, meint er.

"Ich bin froh, dass ich mit Telia einen Ex-Monopolisten als Eigentümer habe", sagt denn auch Erik Heilborn, Chef der internationalen Glasfasernetzsparte Telia International Carrier AB. Heilborn kann in diesem Jahr 150 Mill. Euro in den weiteren Netzausbau stecken. Zur Cebit kündigte er die Eröffnung einer neuen Tochtergesellschaft in Spanien an.

Auf Expansionskurs in Deutschland ist weiterhin die Telefónica-Tochter Mediaways. "Wir werden in diesem Jahr 20 bis 25 % beim Umsatz wachsen", sagt Mediaways-Chef Bernhard Ribbrock. Zur Cebit kündigte der Datennetzbetreiber den Einstieg in die Sprachtelefonie per Voice-over-IP-Technik an.

Der Markt braucht Fusionen

Was der Markt jetzt brauche, sind Fusionen, aus denen stärkere Firmen hervorggehen, meinen Experten. "Weitere Pleiten wären schlimm für die Börsenstimmung", sagt Stöber. McMasters ist demgegenüber überzeugt, dass es eine noch schlechtere Börsenstimmung gar nicht geben könne.

In Deutschland ist die Liste der neuen Festnetz-Unternehmen, denen Experten eine gute Überlebenschance einräumen, jedenfalls kurz geworden. Arcor steht darauf, Colt Telecom und Mediaways. Bei BT Ignite und Worldcom sehen Marktbeobachter die Möglichkeit, dass sich die Muttergesellschaften aus Deutschland zurückziehen könnten. Einigen Stadtnetzbetreibern werden ebenfalls Chancen eingeräumt.

In den USA und Großbritannien, die ihe Märkte früher öffneten, rechnen Esperten mit noch stärkerer Marktbereinigung. "Ich glaube nicht, dass die großen US-Ferngesprächsanbieter Worldcom, AT&T und Sprint eigenständig bleiben können", meint McMaster. Er erwartet, dass sie in den nächsten zwei Jahren von den US-Ortsnetzmonopolisten, wie SBC oder Verizon, aufgekauft werden.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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