Telekommunikationsflaute beschleunigt die Talfahrt am Neuen Markt
Mobilcom und Dialog drücken Nemax 50 auf Allzeittief

Die Existenzkrise beim Telekommunikationsanbieter Mobilcom verschärft die Krise am Neuen Markt und ließ die Indizes am Mittwoch zwischenzeitlich auf Allzeittiefs rutschen. Nemax und Nemax 50 notierten aber am Abend mit Verlusten zwischen drei und vier Prozent oberhalb der Tiefststände.

Von Josef Hofmann



FRANKFURT/M. Ohne den dramatischen Kursverfall beim Büdelsdorfer Telekommunikationsanbieter Mobilcom wären die alten Tiefststände vom 21. September unangetastet geblieben. Doch die Verluste der Aktie nach der Aufkündigung der Zusammenarbeit durch den Großaktionär France Télécom drückten den schwachen Gesamtmarkt gestern vollends in die Knie. Der Wertverlust der Mobilcom-Aktie von knapp 16 Euro in der vergangenen Woche auf gestern knapp über 6 Euro ist im Nemax-All-Share verantwortlich für ein Minus von mehr als 2 %, im Nemax 50 ist der Einfluss noch größer. Dabei ist die Talfahrt des Titels nach Meinung von Banken- und Aktionärsvertretern höchstwahrscheinlich noch nicht zu Ende. Mobilcom ist in einer äußerst prekären Lage. Am Ende der Entwicklung könnte für das hochverschuldete Unternehmen auch das Aus stehen.

Einen gewichtigen Beitrag dazu, dass die Allzeittiefs kurzfristig unterschritten wurden, leisteten auch die Vertreter aus dem Umfeld der Chip-Branche. Gebeutelt von den schwachen Ausblicken der Hauptabnehmerbranche Telekommunikation, hat das Papier von Dialog Semiconductor seit Anfang Juni mehr als ein Drittel an Wert verloren und notiert mittlerweile bei nur noch 2,17 Euro. Allerdings hätte es gestern noch schlimmer kommen können. Am Vormittag hatte der Kurs schon einmal an der Marke von zwei Euro gekratzt. Nachdem Finanzvorstand Martin Klöble dementierte, dass aus dem Unternehmen heraus eine Hiobsbotschaft drohe, reduzierten sich die Verluste leicht. Am Abend betrug das Minus 15 %. Weiter in den Keller ging es auch mit der Aktie von Suess Microtec. Die Aktie gab weitere 7,7 % auf 24,60 Euro nach - Verlust seit Anfang Juni 20 % und damit neuer Tiefststand.

Die Entwicklungen dieser Papiere hätten natürlich bei weitem nicht ausgereicht, um die Indizes so tief in die roten Zahlen zu ziehen. Der gesamte Markt befindet sich weiter auf einer abschüssigen Bahn und die Zahl der Unternehmen, die für große Institutionelle Anleger interessant sind, schwindet parallel zur Marktkapitalisierung. Gerade einmal gut zwei Dutzend Gesellschaften werden noch mit mehr als 200 Mill. Euro an der Börse bewertet. Und auch die Schwergewichte mit einem Markwert von mehr als einer Milliarde Euro wie T-Online, Qiagen, Medion, BB Biotech und Singulus machen den Anlegern seit Tagen alles andere als Freude. Sie dürften jedoch auch wieder am stärksten profitieren, wenn der Markt einen Boden findet und dreht. Der Abschwung wird auch dieses Mal nicht mehr ewig dauern, zieht man bislang akzeptierte Bewertungsparameter zu Rate. Denn Aktienmärkte mögen launisch sein, Über- und eben auch Untertreibungen wurden bislang immer über kurz oder lang korrigiert.

Quelle: Handelsblatt

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