Telekommunikationsmarkt
Hässlicher Domino-Effekt

Worldcom hielt lange an einem Mythos fest: Dass sich der Internet-Verkehr alle 100 Tage verdoppelt. Jetzt, wo klar ist, dass es nicht so ist, haben viele Telekoms ein Problem: Überkapazitäten. Die Folgen für den Markt können noch schmerzlicher sein, als bisher angenommen.

Eigentlich hätte es zumindest Worldcom besser wissen müssen. Der US-Telekomkonzern wickelt schließlich über seine Tochter UU-Net die Hälfte des weltweiten Internet-Verkehrs ab. Dennoch hielt der Konzern lange an einem Mythos fest: Dass sich der Internet-Verkehr alle 100 Tage verdoppelt. Keiner hat dies angefochten, auch wenn inzwischen feststeht: Der Internetverkehr hat sich nur alle 365 Tage verdoppelt, dafür haben die Unternehmen ihre Übertragungskapazitäten um ein Vielfaches gesteigert. Doch der feine Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage hat offenbar keinen in der Branche so richtig interessiert - eine Nachlässigkeit, die nach der jetzigen Worldcom- Pleite noch weitaus schmerzlichere Folgen für den Markt haben könnte als bisher angenommen.

Die Leitungen, die die Unternehmen in den vergangenen Jahren verbuddelt haben, sind nun einmal da und damit auch die Überkapazitäten. Trotz der zahlreichen Pleiten im Telekomsektor werden sie erhalten bleiben. Bereits in den vergangenen Jahren hat das Überangebot die Preise für Bandbreite extrem gedrückt. Worldcoms Pleite verschärft den Preisverfall um einen weiteren Punkt: Der Gläubigerschutz könnte dem Unternehmen die Chance geben, seine Betriebskosten und Schulden zu senken. Womöglich meldet sich das Unternehmen dann mit Kampfpreisen zurück - und reißt im schlimmsten Fall bisher einigermaßen gesunde Unternehmen in den Strudel.

Dasselbe gilt auch, wenn ein Konkurrent einen Teil des Worldcom-Netzes im Insolvenzverfahren zum Schnäppchenpreis kaufen würde. Das Unternehmen könnte seine gesamte Infrastruktur günstiger betreiben und den Kunden bessere Preise machen. Analysten nennen es einen Domino-Effekt, wenn Konkurse oder Fusionen die Lage der Konkurrenten nicht verbessern, sondern eher das Gegenteil bewirken.

Solange eine große Lücke zwischen Nachfrage und Angebot bei Übertragungskapazitäten klafft, ist ein Ende der Pleiten nicht abzusehen. Selbst die Optimisten glauben, dass sich diese Lücke frühestens in zwei bis drei Jahren schließt - wenn sich der Internetverkehr und das Gesprächsvolumen im Festnetz denn weiterhin jedes Jahr verdoppeln.

Erst ab 2005 könnten dann auch die arg gebeutelten Telekom-Netzausrüster wieder damit rechnen, dass in den weiteren Ausbau von Infrastruktur investiert wird.

Gute Gründe sprechen dafür, dass die ehemaligen Monopolisten auf dem Telekommarkt diese heftige Konsolidierungsrunde überstehen werden. Mit dem Staat als Mehrheitseigner ist ihre Existenz nicht in dem Maße gefährdet wie das Überleben der alternativen Telekomanbieter. Das gilt trotz der hohen Schuldenberge, mit denen die Ex-Monopolisten zu kämpfen haben - auch sie sind übrigens eine Folge der Zukunftsinvestitionen, die sich noch lange nicht rentieren werden.

Zurück zum Monopol - diese Richtung ist eindeutig. Für Kunden und Zulieferer wäre das keine gute Nachricht. Die Preise für Endkunden würden wieder anziehen, der Druck auf die Zulieferer würde wachsen, die Entwicklung neuer Dienste sich verlangsamen und die Erfolge der Liberalisierung aus den vergangenen Jahren wären zunichte gemacht - bittere Aussichten für einen Markt, der doch so hoffnungsvoll gestartet ist.

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