Telekomwerte sind umstritten
Tipp für 2003: Finanz- und Pharmaaktien

Im Jahr 2003 bieten europäische Finanzdienstleister und Pharmaaktien gute Gewinnchancen, meinen Analysten und Fondsmanager. Dabei rechnen die Experten mit weiteren Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und damit, dass die Wirtschaft langsam wieder in Schwung kommt.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Gute Nachrichten für Aktienanleger in Europa: Aufgrund der niedrigen Bewertungen und einer starken zyklischen Ausrichtung vieler Aktien haben die europäischen Börsen im Vergleich zu US-Werten deutliches Kurspotenzial. Das zumindest meinen Experten wie Philippe Herault, Manager des Pan-European Equity-Fonds von HSBC, Alfred Roelli von Pictet und Roland Ziegler, Anlagestratege bei der ING-BHF-Bank. Finanzwerte und Pharmatitel zählen zurzeit zu den meistgenannten Favoriten der Banker und Manager.

Bei Finanzwerten - wie bei den europäischen Titeln allgemein - wird oft auf die niedrige Bewertung verwiesen: "Massive Kursreaktionen auf das Katastrophenjahr 2002 bieten bei den Versicherern Raum für Erholung", sagt beispielsweise Ziegler. Und der Londoner Commerzbank-Stratege Rolf Elgeti ergänzt das andere oft genannte Argument: Finanzwerte dürften von den zu erwartenden Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank profitieren - "zumindest kurzfristig", fügt er hinzu. Auch Matthias Joerss, Leiter Aktienstrategie bei Sal. Oppenheim, erwartet wegen der steileren Zinsstrukturkurve eine überdurchschnittliche Performance von Finanzwerten; zu den Top-Picks der Bank zählen Allianz, Deutsche Bank und Swiss Re.

Indessen weisen aber die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt darauf hin, dass Bankwerte teilweise schon hoch bewertet seien, weswegen sie nur Versicherer zu ihren Favoriten zählen. Eine differenzierte Sicht bieten auch Martin Gilles und Hendrik Garz von WestLB Panmure: "Bei einer konjunkturellen Belebung sollten auch die Kreditvolumina in wichtigen Märkten wieder stärker anziehen", führen sie als weiteren Pluspunkt für die gesamte Branche an. Allerdings gebe es bei den europäischen Banken keinen einheitlichen Trend; in einigen Ländern seien eine sinkende Risikovorsorge und strukturell steigende Zinsmargen zu erwarten, in anderen Ländern dürfte sich eine gegenteilige Entwicklung einstellen. Kostensenkungsmaßnahmen zögen sich jedoch quer durch die Branche und böten generell Hoffnung auf Kursgewinne. Unter anderem wegen der gesunkenen Kosten raten die Experten bei Credit Suisse Group zum Kauf, auch ING Group steht auf ihrer Empfehlungsliste. Bei den Versicherern sind sie skeptischer als andere Banken: " Einen Weg aus der Krise sehen wir nur im Rückversicherungssektor, wo sich über die Preise die Margen erhöhen könnten", erklären Gilles und Garz. Sie rechnen bei Swiss Re mit überdurchschnittlichen Kurszuwächsen; die Finanzstärke der Gesellschaft sei gegenwärtig der Hauptunterschied zu anderen Wettbewerbern.

Gewinne, die über dem Marktdurchschnitt liegen, erwarten viele Analysten und Fondsmanager auch bei Pharmaaktien. Die Aktien gehören zum Beispiel zu den Favoriten der ING-BHF-Bank und von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auch Markus Steinbeis, Fondsmanager für europäische Publikumsfonds bei Activest, sieht die Titel auf der Gewinnerseite. Er hält, wie auch Fondsmanager Winfried Hutmann von Frankfurt Trust, Novartis angesichts des zu erwartenden Gewinnwachstums für attraktiv. Ziegler ergänzt: "Im Pharmasektor ist die Korrektur der Wachstumserwartungen abgeschlossen."

Harald Sporleder, Senior Fondsmanager für European Equity beim DIT, zählt neben Pharmawerten auch Telekomtitel zu den Branchen, die gute Kurschancen hätten. Er traut zum Beispiel der Deutschen Telekom Überraschungen zu, wenn der Schuldenabbau weiter so engagiert betrieben werde. Steinbeis lobt, dass die Reduzierung der Verbindlichkeiten bei der Deutschen Telekom Fortschritte mache. Auch könnten Mobilfunkunternehmen wie Vodafone von neuen Diensten wie Multimedia Messaging Service (MMS) im nächsten Jahr Impulse bekommen. Joerss ergänzt, bei den Telekomunternehmen werde das Wachstum der Branche wieder in den Vordergrund rücken - und das dürfte über den Zuwächsen des Bruttoinlandsprodukts liegen.

Telekom - ebenso wie Technologiewerte sind zurzeit aber unter Analysten sehr umstritten. Herault äußerte etwa, dass er den Großteil der Nokia-Bestände seines Fonds nach der gesenkten Umsatzprognose der Finnen verkauft habe. Commerzbanker Elgeti ist in Bezug auf "TMT"-Werten skeptisch. Und Steinbeis rät gar grundsätzlich von Technologieaktien ab. Die Branche müsse auch im nächsten Jahr Überkapazitäten abbauen. Dagegen weisen Gilles und Garz darauf hin, frühzyklische Technologietitel gute Kurschancen hätten. Dazu zählen sie etwa Infineon und SAP.

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