Telematik als Erfolgsfaktor in der Logistik
GPRS-Tarife rechnen sich

Telematik, also die Verknüpfung von Telekommunikation und Informatik, gewinnt in der Logistik immer mehr an Bedeutung.

HB. "Die Anforderungen von Spediteuren und Auftraggebern gehen eindeutig dahin, Daten schneller zu transportieren", bestätigt Stefan Hausmann, Geschäftsführer Vertrieb der ABX Logistics (Deutschland) GmbH in Duisburg. Als erster Spediteur hat das Unternehmen seinen Online-Order-Service auf das GPRS-Netz umgestellt.

Der General Packet Radio Service (GPRS) bietet eine mehr als sechsfach höhere Übertragungsgeschwindigkeit und löst das bisher verwendete Modacom-Netz ab, das Ende Juni abgeschaltet wird. In den 34 deutschlandweiten Niederlassungen ist die Umrüstung der 1 400 Fahrzeuge nahezu abgeschlossen, die für ABX im Fern- und Nahverkehr unterwegs sind.

Im Vorfeld wurde die benötigte Software vom IT Kratzer Automation AG, -Spezialisten Unterschleißheim, auf das neue System angepasst. Die zukunftsweisende Technik ist in mobilen Koffern installiert und wird nicht fest eingebaut, sondern nur mit der Stromversorgung und einer Klappantenne verbunden. So ist ein schneller Austausch beim Ausfall eines Lkw oder der Sendetechnik möglich.

Die Vorteile sind eindeutig: Eine permanente Datenübertragung ist gewährleistet, die Kommunikationskosten reduzieren sich zudem um beachtliche 35 %, weil der GPRS-Tarif entsprechend günstiger ist. Die gesamte Umstellung inklusive der neuen Geräte machte Investitionen in Höhe von 680 000 Euro nötig. Bei ABX ist man aber sicher, dass sich diese Aufwendungen schnell amortisieren: "GPRS bietet zurzeit das modernste flächendeckende Funknetz in Deutschland und für unsere Anwendungen das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis", betont Hausmann.

Unter der Bezeichnung ABXtra haben die Duisburger ein modular aufgebautes Servicepaket geschnürt, das verschiedene logistische Produktions- und Informationssysteme miteinander vernetzt und dem Kunden per Internet zur Verfügung stellt.

Die Anmeldung von Gütern durch den Kunden erfolgt über eine leicht verständliche Maske über die ABX-Homepage. Die Auftragsdaten werden ohne weiteres manuelles Eingreifen dem Disponenten oder direkt via GPRS dem Fahrer zur Verfügung gestellt. Der Kunde kann sich den Auftrag per E-Mail bestätigen lassen. Kernstück von ABXtra ist der Barcode nach dem weltweit anerkannten SSCC-Standard (Serial Shipping Container Code), der den physikalischen Transport von jedem Packstück bis zur Zustellung begleitet und kontrolliert.

"Durch die 100-prozentige Identifizierbarkeit der einzelnen Colli sowie der eindeutigen Sendungszugehörigkeit setzen wir neue Sicherheitsmaßstäbe in der Branche", sagt Dirk Treue, Produktmanager E-Business bei ABX.

Die durch das Scannen erfassten Auftrags- und Statusdaten jeder Sendung werden in Echtzeit in das zentrale Tracking- und Tracing-System (TTS) eingespeist, auf das Kunden wiederum über das Internet Zugriff haben, um die Güter bis zur Quittierung des Empfängers verfolgen zu können. Auf diese Art ist die Zustellqualität jederzeit überprüfbar. Insgesamt bietet ABXtra die Möglichkeit, Sendungsverfolgung, Beleg-Archivierung und die Bestellung der Abholfahrzeuge lückenlos online zu gestalten. Große Teile der logistischen Wertschöpfungskette werden für die Nutzer des Systems erstmals voll einseh- und per Mausklick steuerbar.

Bisher dauerte der Datentransfer z.B. bei der Ablieferung rund 15 Minuten. "Solange kann kein Fahrer warten. Entsprechend zeitaufwendig sind Abläufe, wenn beispielsweise eine falsche oder beschädigte Ware geliefert worden ist. Mit GPRS wollen wir die Zeitspanne auf fünf Minuten beschränken, so dass wir über die zustellende Person noch direkt reagieren können", skizziert Hausmann die Zukunft.

Das leistungsstärkere Netz arbeitet nicht nur schneller, sondern bewältigt auch größere Datenmengen. "So können wir mit unseren Kunden proaktiv Informationen austauschen, um Zustellhindernisse zeitnah aus dem Wege zu räumen", so Treue.

Noch bessere Möglichkeiten versprechen sich die Logistik-Spezialisten von der Einführung der Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen ab Mitte 2003. Noch ist eine endgültige Systementscheidung nicht gefallen, aber in Duisburg hofft man darauf, dass eine großzügige Auslegung erfolgt, die über die Identifizierung und Abrechnung der Lkw hinaus weitere technische Optionen zulässt.

"Wir könnten unsere Fahrzeuge bzw. Wechselbrücken über das System orten und mit Hilfe einer intelligenten Verknüpfung von Identifizierungsdaten und Barcode noch bessere Informationen für die zeitgesteuerte Kapazitätsplanung an den Umschlagpunkten gewinnen", hofft Fachmann Treue. Auf längere Sicht sollten "amerikanische Verhältnisse", wo Aufträge direkt in die einzelnen Fahrzeuge vergeben werden und so vorhandener und schnell verfügbarer Laderaum noch viel effektiver mit Transportleistung "verheiratet" werden kann, auch in Europa möglich sein. "Gerade angesichts der großen Probleme, die mit der weiteren Verkehrszunahme besonders auf der Straße zu erwarten sind, müssen wir die Auslastung weiter verbessern und unnötige Fahrten vermeiden", konstatiert Hausmann. Ein internes Projektteam soll prüfen, wie sich zusätzliche Möglichkeiten in die Maut-Technologie integrieren lassen.

Der Transportmarkt steht weiterhin unter extremem Kostendruck. Deshalb sind Lösungen notwendig, um einerseits die weiter zunehmenden Staus, andererseits den Verlust von Ware und Behältern zu vermeiden. Hierbei wird Telematik eine wesentliche Rolle spielen.

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