Teleshopping-Holding entlässt 400 Mitarbeiter
RTL plant Einstieg bei Hot Networks

Barry Diller verhandelt mit RTL Deutschland über eine Beteiligung an der Einkauf-Senderkette von Hot Networks. Ob die Gespräche zum Erfolg führen, sei noch offen, berichten Brancheninsider.

DÜSSELDORF. Das von ihm geführte Medienunternehmen Home Shopping Network übernimmt - wie berichtet - nach wochenlangen Streitereien die Anteile der Gesellschafter Georg Kofler und Thomas Kirch von jeweils 26,67 % an Hot.

Ein Einstieg bei Hot, zu dem auch der deutsche Einkaufssender Home Shopping Europe (HSE) gehört, wäre für RTL eine ideale Ergänzung. Der Marktführer unter den deutschen Fernsehsendern hatte im Februar 2001 die Teleshopping-Tochter RTL Shop gegründet. Als letzter in Deutschland gestarteter Einkaufskanal hat es RTL Shop schwer, sich gegen den erfahrenen Sender HSE im engen Teleshoppingmarkt durchzusetzen. RTL Shop will nach eigenen Angaben bis spätestens 2004 schwarze Zahlen schreiben. Angesichts der Krise des TV-Werbemarktes sucht RTL nach neuen Erlösquellen im Fernsehgeschäft. RTL Shop ist ein Joint Venture von RTL Television, RTL New Media und der französischen Sendergruppe M6. Alle drei Firmen gehören zur RTL Group, die sich zu 90 % im Besitz von Bertelsmann befindet.

Diller und seine Home Shopping Network sind nach dem Deal mit Kofler und Kirch zu 89,99 % an dem bei München ansässigen Sender Home Shopping Europe beteiligt. Der Einkaufssender erzielte einen Nettoumsatz von 275,6 Mill. ? (2001) und ist Marktführer unter den deutschen Einkaufssendern.

In München beschäftigt der Sender 370 Mitarbeiter, zusammen mit den Dienstleistern der Quelle AG sind es über 1 800. Das Fürther Versandhaus ist zu 9,9 % an HSE beteiligt. "Die Home Shopping Europe ist innerhalb der Hot Networks Gruppe die einzige profitabel arbeitende Tochter. Daher sind wir natürlich ein attraktiver Partner", sagte eine Sprecherin.

Unterdessen gibt es bereits erste Konsequenzen aus der Übernahme durch Diller. Die Hot-Sender in Brüssel und London, die 2001 erst eröffnet wurden, werden geschlossen. Die 400 Mitarbeiter in Belgien und Großbritannien verlieren ihren Job. Das bestätigte ein Hot-Sprecher. Die Münchener Holding bleibt von Entlassungswelle unberührt.

Zu der von Diller übernommenen Hot Networks gehört auch die Euvía Media AG mit den Sendern Neun Live (früher TM 3) und "Sonnenklar" (Reisekanal). Ursprünglich wollte der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG seinen Anteil von derzeit 48,4 % an Euvía erhöhen. "Rohner hätte Euvía für einen Appel und ein Ei haben können", hieß es in Kirch-Kreisen. Doch Verhandlungen zwischen dem Pro-Sieben-Chef Urs Rohner und den Hot-Gesellschaftern Kofler und Thomas Kirch scheiterten vor allem am Preis. Es hätte auch steuerliche Hindernisse gegeben.

Wie Insider berichten, will sich Kofler, derzeit viel beschäftigter Chef des schwer angeschlagenen Bezahlsenders Premiere, einen Anteil von 3 % an der Euvia sichern. Ein Sprecher von Hot Networks sagte nur: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass Kofler kleinere Beteiligungen an einzelnen Unternehmen der Gruppe behält."

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%