Telewest streicht 1500 Stellen
Pay-TV-Anbieter geraten weiter unter Druck

Die Krise im Bezahlfernsehen nimmt kein Ende: In Großbritannien ist ITV Digital abgeschaltet, in den Niederlanden setzt eine Klage UPC stark unter Druck, in Deutschland kämpft Premiere noch immer um das Überleben. Der Kabelanbieter Telewest zieht nun die Notbremse: 1500 Mitarbeiter müssen gehen.

sbe/and LONDON/BRÜSSEL. Die Krise im europäischen Bezahlfernsehen zieht weitere Kreise. Am Donnerstag hat der britische Kabelanbieter Telewest den Abbau von 1500 Stellen angekündigt. Damit streicht das Unternehmen, dessen größte Aktionäre John Malones Kabelkonzern Liberty Media und der Softwaregigant Microsoft sind, fast 15 % der Arbeitsplätze.

Auch die Zukunft des amerikanisch-niederländischen Kabelbetreibers UPC hängt am seidenen Faden: Der hoch verschuldete Anbieter muss bis 3. Juni eine Lösung für seine Finanzprobleme finden und wird nun auch noch von Aktionären verklagt.

Europaweit sind die Anbieter in der Krise: Vor wenigen Tagen hatte der spanische Pay-TV-Kanal Quiero Konkurs angemeldet. In Deutschland steht der Kirch-Sender Premiere vor der Insolvenz. In Großbritannien steckt der Kabelanbieter NTL mit 17 Mrd. $ in der Schuldenfalle.

In England blicken gut eine Million Pay-TV-Kunden seit dem 1. Mai in die Röhre - der Kanal ITV Digital wurde vom Zwangsverwalter abgeschaltet, nachdem das Unternehmen weder insgesamt noch in Teilen verkauft werden konnte. Gestern trat Stuart Prebble - der Mann, der ITV Digital erste als Konkurrenz zum mächtigen Sender BSkyB aufbauen wollte - frustriert zurück. Die drei Lizenzen von ITV Digital wurden an die Regierung in London zurückgegeben. Sie sollen in den kommenden sechs Wochen neu verteilt werden. Marktbeobachter in London erwarten, dass der von Rupert Murdoch kontrollierte britische Marktführer BSkyB sich mindestens eine Lizenz sichern will.

Damit würde BSkyB sein Satellitensystem verlassen und auch über Antenne digitales Fernsehen bieten. Allerdings dürfte dies nur als Teil einer TV-Koalition mit anderen Sendern möglich werden. Nach Ansicht von Merrill Lynch dürfte das neue TV-Bündnis aber nicht aufs Bezahlfernsehen setzen, sondern wird als kostenloses Angebot im britischen Digitalfernsehen laufen.

In den Niederlanden muss die United Pan-European Communications (UPC) N.V. bis 3. Juni erklären, ob und wie sie ihre Schuldenlast von 11,2 Mrd. Euro verringern kann. UPC schrieb 2001 einen Rekordverlust von 4,4 Mrd. Euro. Die ehemaligen Eigentümer der Cignal Global Communications, die 2000 von der UPC-Tochter Priority Telecom übernommen wurde, verlangen zudem eine Entschädigung von mehr als 200 Mill. $ für den Kursverfall von Priority. Deren Marktwert ist seit dem Börsengang Ende September 2001 von 50 auf 17 Mill. Euro gesunken. UPC hatte Priority an die Börse gebracht, um den Cignal-Aktionären nicht eine Vergütung von 200 Mill. $ zahlen zu müssen. UPC weist die Klage der Aktionäre zurück.

Die britische Telewest steht finanziell etwas besser da als die Konkurrenz, ist mit 8,6 Mrd. Euro aber ebenfalls hoch verschuldet. Firmenchef Adam Singer will mit dem Stellenabbau 80 Mill. Euro im Jahr sparen. Zugleich sollen die Investitionen um mehr als 15 % auf unter 800 Mill. Euro gesenkt werden. Das Unternehmen, das neben Pay-TV auch Internet und Telefondienste anbietet, schloss gestern erstmals Verkäufe von Firmenbereichen nicht mehr aus. "Wir befinden uns in Zeiten spärlichen Kapitals", sagte Singer, "und wir müssen darauf reagieren." In London wird schon länger über eine Fusion von NTL und Telewest spekuliert.

Quelle: Handelsblatt

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