Tellqvist war auf den Puck geplumpst
Torkamera entscheidet Spiel

Kanada schlägt im Eishockey-WM-Finale Schweden mit 3:2 nach Verlängerung. Das Finale war an Dramatik kaum zu überbieten: Fünf Minuten warten auf den Videobeweis.

HELSINKI. Es war eine Szene wie aus einem Werbeclip für die National Hockey League (NHL): Schaut, so schön kann Eishockey auch in Europa sein, wenn man es ernst nimmt. Dies schienen die letzten Aktionen der Weltmeisterschaft als Botschaft über den großen Teich in die USA zu senden. Das Finale zwischen Kanada und Schweden vor 13 665 Zuschauern in der ausverkauften Hartwall Arena in Helsinki war an Dramatik nicht zu überbieten.

13 Minuten und 49 Sekunden in der Verlängerung waren gespielt, als Anson Carter mit einem Bauerntrick das Turnier beendete. Ausgerechnet Carter, der einzige dunkelhäutige Spieler des Turniers. Lässig war der Rastaman einmal ums Tor gekurvt und hatte von hinten den Puck zum 3:2 über die Linie geschoben. Was die Entscheidung bedeutete, aber längst noch nicht das Ende eines spannenden Abends.

Der riesige schwedische Torhüter Mikael Tellqvist war auf den Puck geplumpst und hatte den Schiedsrichtern die Sicht genommen. War die Scheibe nun drin oder doch nicht? Erstmals bei einem WM-Finale wurde der Videobeweis angestrengt und bange fünf Minuten hatten die Kanadier auf dem Eis gestanden. Mit ihren Händen hilflos auf die Schläger gestützt. Doch dann ging die Hand des Schiedsrichters nach oben, und der Jubel brach los. Kanada war Weltmeister. Die letzte Sequenz einer beinahe allzu kitschigen Geschichte war geschrieben.

Team Canada mutete an wie eine siegreiche Mannschaft in einem schlechten Hollywood-Sportfilm: In Finnland hatte sich eine kanadische Mannschaft zusammen gefunden, die sich noch mal beweisen wollte. Der große Erfolg über den Erzrivalen USA bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City und damit der Gewinn der Goldmedaille sollte bestätigt werden. "Zum Schluss dachten ja alle, unser Olympiaerfolg sei nur Zufall gewesen", so Kapitän Ryan Smyth. So zog Andy Murray, einst Coach der Eisbären Berlin, eine "junge, hungrige Mannschaft" zusammen

.

Gespickt mit Topstars, die in den Playoffs der NHL früh ausgeschieden waren. Etwa Dany Heatley von den Atlanta Trashers und Kris Draper von den Detroit Red Wings. Von 23 Spielern waren 22 NHL-Profis. Wie kleine Lastwagen rammten sie sich durchs Turnier. Die Scheibe hart nach vorne rein und alle Mann hinterher - bis der Gegner zermürbt war. Deutschland im Viertelfinale, Tschechien im Halbfinale. "Dann haben wir unser Poster aufgehängt", bekundete Murray stolz. Das Team klebte das Bild vom letzten WM-Sieg von 1997 in die Spielerkabine. Doch im Finale lagen sie schnell 0:2 gegen die stark aufspielenden Schweden zurück. "Hey man, never say no", fasste Carter später seine Gefühle zu diesem Zeitpunkt kurz und bündig zusammen. Und dann konnten sie tatsächlich in der 50. Minute zum 2:2 ausgleichen.

Nun steht Kanada mit Russland als Rekordhalter einsam an der Weltspitze - beide Teams haben 22 Mal den Titel gewonnen. Weit abgeschlagen beendeten hingegen die USA das Turnier. Nur knapp entrannen sie dem Abstieg, da fast alle ihre NHL-Profis für die WM abgesagt hatten. Vielleicht werden die Kanadier ihnen nun ein Videoclip mit den besten Szenen zusammen schneiden. Mit dem Satz: "Schaut, so schön kann Hollywood auf Eis sein."

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