Teltow-Fläming
Deutscher Wachstumsmeister

Der Professor kann diese Frage langsam wirklich nicht mehr hören: Luckenwalde? Warum ausgerechnet Luckenwalde? Jeder, wirklich jeder will von dem Berliner Zellbiologen Christian Petzelt wissen, warum er sein Biotech- Start-up Marinpharm ausgerechnet in der Kreisstadt von Teltow-Fläming gegründet hat - dabei ist Petzelt, im Hauptberuf Professor an der Medizinischen Fakultät Charité, doch mitten in Berlin zu Hause.

HB LUCKENWALDE. Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Biotechnologiepark mit seinen mustergültig ausgestatteten Laboren hat Petzelt vor die Tore Berlins gelockt. Der zweite Grund ist ein Team von Wirtschaftsförderern, das ihm die Wünsche quasi von den Augen abliest. "Hier arbeitet eine Mannschaft Hand in Hand und hakt sofort nach, wenn etwas nicht schnell geht", sagt der Experte für die Herstellung genetisch veränderter Zelllinien und schwärmt über "das Tempo und die Flexibilität der Verwaltung". Die ist so flexibel, dass der Landrat Baugenehmigungen auch schon mal erst bei der Betriebseröffnung überreicht.

Petzelt ist längst nicht der einzige Unternehmer, der sich von dem brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming hat begeistern lassen. Allein das Biotechnologiezentrum in Luckenwalde beherbergt 39 weitere Unternehmen. In Ludwigsfelde, der größten Stadt des Kreises, haben sich Rolls Royce und Daimler-Chrysler angesiedelt, MTU und Thyssen. Und jüngst hat auch Volkswagen beschlossen, sein neues Ersatzteil-Vertriebszentrum für Ostdeutschland dort hochzuziehen.

Teltow-Fläming ist einer von acht Flächenkreisen in Brandenburg, die sternförmig an Berlin angrenzen - aber der einzige, der es geschafft hat, im Windschatten der Hauptstadt eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu schreiben. Das reale Bruttoinlandsprodukt vor Ort ist seit 1997 rund fünfmal stärker gewachsen als im Bundesdurchschnitt. In Teltow-Fläming wuchs die Bevölkerung um 5,5 Prozent, während sie fast überall sonst im Osten gesunken ist.

Besser als die Hauptstadt

Insgesamt ist die Region der mit Abstand wettbewerbsfähigste Flächenkreis im Osten, zeigt der Zukunftsatlas von Handelsblatt und Prognos - Teltow-Fläming schneidet sogar besser ab als die Hauptstadt selbst. "Teltow-Fläming hat es geschafft, traditionelle Stärken zu wahren und darüber clever sein Profil zu schärfen", sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). "Andere Landkreise können an diesem Beispiel lernen, an der eigenen Kompetenz anzusetzen - auch wenn sie noch so klein erscheinen mag."

Nach der Wende, als die traditionell starke Textil- und Hutindustrie in der Region zusammenbrach, grübelten Lokalpolitiker und Wirtschaftsförderer gemeinsam, welche Zukunftsbranche sie anlocken könnten - inspirieren ließen sie sich in den USA, wo "Life Science" und Biotechnologie schon damals große Themen waren. Kurzerhand erklärten sie eine 28 Hektar große Militärbrache zu einem Biotechnologiepark, investierten in Laborkapazitäten und Büroräume - und bauten darauf, dass "uns Amerika immer ein paar Jahre voraus ist", erinnert sich Christoph Weber, Geschäftsführer des Parks. Das Kalkül ging auf: Heute sind 90 Prozent der Fläche belegt, rund 450 Menschen arbeiten hier.

"Die Entscheider in Teltow-Fläming waren direkt nach der Wende offen für Neues, das zahlt sich jetzt aus", sagt einer, der alle Nachbarkreise betreut und vergleichen kann: Michael Wehrmann von der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB). Hinzu kommt, dass die brandenburgische Landesregierung den Kreis gezielt und überproportional stärkt: Gut 15 Mill. Euro Fördergelder hat sie bislang in die Region gepumpt - das sind neun Prozent der gesamten Technologieförderung des Landes. "Profilierung funktioniert über Bündelung", sagt Wirtschaftsminister Junghanns.

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