Temperatur am Freitag auf 30 Grad gesunken
Bergungskräfte nähern sich Zentrum des Tunnel-Unglücks

Feuerwehrleute haben zwei Tage nach dem Unglück im Schweizer Gotthardtunnel den Brand gelöscht, der vom Zusammenprall zweier Lastwagen ausgelöst worden war. Bergungsmannschaften versuchten am Freitag, zur Unglückstelle vorzudringen. Nach Polizeiangaben wurden noch bis zu 128 Personen vermisst und elf Tote geborgen.

Reuters AIROLO. Der Leiter der Task Force Tunnelsicherheit, Michel Egger, sagte der "Neuen Zürcher Zeitung", der Tunnel dürfte bis weit in den Winter geschlossen bleiben. Die Schweiz werde sobald wie möglich mit der Europäischen Union Gespräche über ein Teilsperrung der Schweiz für den Schwerverkehr-Transit suchen.

Rund 100 verlassene Autos in der Nordhälfte des Tunnels sollten noch am Freitag beseitigt werden, um den Bergungskräften mehr Bewegungsfreiheit zu geben. Der Polizeichef des Kantons Tession, Romano Piazzini, sagte jedoch in Airolo, noch immer sei eine Strecke von rund 150 Metern für die Rettungskräfte nicht zugänglich. Die Rettungskräfte hätten damit begonnen, nördlich der Unfallstelle die einsturzgefährdete Decke abzustützen, damit die Bergungstrupps zu den verschütteten Fahrzeugen vordringen könnten. Dies dürfte aber erst am Montag der Fall sein, sagte Piazzini.

Die Zahl der Todesopfer blieb am Freitag unverändert bei elf. Alle Leichen seien in der Nacht aus dem Tunnel geborgen worden. Acht der Opfer konnten bisher identifiziert werden. Dabei handelt es sich um einen 35-jährigen Schweizer, vier Deutsche, zwei Franzosen und einen Italiener, wie Piazzini weiter mitteilte.

Den Feuerwehrleuten sei es trotz hoher Gefahr gelungen, etwa 150 Meter in den rund 250 Meter langen am stärksten betroffenen Abschnitt vorzudringen, sagte der Chef der Feuerwehr Airolo, Rinaldo Kumin, Reuters. "Sie haben einige verlassenen Autos untersucht, alle waren leer", sagte Kumin.

Eine rund 50 Meter lange Strecke, wo die Feuersbrunst am stärksten gewütet hatte, dürfte bis am Montag unzugänglich bleiben. "Auf rund 50 Metern hat es große Mengen von Wrackteilen und Trümmern der eingestützten Struktur, die wegen der großen Hitze zusammengeschmolzen sind", sagte Piazzini. In diesem Bereich hätten während des Brandes Temperaturen bis zu 1200 Grad geherrscht. Die Bergungsarbeiten in diese so genannten "roten Zone" dürften erst am Montag oder später beginnen.

Wenig aussagekräftig ist laut Angaben von Piazzini die Zahl der Vermissten. "Das ist das totale Chaos", sagte Piazzini. "Die Zahlen gehen Rauf und runter." Die Zahl von 128 variiere ständig, da immer noch Personen auf die Hotline anriefen und vermisste Personen meldeten.

Die Behörden teilten mit, der Tunnel werde vermutlich bis weit in den Winter hinein geschlossen bleiben. Der für die Tunnelsicherheit zuständige Egger sagte der "Neuen Zürcher Zeitung", die Ausweichrouten über den San Bernardino, Simplon und Großer St. Bernhard würden den zusätzlichen Verkehr nicht auffangen können. Die Schweiz werde deshalb mit der EU Gespräche über ein Teilsperrung der Schweiz für den Schwerverkehr-Transit suchen. Beim gegenwärtigen Ausbauzustand des Schweizer Bahnnetzes könne auch nur ein beschränktes Zusatzvolumen des Gütertransits auf die Bahn verladen werden. Die Katonspolizei sagte, am Freitag habe es keine größeren Staus auf den Ausweichstrecken gegeben.

Mit 17 Kilometern ist der 1980 eröffnete Gotthardtunnel der längste Straßentunnel in Kontinentaleuropa. Im Durchschnitt passieren täglich 19 000 Fahrzeuge den Tunnel. Er erhielt bei Sicherheitsuntersuchungen wie etwa im Jahr 1999 vom ADAC immer gute Sicherheitsnoten. In den vergangenen Jahren war es in den Alpentunneln immer wieder zu Unfällen mit Bränden gekommen, bei denen Dutzende Menschen starben. Bei einem Unfall im Montblanc-Tunnel 1999 starben 39 Menschen. Im Tauern-Tunnel in Österreich kamen im selben Jahr zwölf Menschen ums Leben. Damals verbrannten 16 Lastwagen und 24 Autos. Auch im 1980 eröffneten Gotthard-Tunnel waren in den vergangenen Jahren wiederholt Feuer ausgebrochen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%