Tempo, Kundenzahlen und Nutzungszeiten wachsen im Internet und beim Mobilfunk exponenziell.
Megatrends bei Wachstumswerten erkennen

Tempo, Kundenzahlen und Nutzungszeiten wachsen im Internet und beim Mobilfunk exponenziell. Die Netzausrüster profitieren davon. Die Aktien sind teuer – aber ihr Geld wert, meinen die Analysten.

FRANKFURT. Wenn André Jäkel mal wieder wissen will, wohin der Hase läuft, sieht er sich vor Ort um - im kalifornischen Silicon Valley. Jüngst war der Technologie-Analyst für die BHF-Bank dort auf Visite bei 17 High-Tech-Schmieden und kam voller Ideen zurück. Nachhaltig beeindruckt hat ihn der Besuch in der Zentrale von Palm in Santa Clara, jener Firma, die uns mit den digitalen Assistenten beglückt, die dem papiernen Notizbuch den Garaus machen. Dass die kleinen Helfer ab 2001 mit Sprachfunktion kommen werden, war eine Fachsimpelei wert, wirklich revolutionär war jedoch die Überlegung von Palm, seine Einstiegsmodelle in naher Zukunft zu verschenken. Die Strategie lautet: Palms mit vorinstallierten Links, also elektronischen Verweisen, beispielsweise zu Nachrichten von CNN, Reuters oder zum Buchhändler Amazon zu verschenken, und dann E-Commerce- und Content-Gebühren einstreichen.

Solche speziellen Trends zu erkennen, ist die wichtigste Aufgabe von Fachleuten, die sich hauptberuflich mit Technologie-Aktien beschäftigen. Aber kaum ein Privatanleger hat die Zeit und die Zugangsmöglichkeiten, sich dieser Wissenschaft zu widmen. Aber er kann sich trotzdem einen Überblick verschaffen, wohin die großen Kapitalströme fließen werden - die Megatrends erschließen sich auch dem gesunden Menschenverstand.

Ein solcher übergelagerter Trend besteht zweifelsfrei in der lawinenartig anwachsenden Zahl von Internet- und Mobilfunknutzern, und damit einher geht eine massive Aufrüstung in die Netze. Die Dynamik lässt sich gut mit "Moore?s Law" veranschaulichen, das besagt, dass sich die Geschwindigkeit eines Prozessors im PC alle zwei Jahre verdoppelt. Übertragen auf die Glasfasernetze lautet die Rechnung: Verdoppelung der Übertragungskapazität alle sechs bis neun Monate. Die Nachfrage nach Ausrüstungen für die Infrastruktur in der Telekommunikation nimmt nach einer Studie von Merck Finck & Co. in den kommenden drei bis fünf Jahren um 15 bis 18 Prozent p.a. zu. Den Gesamtmarkt beziffert die BHF-Bank im Jahr 2003 auf 900 Milliarden Dollar.

Wer deckt nun die Wertschöpfungskette am besten und umfangreichsten ab? Für die Analysten ist der Kreis der in Frage kommenden Aktien in Europa eingeschränkter als beispielsweise in den USA. Allerdings ist die Gruppe übersichtlich, und die Eintrittsbarrieren in diesen Club der "Schaufelproduzenten" für die Goldgräber der New Economy sind "irre hoch", wie es ein Branchenbeobachter formuliert. Fast einmütig werden Philips, Nokia, Ericsson, Alcatel und Siemens genannt.

Ein hohes KGV kann auch für Qualität zeugen

"Auf Grund der hohen Wachstumsraten sind dies schon Basisinvestments", urteilt Berndt Fernow, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg. Aber es gibt auch Risikofaktoren. Zu denken gibt etwa die Bewertungsexplosion in den vergangenen zwölf Monaten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Sektor Daten- und Telekomausrüstungen ist von unter 40 auf über 100 gestiegen. Fernow gibt zu bedenken, dass ein hohes KGV "auch ein Qualitätsmerkmal" sein kann.

Nach Abwägung von Pro und Contra dürften die Anleger mittelfristig mit Netzausrüstern gut fahren, weil das Rückschlagspotenzial nicht so groß ist wie zum Beispiel am Neuen Markt. Nach der Versteigerung der UMTS-Lizenzen sind schließlich Telekom-Chef Sommer und seine Wettbewerber gezwungen, die Netze so schnell wie möglich aufzubauen. Börsenliebling der Analysten ist Alcatel, denn hier kommt die Ertragsdynamik aus den Sparten Networking sowie Internet & Optics. Auch Siemens wird sich sein Stück am zu verteilenden Kuchen sichern, hier ist auch ist der Malus des "Konglomerats" nach den großen Ausgliederungen kleiner geworden. Bei Ericsson und Nokia sind die Analysten uneins. Das Handy-Geschäft könne für Nokia immer schwieriger werden, weil bei steigenden Umsätzen tendenziell weniger Gewinn abfalle. Prepaid-Kunden und Billiggeräte belasteten die Margen. Andere Analysten meinen dagegen, die Kunden kauften die Markennamen, ohne sich wirklich zu interessieren, was in den Geräten steckt. Um eine Handy-Lastigkeit zu vermeiden, sollte aus dem IT-Bereich Cap Gemini als Basisinvestment an Stelle von Nokia herangezogen werden. Vor allem das Joint Venture mit dem US-Netzwerkhersteller Cisco birgt hier Phantasie. Philips gehört zwar nicht zu den klassischen Ausrüstern, profitiert aber vom "Rattenschwanz", den die neuen Netze nach sich ziehen. Dazu gehören Halbleiter, optische Speichermedien und Flachbildschirme.

Wertschöpfungskette studieren

Wer nach dieser Grundlage noch über Liquidität verfügt, die noch nicht für die Zukunft verplant ist, kann sich mutiger geben. Die niederländische ASM Lithography wäre so eine risikoreiche Würze. Das Unternehmen bringt immer kleinere Strukturbreiten auf die Chips und steigert so deren Leistung. Für Anleger mit engmaschigem Nervenkostüm wäre die schwedische LGP Telecom dann das Sahnehäubchen. LGP stellt Produkte für Mobilfunknetze her, die für eine größere Geländeabdeckung durch Basisstationen sorgen.

Fünf Basiswerte, eine risikoreiche Aktie und ein Titel mit Venture-Capital-Charakter - mit einer solchen Mischung dürfte der Anleger mittelfristig gute Erfolge erzielen. Sehr viel mehr Einzelwerte lassen sich auch kaum permanent verfolgen.

Megatrends anschauen, Wertschöpfungskette studieren und dann Einzelwerte aussuchen - mit dieser strukturierten Strategie gelingt laut BHF-Analyst Jäkel vor allem eines: die "Reduzierung von Komplexität". Denn bei rund 800 börsennotierten Technologieunternehmen allein in Europa ist das Bauchgefühl ein schlechter Ratgeber.

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