Tendenz sich sich auch weiter fort
Euro erreicht Allzeithoch zum Dollar

Knapp viereinhalb Jahre nach seiner Einführung an den Finanzmärkten ist der Euro am Dienstag zum Dollar auf seinen höchsten jemals erreichten Stand geklettert. "Die steigende Tendenz setzt sich fort. Und im Moment sehen wir nicht viele Faktoren, die das ändern könnten", sagte ein Analyst. Sein Allzeithoch markierte der Euro am Vormittag mit 1,1925 Dollar.

Reuters FRANKFURT. Gegenüber ihrem Tiefstand von 0,8225 Dollar im Oktober 2000 hat die Gemeinschaftswährung damit rund 45 % zugelegt. Im europäischen Handel bröckelte der Kurs etwas ab. Gegen 14.30 Uhr MESZ lag er mit 1,1901/04 Dollar knapp unter seinem Hoch.

Im Referenzkursverfahren EuroFX wurde der Kurs der Gemeinschaftswährung am Dienstag mit 1,1912 (Montag 1,1812) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs mit 1,1901 (1,1813) Dollar.

"Die fundamentalen Faktoren, die den Euro stützen, haben sich nicht verändert, sagte Analyst Junya Tanase von JP Morgan Chase. "Die USA leisten sich derzeit ein Leistungsbilanzdefizit, das schlecht für den Dollar ist. Gleichzeitig scheinen die USA einen schwachen Dollar und Europa einen starken Euro zu akzeptieren." Analyst Soichi Okuda von der Aozora Bank erläuterte: "Solange die US-Regierung einen schwächeren Dollar hinnimmt, wird der Markt neue Hochs des Euro testen." Neben der defizitären Leistungsbilanz in den USA und dem Überschuss in der Euro-Zone zieht der Euro Händlern zufolge Investoren auch wegen höherer Renditen an. Der Schlüsselzins in den USA liegt bei 1,25 % - dem niedrigsten Stand seit mehr als 40 Jahren - in der Euro-Zone liegt er bei 2,5 %.

Nach Einschätzung von Marktteilnehmern könnte aber gerade der gestiegene Euro zu einer Rücknahme der europäischen Leitzinsen führen, da er die Exporte der Euro-Zone verteuere und damit der Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Volkswirtschaften schade. Das übe Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) aus, von der am Donnerstag kommender Woche mehrheitlich eine Zinssenkung erwartet wird. Fraglich sei nur noch, ob die EZB um 25 oder um 50 Basispunkte reduzieren werde, hieß es im Markt. Andererseits wird trotz des bereits niedrigen Niveaus auch für die USA auf eine weitere Lockerung der Zinsschraube Ende Juni spekuliert. "Wenn man bedenkt, dass die Fed wohl auch senkt, dann kommt das für den Euro auf das Gleiche heraus", sagte ein Analyst.

Der Spielraum der EZB für eine weitere Zinssenkung scheint in der jüngsten Zeit zumindest größer geworden zu sein. Mehreren EZB-Ratsmitgliedern zufolge ist die Notenbank derzeit zufrieden mit den Aussichten für die Preisstabilität in der Euro-Zone. Den starken Anstieg des Euro bewerten die Zentralbanker nicht als Risikofaktor für eine Konjunkturerholung noch in diesem Jahr.Das designierte EZB-Direktoriumsmitglied, Gertrude Tumpel-Gugerell, sagte in Wien: "Eine starke Aufwertung bedeutet natürlich einen dämpfenden Einfluss auf die Exporte. Ich denke aber, das derzeitige Niveau ist noch erträglich." Die bisherige Vizechefin der Oesterreichischen Nationalbank wurde kürzlich für das Direktorium ernannt und wird auf der Ratssitzung am 5. Juni das erste Mal über die Leitzinsen mitentscheiden.

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