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Tennis-Bund wieder schuldenfrei

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat den Pleitegeier vertrieben und kann schuldenfrei die Rückkehr in die sportliche Erstklassigkeit anpeilen.

dpa TIMMENDORFER STRAND. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat den Pleitegeier vertrieben und kann schuldenfrei die Rückkehr in die sportliche Erstklassigkeit anpeilen.

Nach jahrelangem Kampf gegen die Insolvenz durfte der Präsident des sportlich nur noch zweitklassigen DTB, Georg von Waldenfels, den rund 200 Delegierten der Mitgliederversammlung im Ostseebad Timmendorfer Strand diese frohe Kunde mitteilen. Durch den Verkauf des Damen-Turniers in Berlin nach Katar, der nach DTB-Angaben 6,75 Mill. Euro in die Kasse spülte, konnten die letzten Raten für das Stadion am Hamburger Rothenbaum beglichen werden; das Geschäftsjahr wird erstmals seit dem Bau des Zeltdachs 1997 mit schwarzen Zahlen abgeschlossen werden.

Das "Tafelsilber" ist bis auf das Masters-Series-Turnier der Herren am Rothenbaum zwar in Form der beiden Damen-Turniere in Hamburg und Berlin zur Schuldentilgung in klingende Münze umgesetzt worden. Aber von Waldenfels sieht sich auf seinem kompromisslosen Sparkurs bestätigt: "Wir können wieder frei durchatmen. Wir haben einen Weg gefunden, den Verband auf gesunde Füße zu stellen", sagte der Jurist aus München und frühere bayerische Finanzminister.

Der stete Niedergang nach den goldenen Zeiten mit Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich ist zumindest bilanztechnisch gestoppt worden. "Wir haben in Hamburg ein Stadion, das uns gehört und außerdem ausschließlich mit eigenen Mitteln finanziert wurde", sagte Schatzmeister Ulrich Kroeker. Allerdings ist die Arena nach wie vor nur begrenzt zu nutzen. Noch immer gilt, dass ohne spezielle Einzelfall-Genehmigung nur vier Wochen Tennis gespielt werden darf. Viel Geld ist so mit dem Stadion nicht zu verdienen.

Als Zeichen eines mit Macht angestrebten sportlichen Aufschwungs taugen die Verkäufe der beiden DTB-Damenturniere freilich nicht. In dieser Hinsicht musste Waldenfels zugeben, dass "die Erfolge bei den Damen auf sich warten lassen und der verpasste Aufstieg des Daviscup- Teams enttäuschend sind". Dass in Klaus Eberhard erstmals ein Sportdirektor eingestellt wurde, soll Abhilfe schaffen. Der Berliner soll in Zusammenarbeit mit Barbara Rittner, die ihm als Fedcup-Chefin folgt, und Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen auch die Nachwuchsarbeit professionalisieren und die Rückkehr der Nationalmannschaften ins Tennis-Oberhaus realisieren.

Als festes Standbein soll sich zumindest das letzte dem DTB verbliebene Turnier entwickeln. Mit dem neuen Hauptsponsor "e.on- Hanse" ist der Etat von rund fünf Mill. Euro gesichert. Eine Million Euro Miese wie in diesem Jahr hätte der Verband nicht mehr hingenommen. "Wir werden uns nicht wieder verschulden, um Turniere finanzieren zu können", erklärte von Waldenfels.

Zu einer kontroversen Diskussion führte während der 56. Mitgliederversammlung, bei der keine Wahlen anstanden, der letztlich abgelehnte Vorschlag, aus Kostengründen die Mannschaftsstärke in den Bundesligen von sechs auf vier Spieler zu reduzieren. Die Bundesligisten denken nun über eine Abspaltung vom DTB nach.

Zum neuen Ehrenmitglied wurde Richard von Weizsäcker gewählt. Der frühere Bundespräsident, der seit jeher ein großer Freund und Förderer des deutschen Tennis ist, soll damit vor allem auch für seine Bemühungen um das Berliner Turnier ausgezeichnet werden. Die German Open sind zwar in die Wüste nach Katar verkauft worden, werden vom 2. bis 8. Mai aber nochmals an der Hundekehle ausgetragen. Dann soll auch die Ehrung von Weizsäckers stattfinden.

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