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Michael Stich: Trainieren Sie den optimalen Aufschlag!

Am kommenden Montag beginnt das bekannteste Tennisturnier der Welt: Wimbledon! Ich kenne viele Amateure, die sich dann wieder fragen: Was macht das Spielen auf Rasen, wie in Wimbledon, so einzigartig? Die Gründe liegen in der Besonderheit des Rasenplatzes.

Der Ball springt sehr flach ab und wird gleichzeitig sehr schnell. Ursache hierfür ist der weiche Untergrund, der die Bälle nicht so hoch abspringen lässt wie auf einem Hart- oder Sandplatz. Desweiteren entsteht beim Aufsprung des Balles so gut wie keine Reibung zwischen Ball und Belag. Aus diesem Grund "rutscht" der Ball über den Rasen.

Dreh- und Angelpunkt: Das Netz

Natürlich werden Sie sich fragen, wie spiele ich am besten auf Rasen? Welche Taktik wende ich an? Ich als Serve- und Volleyspieler sage ganz klar: Das eigentliche Spiel auf Rasen spielt sich am Netz ab. Ein guter Aufschlag ist deshalb oft schon die halbe Miete. Hierbei beachten Sie, dass der Aufschlag gar nicht extrem hart kommen muss. Es ist wichtiger, den Aufschlag optimal zu platzieren. Der Aufschlag wird auf Rasen nämlich so schnell, dass es für jeden Spieler schwer ist, einen guten Aufschlag zu retournieren.

Noch ein Tipp: Auf Rasen hat der erste Volley eine ganz besondere Bedeutung. Er muss so gut gespielt sein, dass Sie dem Gegner keine Chance geben, einen Passierball zu schlagen. Da jeder Spieler weiß, dass er meist nur eine Chance für einen Passierschlag bekommt, gehen sie deshalb ein wesentlich höheres Risiko beim Schlag ein. Das macht das Ganze für den Gegner unberechenbarer. Einer der effektivsten Volleys ist ein kurz gespielter Ball. Es muss nicht unbedingt ein perfekter Volleystopp sein, aber alles, was einen Meter vor der T- Linie landet, ist sehr effektiv, da der Ball kaum vom Boden abspringt. Die andere Alternative ist ein sehr langer Volley wie auf allen anderen Belägen auch.

"Sieht gemütlich aus"

Die Tatsache, dass der Ball auf Rasen sehr flach abspringt, macht das Spiel auf Rasen sehr anstrengend. Wenn Sie zuschauen, sieht das immer sehr gemütlich aus. Das täuscht. Sie müssen auf Rasen immer sehr tief in den Knien bleiben, und Sie haben kaum Zeit, während eines Ballwechsels auszuruhen. Die Oberschenkel werden dabei sehr stark beansprucht, um die flachen Bälle in einer guten Position spielen zu können. Wenn Sie die Chance haben, auf Rasen zu spielen, dann werden Sie es merken, dass die Beine anders belastet werden als auf einem Sandplatz.

Ein weiterer, sehr wichtiger Ball, neben Aufschlag und Volley beim Rasenplatz-Spiel ist der Return. Sie müssen dabei eine sehr schnelle Reaktion haben, um den Ball optimal zu treffen. Das bedarf einiger Übung, und Sie sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht immer richtig klappt. Und wenn Sie auf Rasen spielen, vergessen sie Ihren Rückhand-Slice nicht. Ein ungeheuer effektiver Ball, der teilweise einfach nach dem Aufsprung nur rollt. Jetzt werden viele Tennisfans sagen: Aber mit Agassi und Hewitt haben in den letzten Jahren Grundlinienspieler das Turnier in Wimbledon gewonnen.

Das stimmt. Agassi hat das Turnier zu einer Zeit gewonnen, in der es noch viele Serve- und Volleyspieler gab. Er ist für mich der talentierteste Spieler, den ich je gesehen habe, und seine außerordentliche Fähigkeit zu retournieren hat ihm diesen Sieg gebracht. Hewitt hingegen hat diese Fähigkeit nicht, aber er spielt in einer Zeit, wo es kaum noch Serve- und Volleyspieler gibt, und von daher werden diese besonderen Fähigkeiten beim Return nicht mehr so gefordert.Es ist trotzdem eine außerordentliche Leistung von Hewitt gewesen, Wimbledon zu gewinnen. Er ist der mental stärkste Spieler auf der Tour, und das hat ihm zu einem großen Teil geholfen, dort zu gewinnen.

Natürlich hat so ein Turnier wie in Wimbledon auch seine Tradition. Eine davon betrifft das Aufnahmereglement in diesem ehrwürdigen Tennisclub. Ich will es Ihnen nicht vorenthalten. Und dieses Aufnahmeprozedere hat seine Eigenheiten. Los geht es damit, dass jedes Mitglied des Gremiums einen weißen und einen schwarzen Ball erhält. Dann wird ein ganz profaner Sack in der Runde herumgereicht, in den jedes Mitglied entweder einen weißen oder schwarzen Ball hineinwirft.

Wenn jeder seinen Ball in dem Sack versenkt hat, wird ein Ball herausgezogen. Handelt es sich um einen weißen Ball, ist die Aufnahme im Club perfekt. Wird dagegen ein schwarzer Ball herausgefischt, ist es nichts mit der begehrten Mitgliedschaft im All England Lawn Tennis and Croquet Club.

Michael Stich war zweimal in seiner Karriere Wimbledon-Sieger.

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