Tennis lässt sich immer schwieriger vermarkten
Spiel, Satz, Imageschaden

Der Abstieg des Daviscup-Teams hat nicht nur sportliche Folgen: Er ist schlecht für Ansehen, Quote und Finanzen.

SUNDERN. In der Minute der Niederlage ahnte Carl-Uwe Steeb, ein Vertreter aus der großen Zeit des deutschen Tennis, bereits die Konsequenzen: "Man wird erst in ein paar Wochen merken, was da passiert ist." Wenig später durfte sich der ehemalige Daviscup-Sieger bestätigt fühlen. "Es fehlt uns sicher Geld im nächsten Jahr", sagt Georg von Waldenfels, der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB).

Der Abstieg wird auch eine geringere Präsenz der Sportart in den Medien nach sich ziehen. Der bis 2004 laufende TV-Vertrag zwischen der SportA, dem Rechtevermarkter von ARD und ZDF, und dem Daviscup- Veranstalter International Tennis Federation (ITF) gilt nur für die Weltgruppe und nicht für die Kontinentalgruppe, in die Deutschland durch die Niederlage gegen Weißrussland abgestiegen ist. Damit ist dieser Vertrag hinfällig. Am Donnerstag werden die Partien der Kontinentalgruppe ausgelost. "Danach wird neu verhandelt", sagt ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf.

Dass es 2004 keine Live-Übertragungen von deutschen Daviscup-Spielen geben wird, steht für Boßdorf genauso fest wie für ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann. "Wir wollen Tennis ja weiterhin übertragen, aber nicht mehr so großflächig", sagt Poschmann. "Live wird der Daviscup im nächsten Jahr sicher nicht gezeigt", sagt Boßdorf.

Diese Konsequenzen hatte DTB-Präsident Georg von Waldenfels am Sonntag in Sundern bereits vorhergesehen. "Wir werden weniger Zuwendungen bekommen, und das Fernsehen wird sich zurückhaltender zeigen", sagte von Waldenfels. Weniger Geld wird der Tennisbund aber nicht nur von den Sendeanstalten erhalten, sondern als Zweitligist auch von der ITF. Der Daviscup-Veranstalter hat in diesem Jahr insgesamt 8,5 Millionen Dollar Start- und Preisgeld an die 142 teilnehmenden Daviscup-Nationen gezahlt.

Laut Boßdorf sind der Daviscup und Wimbledon die attraktivsten Tennisveranstaltungen im deutschen Fernsehen, "aber beim Daviscup wird das Interesse nun sicher nachlassen". Bernd Nusch, der Direktor des Turniers am Stuttgarter Weißenhof, glaubt nicht, dass die Turniere in Deutschland durch den Abstieg Nachteile erleiden. Allerdings haben auch Experten der Sportrechte-Agentur SportA festgestellt, dass sich Tennis immer schwieriger vermarkten lasse.

Nachlassendes Interesse am Daviscup belegen auch die Quoten der Live-Übertragungen aus Sundern. Tomas Behrends Niederlage hatte in der ARD im Schnitt 600 000 Zuschauer und enttäuschende acht Prozent Marktanteil. Rainer Schüttlers Pleite gegen Max Mirnyi wollten am Sonntag im ZDF gar nur 6,4 Prozent aller Zuschauer sehen. Als das ZDF direkt im Anschluss ein Rennen des Deutschen Tourenwagen-Masters übertrug, stieg die Sehbeteiligung auf zwölf Prozent. "Wir können doch kein Minderheitenprogramm machen", sagt Poschmann. Die Tendenz gehe beim Tennis ohnehin zu kürzeren Sendezeiten, sagt der ZDF-Sportchef, und diese Tatsache stehe im Gegensatz zur Meinung einiger "wahrheitsferner Turnierveranstalter in Deutschland". Diese Einschätzung trifft sich mit den Äußerungen von Waldenfels', der vor einigen Wochen gesagt hatte, "Die Sendung mit der Maus" erreiche bessere Quoten als Tennis-Übertragungen.

Bernd Nusch aus Stuttgart befürchtet durch den Abstieg des Daviscup-Teams negative Auswirkungen für das Image des Sports: "Das ist einfach nicht gut, was in Sundern passiert ist. Dabei bietet das Produkt alle Chancen." Dem Mittelmaß im Spitzensport steht im Tennis eine weiterhin vorhandene Attraktivität als Breitensport gegenüber. "Teilweise steigen die Mitgliederzahlen der Vereine wieder", sagt Nusch. Seine Vorstellung ist, dass der Sport "mit modernsten Marketingmethoden wieder nach vorne gebracht wird". Dazu brauche der DTB "junge, agile Fachleute, die etwas vom Marketing verstehen". Deren Aufgaben müsse man trennen von denen des Funktionärs, "der schöne Reden hält". Ob er eine solche Konstruktion mit von Waldenfels als Präsident für möglich halte, dazu äußert sich Nusch ausweichend: "Er ist ja schon einige Jahre im Amt." Eine Zusammenarbeit zwischen von Waldenfels und dem DTB auf der einen Seite und den Turnierdirektoren auf der anderen erscheint angesichts der verhärteten Fronten nur schwer möglich. "Ich von meiner Seite werde nichts unternehmen", sagt Nusch.

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