Tenzer scheidet aus
Stühlerücken im Telekom-Vorstand

Nur zwei Wochen nach seiner Berufung an die Konzernspitze hat Kai-Uwe Ricke dem Telekom-Konzern eine neue Führungsstruktur verpasst. Wie erwartet, müssen drei bisherige Vorstände ihren Hut nehmen - darunter Gerd Tenzer, der zuletzt als stellvertretender Vorstandsvorsitzender tätig war.

HB/dpa BONN. Der Aufsichtsrat gab am Donnerstag grünes Licht für die Vorschläge Rickes zur Verschlankung der Führungsmannschaft und stärkeren Anbindung der Tochterfirmen an die Muttergesellschaft. "Ein Politiker braucht 100 Tage, um sich zu profilieren. So lange werde ich nicht brauchen", hatte der frisch gekürte Telekom-Chef erst vor zwei Wochen angekündigt.

Jetzt macht der 41-Jährige Manager Nägel mit Köpfen und räumt in der Dachgesellschaft auf - die einen müssen gehen, die anderen kommen: Die Vorstandschefs von T-Online und T International-Mobile werden geadelt: Thomas Holtrop und René Obermann sind künftig direkt in der Holding vertreten. Für andere ist dagegen kein Platz mehr: Neben dem 59-Jährigen Tenzer müssen Jeffrey Hedberg (Internationales) und Max Hirschberger (Strategie) ihren Hut nehmen. Für die Festnetzsparte T COM - und für T-Systems wird weiterhin Josef Brauner zuständig sein.

"Mit der neuen Vorstandsstruktur erhalten die vier Divisionen mehr Verantwortung und Entscheidungsbefugnis", erklärte Ricke. Die operativen Stärken des Unternehmens müssten gezielt ausgebaut und die Verbindlichkeiten deutlich reduziert werden. Ende September stand der rosa Riese bei seinen Geldgebern mit 64 Milliarden Euro in der Kreide. Der Schuldenberg soll bis Ende 2003 auf 50 Milliarden Euro verringert werden. Mit dem nun erfolgten Umbau setze die Telekom ein klares Zeichen für einen Neubeginn, unterstrich Ricke.

Bittere Pille für Tenzer

Für Tenzer ist sein Ausscheiden unterdessen eine bittere Pille: Der Manager, der seit 1990 dem Vorstand (damals noch Deutsche Bundespost) angehört, hatte sich selbst einmal Chancen auf den Chefposten ausgerechnet. Als Ron Sommer Mitte Juli 2002 nach dem drastischen Kursverfalls der T-Aktie als Telekom-Chef nicht mehr zu halten war, signalisierte Tenzer als einziges Vorstandsmitglied seine Bereitschaft, die Nachfolge anzutreten. Der übrige Vorstand, darunter auch Ricke, stand dagegen weiterhin loyal zu Sommer.

Auf den Kapitalmärkten kam die Idee, den gewerkschaftsnahen Tenzer zum Vorstandschef zu machen, nicht gut an. Er musste sich mit dem Posten des Stellvertreters von Interimschef Helmut Sihler begnügen. Die Rolle des Königsmörders hat ihm mancher übel genommen. Doch zu seinem Ausscheiden findet Ricke nur Lobendes über den "Herrn der Netze": Unter seiner Ägide "hat sich Deutschland zu einer ersten Adresse der Telekommunikationsinfrastruktur und zu einer weltweit führenden Breitbandnation entwickelt".

Zweiter starker Mann beim größten europäischen Telekom-Konzern ist künftig Finanzchef Karl-Gerhard Eick. Er wird als stellvertretender Vorstandsvorsitzender künftig auch für die Bereiche Einkauf, Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie Recht zuständig sein. Heinz Klinkhammer leitet weiterhin das Ressort Personal.

Eine kleine Überraschung beim Stühlerücken im Telekom-Vorstand war, dass Christian Hufnagl von T-Systems nicht in die oberste Führungsriege berufen wurde. Bis auf weiteres kümmere sich Brauner im Konzernvorstand um das Ressort, hieß es. In der Branche wird spekuliert, dass bei der T-Systems möglicherweise eine personelle Ablösung bevor stehe.

Ricke hat seine Führungsmannschaft nicht nur verschlankt, er hat sie auch radikal verjüngt. War der Telekom-Chef selbst unter seinen Vorstandskollegen bisher neben Hedberg der Benjamin, hat er diese Rolle an den neuen Mobilfunkchef Obermann abgegeben, der gerade einmal 39 Lenze zählt. Nur Personalchef Klinkhammer (56) und Brauner (52) sind die älter als 50 Jahre.

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