Tenzer soll für Sommer kommen
Streit um Telekomspitze

Telekom-Vorstandschef Ron Sommer scheint die Auseinandersetzung um seine Ablösung verloren zu haben. Allerdings lehnt er bisher einen Rücktritt ab und will um seinen Posten kämpfen. Als Favorit für die Nachfolge Sommers gilt Telekom-Technik-Vorstand Gerd Tenzer, wie es in Medienberichten übereinstimmend heißt. Darauf soll sich das Präsidium des Konzern-Aufsichtsrats verständigt haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es bisher nicht.

HB BONN. Der 20-köpfige Aufsichtsrat will den 59-jährigen Tenzer nach diesen Berichten am nächsten Dienstag in einer Sondersitzung in Bonn wählen. Sommer will dann vor dem Gremium noch einmal seine Konzern- Strategie verteidigen, hieß es am Sonntag in Unternehmenskreisen. Ihm werden der Kursverlust der T-Aktie und die hohe Verschuldung der Telekom angelastet. Das Aufsichtsrats-Präsidium hatte sich am Freitagabend auf den Kompromisskandidaten Tenzer verständigt, der seit zwölf Jahren im Vorstand sitzt und für Technik und Produktion zuständig ist. Nach dpa-Informationen fiel die Entscheidung für ihn in einer nächtlichen Telefonkonferenz. Telekom-Finanzchef Karl- Gerhard Eick widersprach Berichten, er solle eine gemeinsam mit Tenzer eine Doppelspitze bilden.

Unterdessen haben Politiker von CSU und FDP erneut das "Krisenmanagement" der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Telekom-Krise scharf kritisiert. "Wenn man einen Vorstandsvorsitzenden ablösen will, dann darf man nicht so ein Desaster anrichten, wie es sich jetzt abgezeichnet hat", sagte der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Der stellvertretenden FDP - Chef, Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Walter Döring, bezeichnete das Verhalten von Bundeskanzler Gerhard Schröder als "Öffentlichkeitsgetue" mit verheerender Wirkung.

Seehofer: Tenzer nur "Notlösung"

In einer möglichen Ernennung Tenzers sieht Seehofer eine "Notlösung". "Wenn das die Ideallösung wäre, dann wäre der Bundeskanzler mit der vermeintlichen Ideallösung längst vor die Öffentlichkeit getreten", sagte Seehofer. Zuvor hatte bereits Unions- Kanzlerkandidat Edmund Stoiber gesagt, dass eine Wahl Tenzers zum Telekom-Chef keine "1A-Lösung" wäre.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete den Manager und ehemaligen Referatsleiter im damaligen Bundespostministerium als Übergangslösung. "Ich weiß nicht, ob er der richtige Mann ist. Die hoch verschuldete Telekom bräuchte einen Sanierer, einen echten Finanzexperten", sagte DSW - Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

Schröder hat wiederholt jede Einmischung beim Bonner Konzern von sich gewiesen. Er lasse sich natürlich über die Vorgänge bei der Telekom informieren, aber über Personalfragen müsse der Aufsichtsrat entscheiden, hatte er dem "Tagesspiegel am Sonntag" gesagt.

Telekom-Chef Sommer hält informierten Kreisen zufolge seine Unternehmensstrategie nach wie vor für richtig und wartet ab, mit welcher Begründung ihn der Aufsichtsrat ablösen will.

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