Terminbörse in Leipzig bietet geeignete Lösungen für das Risikomanagement beim Energieeinsatz
EEX will sich bei Strom-Derivaten in Europa ins rechte Licht setzen

Die Zukunft der Derivatemärkte liegt unter anderem im Handel mit Energie und Energieprodukten. Bei Elektrizität nimmt Deutschland nach der Gründung der EEX bereits eine führende Rolle in Europa ein. Das große Potenzial bei Rohöl und Erdgas ist dagegen bislang noch nicht erschlossen.

Vor einigen Jahren begann die EU damit, die vormals in Gebietsmonopolen organisierten Strommärkte schrittweise zu öffnen. Strombörsen leisten dabei - wie weltweit in liberalisierten Märkten zu beobachten ist - einen unverzichtbaren Beitrag für eine transparente und effiziente Marktentwicklung. In Deutschland hat sich die EEX European Energy Exchange in Leipzig nach zweieinhalb Jahren fest etabliert. Heute handeln am EEX - Spotmarkt mehr als 100 Handelsteilnehmer aus dem In- und Ausland täglich über 100 Mill. kWh Strom. Der Strom ist am jeweils nächsten Tag physisch zu liefern. Vergleichbar zum Frankfurter Dax wird in Leipzig täglich der "Phelix" ermittelt, der Referenzpreis für Strom in Deutschland ist.

Seit dem 1.7.2002 wird in Leipzig auch ein Terminmarkt betrieben, an dem die Handelsteilnehmer Strom bis zu drei Jahre vor dem eigentlichen Liefertermin handeln können. Bereits nach wenigen Monaten beträgt der tägliche Umsatz durchschnittlich ca. 1 Mrd. kWh. Dies entspricht fast der Hälfte des deutschen Stromverbrauchs. Auch damit ist die EEX zum festen Bestandteil der deutschen Stromwirtschaft geworden.

Risikomanagement: Durch die Öffnung des Strommarktes sind die Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, von denen das Kontrahentenrisiko und das Preisrisiko besondere Herausforderungen darstellen. Die Insolvenz von Enron im Herbst 2001 ist mittlerweile zum klassischen Beispiel für das Kontrahentenrisiko geworden: Ein Stromhändler kommt plötzlich seinen Zahlungs- und Lieferverpflichtungen nicht mehr nach. Ein Stromlieferant ist auch einem Preisrisiko ausgesetzt, wenn er den Strom am Großhandelsmarkt zu schwankenden und schwer vorhersagbaren Marktpreisen beschaffen muss. Für den wirtschaftlichen Erfolg im Strommarkt ist es daher ein Muss, diese Kontrahenten- und Preisrisiken zu managen.

Genau diese Lücke vermag die EEX in Leipzig mit ihrem Terminmarkt zu schließen. Sie bietet hier geeignete Lösungen für das Risikomanagement an: Mit dem Abschluss von börslichen Stromtermingeschäften (Futures) können Käufer wie Verkäufer schon heute die Strompreise in der Zukunft festlegen und das mit schwankenden Marktpreisen einhergehende Risiko ausschließen. Im Konstrukt der EEX ist der "perfect hedge" auch mit einer physischen Erfüllung möglich. Darüber hinaus stellen sich die Clearingbanken der EEX bei Abschluss eines Termingeschäfts zwischen Käufer und Verkäufer und übernehmen somit das Kontrahentenrisiko.

Termingeschäfte: An der EEX können verschiedenste Termingeschäfte getätigt werden, um dem unterschiedlichen Bedarf der Elektrizitätswirtschaft Rechnung zu tragen. So gibt es Termingeschäfte auf Grund- und Spitzenlaststrom. Grundlaststrom ist eine zeitlich konstante Stromlieferung, während Spitzenlaststrom eine Stromlieferung an Werktagen jeweils in der Zeit von 8 Uhr bis 20 Uhr bedeutet. Termingeschäfte mit monatlichen, vierteljährlichen und jährlichen Stromlieferungen sind möglich. Die monatlichen Stromlieferungen können bis zu einen halben Jahr, die vierteljährlichen Stromlieferungen bis zu zwei Jahre und die jährlichen Stromlieferungen bis zu drei Jahre im Voraus gehandelt werden. Der Handel am Terminmarkt findet täglich von 9 Uhr bis 16 Uhr statt.

Clearing: Mehrere renommierte Großbanken übernehmen an der EEX die Rolle einer Clearingbank. Zu ihnen zählen Bayerische Landesbank, Carr Futures, Credit Suisse First Boston, Deutsche Bank, ING Bank-BHF und UBS Warburg. An diese Clearingbanken werden dabei klar umrissene Anforderungen hinsichtlich Banklizenz und ausreichendem Eigenkapital gestellt, um die notwendige Bonität der Clearingstruktur zu gewährleisten. Kommt es an der Börse zu einem Termingeschäft, so stellen sich die Clearingbanken zwischen Käufer und Verkäufer. Käufer und Verkäufer kontrahieren also stets mit einer Clearingbank.

Zur Absicherung der im Termingeschäft übernommenen Zahlungs- oder Lieferpflichten müssen Käufer und Verkäufer bei ihren Clearingbanken und die Clearingbanken wiederum bei der EEX Sicherheiten in Geld oder Wertpapieren hinterlegen. Zusätzlich beteiligen sich Clearingbanken an einen Clearingfonds, auf den zurückgegriffen werden kann, falls eine Clearingbank selbst ihren Verpflichtungen nicht nachkommen kann.

OTC-Clearing: Ein Großteil der Stromtermingeschäfte wird auch nach dem Start des börslichen Terminmarktes bilateral (OTC) abgeschlossen. Zur Zeit kommen aber viele außerbörsliche Termingeschäfte erst gar nicht zustande, weil die Bonität des potenziellen Vertragspartners nur ein begrenztes Handelsvolumen zulässt. Dies ist häufig schon durch bestehende Verpflichtungen erschöpft. Der Markt verlangt daher nach einer Clearinglösung auch für OTC-Geschäfte. Die EEX bietet die Möglichkeit, auch OTC-Geschäfte zu clearen. Dieses Angebot richtet sich an jeden Stromgroßhändler und ist nicht auf die Handelsteilnehmer der Börse beschränkt. Einzige wesentliche Voraussetzung ist eine Clearingvereinbarung mit einer Clearingbank seiner Wahl. Auch Broker sind integraler Bestandteil des Konzeptes. Sie können die von ihnen vermittelten OTC-Geschäfte im Auftrage ihrer Klienten zum Clearing an die EEX weiterleiten. Der erste Broker ist bereits zum EEX-Terminmarkt zugelassen.

Wohin geht die Reise? Der "underlying market" - also die Basis - für den Terminmarkt hat in zwei Jahren ein kontinuierliches Wachstum gezeigt und eine erhebliche Robustheit bewiesen. Dies ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass der Terminmarkt auch künftig hohe Volumina aufweisen kann. Derzeit leidet der europäische Stromhandel unter dem Rückzug der amerikanischen Handelshäuser, die eine sehr wesentliche Rolle in diesem Markt gespielt hatten. Dennoch kann der Leipziger Terminmarkt auf einem guten Fundament aufbauen: Bereits nach einem Jahr waren wir die größte Strombörse in Kontinentaleuropa. Auch die gute geographische Lage Deutschlands im europäischen Strommarkt - Terminmärkte bei Strom sind immer stark mit der physischen Seite gekoppelt - lässt vermuten, dass sich in Leipzig dauerhaft der stärkste Terminmarkt in Kontinentaleuropa etablieren wird.

Dr. Carlhans Uhle ist Mitglied des Vorstandes der European Energy Exchange in Leipzig.

Quelle: Handelsblatt

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