Terminbörse setzt auf Innovationskraft
Eurex erobert amerikanischen Markt

Die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex will ihrer Erfolgsgeschichte ein neues Kapitel anhängen. Mit aller Macht versucht sie, den US-Markt zu erobern. Nachdem die Kooperation mit dem Chicago Board of Trade mehr oder weniger gescheitert ist, rechnen Analysten damit, dass die Eurex einen Konkurrenten schluckt.

FRANKFURT/M. Die Terminbörsen rund um den Globus sind die großen Gewinner der weltweiten Börsenkrise. Die an diesen Handelsplätzen gelisteten Derivate wie Optionen und Futures wurden von stark verunsicherten Anlegern zuletzt immer stärker zur Absicherung von Kursrisiken genutzt. Den Terminbörsen wurde auf diese Weise ein regelrechter Umsatzschub beschert. Sowohl in Europa als auch in den USA erzielten die Derivatemärkte neue Umsatzrekorde.

Dabei taten sich besonders die europäischen Börsen Eurex und Euronext hervor. "Die Eurex ist die Perle der Deutsche Börse AG", sagt Johannes Thormann von der WestLB. Um diese globale Führungsrolle zu behaupten, will die "einzige wahre Erfolgsgeschichte des deutschen Börsenwesens" jetzt eine Offensive auf dem US-Finanzmarkt starten. "Wir sind auf dem für uns bedeutenden US-Markt mit 61 Händlerfirmen und rund 4 000 Bildschirmen bereits gut aufgestellt", sagt Eurex-Pressesprecher Uwe Velten. Bisher sei man in den USA aus strategischer Sicht auch wegen bislang bestehender regulatorischer Hindernisse nicht so recht weitergekommen, erklärt er. Der Kontakt zu den Aufsichtsbehörden könne inzwischen jedoch als gut bezeichnet werden.

Nachdem die Eurex und das einst den Weltmarkt dominierende Chicago Board of Trade (CBOT) Mitte Juli ihre Zusammenarbeit auf eine neue Basis gestellt haben, will sich die Eurex mit dem in den USA bislang Erreichten nicht mehr länger zufrieden geben. "Wir können in den USA jetzt Gas geben", steckt Vorstandschef Rudolf Ferscha in einem Gespräch mit dem Handelsblatt neue strategische Ziele ab. Die kürzlich beschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Eurex und CBOT unabhängig voneinander neue Produkte sowohl in US-Dollar als auch in Euro einführen können. Diese Chance soll für eine kräftige Expansion in den USA genutzt werden.

Analysten spekulieren darüber, dass der Klassenprimus die Expansion auf dem US-Markt über die Beteiligung an einer US-Terminbörse anstreben oder möglicherweise sogar einen Konkurrenten in den USA schlucken könnte. Heiko C. Frantzen, Analyst bei Sal. Oppenheim, hält eine Beteiligung an der ISE (International Securities Exchange), der ersten reinen vollelektronischen Optionsbörse der USA für denkbar. Auch die Beteiligung an der Terminbörse ICE (Intercontinental Exchange) in Atlanta oder der zur Nasdaq gehörenden American Stock Exchange (Amex) wird in Analystenkreisen als Möglichkeit gesehen. "Wir kommentieren Spekulationen und Gerüchte nicht", sagt Pressesprecher Uwe Velten. Man halte sich alle strategischen Optionen auf dem US-Markt offen.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat die Eurex ihre Stellung als unangefochtene Nummer eins in der Welt weiter ausgebaut. Sie erreichte während dieses Zeitraums einen um 20 % höheren Umsatz von insgesamt 445 Mill. Kontrakten, womit sie die direkten Konkurrenten (Euronext.liffe = 419 Mill. Kontrakte, Chicago Mercantile Exchange = 319 Mill. Kontrakte und Chicago Board of Trade = 186 Mill. Kontrakte) erneut deutlich hinter sich gelassen hat.

"Wir bieten unseren Kunden auf der elektronischen Plattform die bestmöglichen Bedingungen - und dies zu den branchenweit niedrigsten Kosten", bringt Eurex-Vorstandschef Rudolf Ferscha die Vorteile der Eurex auf den Punkt. Dass allein die Baisse an den internationalen Aktienbörsen der entscheidende Katalysator für den weiteren Umsatzsprung der Terminbörsen war, lasse sich auch daran erkennen, dass fast die Hälfte des Eurex-Umsatzes auf aktienbasierte Derivate entfiel.

"Unsere Aktienderivate wurden von den verunsicherten Anlegern sehr stark zu Kurssicherungszwecken genutzt", sagt Ferscha. Dies gelte vor allem für die Aktienindexoptionen auf den Dax und den DJ EuroStoxx 50. Diese Produkte hätten sich weltweit zu den meistgehandelten Index-Derivate entwickelt.

"Wir bieten auf Grund unserer schlanken Strukturen und unserer ausgereiften Technologie die weltweit interessanteste Lösung", nennt Ferscha einen weiteren Grund für den globalen Erfolg der Eurex. Im Aktienbereich würden die Kontrakte mancher Konkurrenten eine wesentlich geringere Zahl von Aktien abdecken und es daher auf einen deutlich geringen Nominalwert bringen (siehe auch nebenstehende Grafik). Für den Anleger sei die Kostenstruktur der Konkurrenz wesentlich unattraktiver. Trotz ihrer vergleichsweise niedrigen Gebühren ist die schweizerisch-deutsche Gemeinschaftsbörse die weltweit profitabelste Terminbörse.

Dass die Eurex, deren Anfänge gerade einmal 14 Jahre zurückliegen, den einst dominierenden Terminbörsen in Chicago und New York den Rang abgelaufen hat, liege an ihrer Innovationsfähigkeit, meint Ferscha. Durch die Schaffung eines globalen elektronischen Netzwerks wird Kunden in aller Welt der direkte Zugang zum Eurex-System geboten. Die starke internationale Ausrichtung der Eurex ist daran zu erkennen, dass von den insgesamt 427 Mitgliedern immerhin 256 nicht aus Deutschland und der Schweiz stammen.

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