Terminbörse will Rückenwind beim Wachstum von Exchange Traded Funds nutzen
Weltpremiere: Eurex bietet Derivate auf Indexfonds

Der noch junge Markt für Exchange Traded Funds (ETF) boomt. Diesen Rückenwind nutzen seit geraumer Zeit bereits die Terminbörsen in den USA, die Derivate auf diese börsennotierten Indexfonds kreiert haben. Im übrigen zur Freude der Anleger; denn deren anlagepolitisches Instrumentarium wird hierdurch ergänzt. Und dies zu vergleichsweise niedrigen Kosten.

FRANKFURT/M. Jetzt will auch auf die weltgrößte Terminbörse Eurex auf diesen Zug aufspringen. Die deutsch/schweizerische Terminbörse plant für den 18. November die Einführung von Futures und Optionen auf Exchange Traded Funds (ETF) starten. Damit wäre die Eurex die erste Börse weltweit, die Futureskontrakte auf ETF anbieten würde. "Die neuen Produkte sollen zunächst auf die führenden europäischen ETF aufgelegt werden", sagt Eurex-Vorstand Rudolf Ferscha gegenüber dieser Zeitung. Man werde mit ETF-Optionen auf Dax, Stoxx, DJ Euro Stoxx und SMI starten.

Exchange Traded Funds (ETF) sind im Prinzip Fondsgesellschaften, die einen bestimmten Aktienindex abbilden. Die ETF-Anteile werden ähnlich wie Aktien an Börsen gehandelt. Anleger haben die Möglichkeit, börsentäglich zu kaufen oder zu verkaufen. Diese Produkte wurden im Jahr 1993 zuerst in den USA kreiert. Die Fachleute der US-Finanzhäuser Merrill Lynch und Morgan Stanley veranschlagen das in diesem Segment weltweit investierte Kapital auf 120 bis 130 Mrd. $. Der Markt für diese börsennotierten Indexfonds sei das einzige Aktien-Segment, in dem das Volumen der verwalteten Gelder während der Baisse gestiegen sei, meint Michael Maras, Chef des Bereichs Global Equity-Linked Research bei Merrill Lynch. Wegen der größeren Erfahrung der Finanzplätze in Nordamerika kann nicht verwundern, dass das Fondsvolumen in den USA in Höhe von mehr als 90 Mrd. $ rund das Zehnfache der europäischen Marktgröße darstellt. Das stärkste Wachstum verzeichnen ETF in Japan, wo derzeit rund 15 Mrd. $ in ETF investiert sind.

Ein wesentlicher Vorteil für Anleger besteht darin, dass die jährlichen Kosten bei den liquiden ETF in den USA bei etwa 0,12 % liegen. Die populärsten ETF in den USA sind der Nasdaq 100 Tracking Stock (QQQ) und die Standard & Poors 500 Depositary Receipts (SPDR). Maras geht davon aus, dass die Kosten in Europa, die derzeit 0,35 bis 0,50 % p.a. betragen, bei steigenden Umsätzen in den nächsten Jahren deutlich fallen werden.

"ETF bieten für den Anleger eine wesentlich höhere Flexibilität", sagt Ferscha. In den USA können Anleger mit ETF z.B. Leerverkaufsstrategien umsetzen und damit auf fallende Indizes setzen. Die US-Terminbörsen sahen als erste die Chance auf eine Ausweitung ihrer Produktpalette. Die Optionsbörse Chicago Board Options Exchange offeriert bereits seit Februar 2001 Optionen auf den QQQ-Indexfonds. Andere Produkte folgten rasch, sowohl an der CBOE als auch an der Amex. ETF-Optionen zählen inzwischen zu den erfolgreichsten Derivaten am US-Markt.

Die erfolgreiche Entwicklung des an der Deutsche Börse AG gehandelten ETF-Volumens hat jetzt auch deren Tochtergesellschaft Eurex wachgerüttelt. "Wir bieten den Anlegern maßgeschneiderte Absicherungsmöglichkeiten", sagt Ferscha. Derivate auf Exchange Traded Funds seien eine ideale Ergänzung zu dem an der Eurex bestehenden Segment Indexderivate. Es gelte, die Wachstumsdynamik der Aktienindex-Derivate zu übertragen. Die Deutsche Börse, neben der SWX Swiss Exchange Muttergesellschaft der Eurex, hatte im April des Jahres 2000 als erste europäische Börse ein eigenes Segment für börsengehandelte Fonds eingeführt. Derzeit sind in diesem Bereich der Deutsche Börse AG 57 Indexfonds und 14 aktiv gemanagte Aktienfonds gelistet.

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