Terminbörsen profitieren von der Nervosität der Anleger
Derivate-Boom treibt Börsen an die Börsen

Die Terminbörsen sind die großen Gewinner der in der Finanzwelt herrschenden Unruhe. Während bei Aktien und Anleihen an den Kassabörsen die große Flaute herrscht, melden Terminbörsen in aller Welt Umsatzrekorde. Diesen Rückenwind wollen die Terminbörsen nutzen, um selbst an die Börse zu gehen.

HB FRANKFURT/M. Die Terminbörsen erzielen Umsatzrekorde. Dies verwundert nicht, denn Terminbörsen bieten Finanzinstrumente wie Futures und Optionen, mit denen Anleger Kursrisiken absichern und auf sinkende Kurse setzen können. Mit der Chicago Mercantile Exchange (CME) und der Intercontinental Exchange (ICE) haben jetzt zwei US-Terminbörsen angekündigt, selbst an die Börse gehen zu wollen. Daneben denken im Zuge von Strukturveränderungen auch andere Terminbörsen in den USA und in Europa darüber nach, den Sprung auf das Parkett zu wagen.

In der jüngsten Zeit haben die US-Terminbörsen ihre uralte globale Marktführerschaft an Konkurrenten in Europa und Asien verloren. Dies zwang sie zu einer Systemreform und zur Umwandlung ihrer Rechtsform. Den Anfang machte im November 2000 die Chicago Mercantile Exchange. Im Rahmen der "Demutualization" wandelte sie sich von einer Börse im Besitz der Mitglieder zu einer Aktiengesellschaft. Das Chicago Board of Trade (CBOT) und die New York Mercantile Exchange (Nymex) folgten nach. Die Nymex firmiert inzwischen als Aktiengesellschaft. "Wir haben keine aktuellen IPO-Pläne", sagt Nymex-Präsident Robert Collins. Gleichzeitig betont er jedoch, man werde die Akzeptanz des CME-Börsengangs genau verfolgen. Andere Nymex-Verantwortliche hatten die "Demutualization" in der Vergangenheit als ersten möglichen Schritt in Richtung IPO (Initial Public Offering) bezeichnet.

Die CME Holdings Inc., die Betreibergesellschaft der 104 Jahre alten Börse, hat noch keinen festen Termin für ihr Debüt an der New York Stock Exchange genannt, will sich mit diesem Schritt jedoch Eigenkapital in Höhe von 150 Mill. $ beschaffen. Morgan Stanley erhielt das Mandat als Konsortialführer des IPO. In New Yorker Finanzkreisen wird als Termin der Spätherbst 2002 genannt.

Das CBOT hat seinen tiefgreifenden Umbau noch nicht abgeschlossen. Vor zwei Jahren verlor es seinen Status als weltgrößte Terminbörse an die deutsch/schweizerische Terminbörse Eurex. Im August 2000 einigten sich die beiden Marktgiganten auf eine Allianz, die unter dem Namen a/c/e firmiert.

Die Hochzeit verlief jedoch alles andere als glatt. Es gab Streit, weil die Börse in Chicago finanziellen Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Modernisierung der a/c/e-Plattform nicht termingerecht nachgekommen konnte. Der Grund: eine angespannte Finanzlage. Gestern teilten die Streithähne nun mit, strittige Punkte ausgeräumt zu haben. Eine bis Januar 2004 geltende neue Vereinbarung sieht vor, dass die Partnerschaft auf technologischer Ebene fortgeführt wird. Jetzt lizensiert die Eurex die Nutzung ihrer Software für das CBOT als Grundlage für die gemeinsame Handelsplattform a/c/e kostenpflichtig und nicht exklusiv. Das CBOT wird im Gegenzug von der Verpflichtung entbunden, sich an Software-Entwicklungskosten zu beteiligen, verliert aber auch die bisher bestehenden Miteigentumsrechte an der Software.

Zudem können die Börsen unabhängig voneinander neue Produkte einführen, sowohl in US-Dollar als auch in Euro. Ausgenommen von dieser Regelung sind die Schlüsselprodukte beider Börsen. Ein IPO des CBOT ist vorerst nicht zu erwarten. Zuvor müssten vorhandene Schwächen beseitigt werden, hieß es in Chicago.

Die Energiebörse Intercontinental Exchange (ICE) in Atlanta plant den Gang an die Börse bereits für das dritte Quartal 2002. Die von großen Banken und Energiegesellschaften getragene Börse erzielte zuletzt starke Umsatzzuwächse. Erst im vergangenen Jahr sorgte sie für Schlagzeilen, als sie die Londoner IPE übernahm, nach der Nymex die zweitgrößte Energie-Terminbörse der Welt.

Auch die London Metal Exchange (LME) werde neue Strukturen erhalten, sagte Norbert Brodersen, Vorstandschef der KM Europa Metal AG und zugleich Vorstand der LME. Zwar seien die Gespräche über eine Fusion mit der New Yorker Metallbörse Comex im Sande verlaufen. Doch eine Fusion mit einer anderen Börse sei nicht auszuschließen. Auch das Thema IPO müssten die LME-Gremien erörtern.

Quelle: Handelsblatt

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