Termühlen: Krise ist überstanden
Aktionäre attackieren MLP-Vorstand

Der Finanzdienstleister MLP will nach einem Geschäftsjahr mit tief roten Zahlen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Bilanzmanipulation die finanzielle Talsohle wieder verlassen. "2003 wird ein Jahr des operativen Wachstums sein", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen am Dienstag auf der Hauptversammlung in Mannheim.

HB/dpa MANNHEIM. Der Finanzdienstleister MLP ist nach einem Geschäftsjahr mit tief roten Zahlen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Bilanzmanipulation von seinen Aktionären hart attackiert worden. Auf der Hauptversammlung am Dienstag in Mannheim wurden dem Vorstand eine ungenügende Bilanzierungspraxis, mangelhafte Informationspolitik und Managementfehler vorgeworfen. Vorstandschef Bernhard Termühlen wurde zum Rücktritt aufgefordert.

Termühlen lehnte dies ab: "Es wäre nicht richtig, in schwierigen Zeiten den Kopf einzuziehen." Er bekräftigte die Prognose, in diesem Geschäftsjahr ein Vorsteuerergebnis von 65 Millionen Euro zu erzielen. "2003 wird wieder ein Jahr des operativen Wachstums für MLP sein." Die Mannheimer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen MLP wegen Insiderhandels und Bilanzmanipulation. Die Aktie des auf Akademiker spezialisierten Finanzdienstleisters verlor 2002 den Angaben zufolge 88 Prozent ihres Werts. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war erstmals in der 32-jährigen Unternehmensgeschichte ein Verlust erzielt worden. MLP war Mitte Mai nur knapp der Rauswurf aus dem DAX entgangen. Die Aktien legten am Dienstag um 2,47 Prozent auf 12,87 Euro zu.

Die Union-Investment-Gruppe und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) forderten vor 1600 Aktionären, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat abzulehnen. Als Grund nannte der Manager der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Olgerd Eichler, eine ungenügende und mitunter der Täuschung nahe kommenden Informationspolitik von MLP. Der Absturz des Aktienkurses basiere auf Managementfehlern. Die Anträge wurden abgelehnt und Vorstand sowie Aufsichtsrat mit großer Mehrheit für das Geschäftsjahr entlastet.

Harald Petersen von der SdK rügte, die Aktionäre seien nicht über die Gewinnsituation des Unternehmens informiert worden. Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf dem Vorstand eine "Bunker-Mentalität" vor. Mangelnde Transparenz bei MLP war auch eine Hauptkritik der Analysten. Die Aktionärsvertreter erklärten jedoch, mit der Einstellung von Finanzchef Uwe Schroeder- Wildberg habe es einen positiven Kurswechsel gegeben. Die SdK hat nach Informationen der "WirtschaftsWoche" unterdessen Ende Mai drei Unterlassungserklärungen abgegeben, nach denen nicht mehr behauptet werde, die MLP Lebensversicherung betrüge ihre Kunden durch falsche Modellrechnungen oder schädige sie durch häufiges Umschichten des Anlagestocks. Angaben über das Kreditprogramm für MLP-Mitarbeiter zum Kauf eigener Aktien werden nicht mehr wiederholt.

2002 hatte MLP beim Ergebnis nach Steuern einen Fehlbetrag von 47,6 Millionen nach plus 98,9 Millionen Euro im Vorjahr erzielt. Das Ergebnis vor Steuern lag bei minus 36,6 Millionen Euro (2001: plus 151 Mio). Die Erlöse stiegen auf 1,13 Milliarden nach 1,05 Milliarden Euro. Im ersten Quartal sank der Gewinn vor Steuern auf 8,5 Millionen nach 24,5 Millionen Euro. Der Überschuss lag bei 5,1 (Vorjahr: 15) Millionen Euro. Der Umsatz verringerte sich auf 233,7 Millionen nach 241,9 Millionen Euro.

Zur Prognose für 2003 sagte Termühlen: "Unsere Annahme basiert auf einem moderaten operativen Wachstum mit einem zum Vorjahr vergleichbaren Neugeschäftsvolumen." Dabei werde von einer hohen Nachfrage nach klassischen Lebensversicherungen ausgegangen. Die Zahl der Kunden soll auf 575 000 wachsen. Dazu soll wieder eine Dividende ausgeschüttet werden. In diesem Jahr gehen die Aktionäre leer aus.

Auf der Hauptversammlung schied der Mitbegründer des größten deutschen Softwarekonzerns SAP, Dietmar Hopp, aus dem Aufsichtsrat von MLP aus. Hopp gehörte seit 2001 dem Kontrollgremium an. Gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft Mannheim wegen des Verdachts ermittelt, mit Geld aus seiner eigenen gemeinnützigen Stiftung für MLP-Chef Termühlen gebürgt zu haben. Ende Mai wurde angekündigt, dass die Ermittlungen gegen Hopp eingestellt werden.

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