Terror gefährdet die US-Konjunktur
Unsicherheit beherrscht die US-Wirtschaft

Kriege sind meist auch ein Konjunkturprogramm für die Wirtschaft. Die Ausgaben des Staates schnellen in die Höhe, ein Sieg löst bei Verbrauchern Zuversicht und Konsumfreude aus - so die historische Erfahrung.

Als Franklin D. Roosevelt die USA in den Zweiten Weltkrieg führte, setzte er damit einen Wirtschaftsboom in Gang. Ähnliches gelang auch Lyndon B. Johnson während des Vietnam-Krieges - allerdings mit dem Ergebnis hoher Inflationsraten. Und als George Bush, der Vater des heutigen US-Präsidenten, seine Truppen in den Wüstensturm gegen den Irak schickte, führte der schnelle Sieg auf dem Schlachtfeld die USA geradewegs aus der Rezession. Hilft also auch der von George W. Bush ausgerufene Krieg gegen den internationalen Terrorismus der gebeutelten US-Wirtschaft wieder auf die Beine?

Verlassen sollten sich die Politiker in Washington nicht darauf. So wie der Krieg gegen den Terror ohne historisches Vorbild ist, sind es auch seine Folgen für die Wirtschaft. Zwar gibt es einige Parallelen zu früheren militärischen Auseinandersetzungen. Auch jetzt nimmt der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft spürbar zu: US-Airlines bekommen Subventionen, ein neues Ministerium kümmert sich seit Anfang der Woche um die Heimatverteidigung. Die Ausgaben für das Militär und die Sicherheitsdienste steigen, ein riesiges Konjunkturprogramm in Höhe von bis zu 75 Milliarden Dollar ist in der Pipeline. Ökonomen fürchten bereits, dass steigende Staatsausgaben und sinkende Zinsen die USA in einen inflationären Boom mit hohen Haushaltsdefiziten treiben.

Davon ist Amerika jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Die Inflationsgefahr ist wegen des kaum vorhandenen Lohndrucks und niedriger Energiekosten gering. Der Bundeshaushalt wird zwar im nächsten Jahr ein Defizit ausweisen. Die US-Staatsfinanzen sind anders als in Europa aber gesund genug, um die krisenbedingten Sonderausgaben zu verkraften. Vorausgesetzt, die geplanten Konjunkturhilfen werden zeitlich befristet und nicht zu einer Dauersubvention.

Die kräftige Anschubhilfe von Staat und Notenbank schafft gute Voraussetzungen für einen Konjunkturfrühling im nächsten Jahr. Ob es dazu kommt, hängt jedoch entscheidend von der weiteren politischen und militärischen Entwicklung ab. Und hier zeigen sich gravierende Unterschiede zu früheren militärischen Konflikten. Anders als zum Beispiel im Golfkrieg ist ein schneller Erfolg im Kampf gegen den internationalen Terror nicht zu erwarten. Zudem sind die Amerikaner diesmal in der Heimat unmittelbar bedroht. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld spricht von einer jahrelangen Auseinandersetzung. Die Amerikaner müssen auf unabsehbare Zeit mit dem Risiko neuerlicher Terroranschläge leben.

Ob die Konjunkturspritze in dieser Stimmung aus Furcht und Unsicherheit wirken kann, ist höchst fraglich. Von den Börsianern über die Unternehmer bis hin zu den Verbrauchern - seit den Terrorattacken auf Washington und New York ist Verunsicherung das beherrschende Element in der US-Wirtschaft. Daran haben auch die militärisch offenbar erfolgreichen Luftangriffe auf das Taliban-Regime in Afghanistan nichts geändert. Zu viele Fragen bleiben offen: Wird es weitere Terroranschläge in den USA geben? Welche Opfer könnte ein Bodenkrieg in Afghanistan fordern? Kommt es zu Aufständen in der islamischen Welt? In diesem Klima gedeiht keine Wirtschaft. Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung ist, dass Präsident Bush seine kluge und umsichtige Politik durchhält.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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