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Terror und Ideale

Wie sie wurden, was sie sind: Drei Autoren erzählen von der 68er-Bewegung und den Folgen

Kurz vor seinem Tod 1969 schrieb Theodor W. Adorno, der große Theoretiker der Frankfurter Schule, in seinem letzten Brief an den Soziologen Herbert Marcuse: "Die Meriten der Studentenbewegung bin ich der letzte zu unterschätzen, sie hat den glatten Übergang zur total verwalteten Welt unterbrochen. Aber es ist ihr ein Quentchen Wahn beigemischt."

Eigentlich als Aufbruch in eine bessere Welt gedacht, neigte die 68er-Bewegung nicht nur nach Ansicht von Adorno zur Irrationalität. Doch was wurde aus den Idealen? Freiheit, Terror, Chancen oder neue Schranken? Die Literatur versucht nun eine Auseinandersetzung mit dieser Zeit. Drei neue Sichtweisen auf 1968 und die Folgen bieten die neuen Romane von Sophie Dannenberg, Gerhard Seyfried und Friedrich Christian Delius.

Der Philosoph Adorno ist für Sophie Dannenberg eines der frühen Opfer der 68er-Protestbewegung. In ihrem Debütroman "Das bleiche Herz der Revolution" stirbt Professor Aaron Wisent, das Alter Ego Adornos, sogar mitten im Hörsaal. Die 1971 geborene Autorin schreibt aus der Perspektive der 1968er-Kinder. Und sie rechnet ab, erzählt von Machtmissbrauch und ideologischer Gehirnwäsche. Gnadenlos und bitter.

Adorno ist nicht das einzige Opfer der 68er. Die Autorin, die - wie sie sagt - aus Rücksicht auf ihre Eltern unter Pseudonym schreibt, schlägt dabei einen kühnen Bogen. Er reicht von 1933 über 1945 und 1968 bis in die Gegenwart. Ihre Hauptfiguren sind Hieronymus Arber, Assistent an der Frankfurter Universität, und Kitty Caspari, Kind 68er-Eltern und Opfer antiautoritärer Erziehung. Beide zerbrechen: der eine am Marsch durch die Institutionen, die andere an den politischen Idealen der Eltern und deren Diktat der sexuellen Freiheit.

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