Terror und Kriegsvorbereitungen
Am Golf liegen die Nerven blank

Auf der Arabischen Halbinsel liegen die Nerven der Herrscher blank. Der immer massivere amerikanische Truppenaufmarsch und zwei Terroranschläge innerhalb einer Woche setzen die Emire und Könige der Region politisch massiv unter Druck. Auch bei den US-Truppen am Golf wächst die Nervosität.

HB/dpa RIAD/DOHA/KAIRO. Die kuwaitische Führung bemühte sich zwar am Montag, die Attacken anti-amerikanischer Kräfte im eigenen Land herunterzuspielen. Doch der saudische Innenminister Prinz Naif Ibn Abdelasis drückte offen seine Besorgnis aus. "Zweifelsohne sind wir sehr unerfreut über die Existenz von El-Kaida-Elementen in Kuwait. Wir hatten geglaubt, dass diese (Terroristen) die Interessen der Nation über alle anderen Interessen stellen würden", zitierte ihn am Montag die Zeitung "Al- Sharq Al-Awsat". Die Sicherheit aller Golfstaaten sei durch derartige Vorfälle gefährdet.

Die Tanker-Explosion vor der jemenitischen Küste und die Angriffe von Terroristen auf US-Soldaten, die sich in Kuwait möglicherweise schon konkret auf den Sturm auf Bagdad vorbereiten, beweisen, dass der Kampf gegen das Terrornetzwerk El Kaida und andere islamistische Extremisten noch lange nicht gewonnen ist, auch auf der Arabischen Halbinsel nicht. "Warum sollen wir das länger leugnen?", fragt am Montag die in Sanaa erscheinende "Yemen Times". Sie fordert eine Abkehr von der bisher auch im Jemen praktizierten Strategie, das Terrorismus-Problem unter den Teppich zu kehren.

Gleichzeitig müssen die Herrscher am Golf gegenüber ihrer eigenen Bevölkerung, die wegen Washingtons Unterstützung für Israel immer Amerika-feindlicher wird, die Stationierung von US-Truppen auf ihrem Staatsgebiet rechtfertigen. Denn mit Ausnahme der Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es in allen Staaten der Golfregion US- Militärstützpunkte. Ein gefährlicher politischer Spagat, der, vor allem falls sich der israelisch-palästinensische Konflikt weiter hochschaukelt und die USA von diesen Stützpunkten aus den Irak angreifen sollten, weitere Terrorakte islamistischer Extremisten zur Folge haben könnte.

Unterdessen spekulieren Beobachter in der Region, Washington versuche seine Partner am Golf gegeneinander auszuspielen, um von jedem einzelnen die größtmögliche Unterstützung für einen Irak-Krieg zu erhalten. Ein Beispiel dafür sei der Ausbau des US-Stützpunktes El Udeid im kleinen Golfstaat Katar, schreibt die ägyptische Tageszeitung "Egyptian Gazette" und kommentiert: "Es liegt der Schluss nahe, dass die Vereinigten Staaten Katar benutzen, um Saudi- Arabiens Hilfe zu erzwingen".

Tatsächlich ist das saudische Königreich inzwischen von seiner anfänglichen Ablehnung eines US-Militärschlags gegen das Regime von Präsident Saddam Hussein etwas abgerückt. Einen amerikanischen Alleingang ohne UN-Mandat lehnt Riad aber offiziell immer noch ab.

So angespannt ist die Lage am Golf zur Zeit, dass sich selbst kleinere Probleme schnell zur Staatsaffäre entwickeln können. So zogen Saudis Anfang des Monats sogar ihren Botschafter aus Doha ab, weil sich die katarische Führung geweigert hatte, sich für einen saudi-kritischen Bericht des TV-Senders "El Dschasira" zu entschuldigen. "Wir sind halt von unserer Tradition her Beduinen", erklärt ein Mitglied des saudischen Informationsministeriums, "und da ist es üblich, dass der Jüngere (das kleine Land Katar) den Älteren (Saudi-Arabien) mit Ehrerbietung behandelt".

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