Terroranschläge als neue Form der Kriegsführung
Friedensforscher halten Weltkrieg für unwahrscheinlich

Friedensforscher sind nach den Terroranschlägen in den USA Befürchtungen entgegen getreten, es könne einen neuen Weltkrieg geben. Allerdings sei nicht unwahrscheinlich, dass die USA auf die Attentate mit Gewalt reagierten, sagte der stellvertretende Direktor des Instituts für Friedensforschung Hamburg, Reinhard Mutz, am Mittwoch in einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP.

ap BERLIN. Dagegen bezeichnete der Friedens- und Konfliktforscher Ernst Otto Czempiel im WDR die Terroranschläge als neue Form der generalstabsmäßigen Kriegsführung.

Mutz betonte, dass die USA in dem Augenblick, in dem der Verursacher der Attentate lokalisiert sei, zum Handeln gezwungen seien. Um der Gewalt Herr zu werden, müsste Attentätern ihr Nährboden durch politische Konfliktprävention entzogen werden.

Auch die Organisation Internationaler Ärzte für Frieden und in sozialer Verantwortung (IPPNW) und das Berghof-Forschungszentrums für konstruktive Konfliktbearbeitung Berlin sehen den Weltfrieden nicht in Gefahr. Vielmehr seien die Anschläge ein «Krieg in einer neuen Dimension», erklärte Forschungszentrum-Leiter Reiner Steinweg. "Es gibt weder wie früher Armeefronten noch lokalisierbare Gegner, aber die Massentötungen und Zerstörungen sind kriegsähnlich", sagte Steinweg. Er könne sich vorstellen, dass die USA ultimativ die Auslieferung des mutmaßlichen Terroristen Osama bin Laden verlange, der sich vermutlich unter dem Schutz des radikal-islamischen Taliban-Regimes in Afghanistan aufhalte. Wenn dies nicht geschehe, sei eine größere militärische Aktion nicht auszuschließen.

Die IPPNW warnte davor, die Gewaltspirale eskalieren zu lassen. Die Ohnmacht dürfe jedenfalls nicht in "blinden Aktionismus" umschlagen, erklärte Sprecherin Ute Watermann.

Begriff "Terrorismus" trifft nicht mehr zu

Der Spezialist für neuere amerikanische Geschichte an der Freien Universität Berlin, Manfred Berg, glaubt ebenfalls nicht an eine weltweite Eskalation. "Die Anschläge haben so viel Vorbereitung gefordert. So etwas kann nicht jeden Tag durchgeführt werden", erklärte Berg. Zudem seien die Vorsichtsmaßnahmen überall verstärkt worden.

Unterdessen sagte Czempiel im WDR, dass der Begriff Terrorismus nicht mehr das treffe, was in den USA geschehen sei. "Terrorismus beschreibt kurz gefasst ein sinnloses Töten durch fanatisierte Täter", sagte er. Auch er erkenne den Nahost-Konflikt als Hintergrund für die Anschläge. "Hier kämpfen gesellschaftliche Gruppen, die der Meinung sind, sich gegen einen Feind, einen Staat im Westen, wehren zu müssen, der sie unterdrückt", erklärte Czempiel.

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