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Terroranschläge als willkommener Vorwand

Seit den Anschlägen vom 11. September vergeht fast kein Tag, an dem Unternehmen weltweit mit neuen Horrormeldungen über massiven Arbeitsplatzabbau schocken. Der deutschen Wirtschaft steht ein Arbeitsplatzabbau bevor, wie es ihn selten zuvor gegeben hat - allein im Bankgewerbe fallen in den nächsten Jahren 30000 Stellen weg.

In den entsprechenden Mitteilungen der Firmen wird dabei gern auf die "Folgen der Terroranschläge in den USA" als Grund verwiesen. Es ist jedoch stark zu bezweifeln, dass die Terrorfolgen einen so heftigen Einschnitt rechtfertigen können. Vielmehr drängt sich die Frage auf, ob die Situation vielen Firmen und ganzen Branchen nicht eher gelegen kommt.

Zweifellos hat der Terror der Wirtschaft einen harten Schlag versetzt. In den Tagen nach den Anschlägen von New York gingen beispielsweise bei manchen Chemiefirmen überhaupt keine Aufträge ein. Die Verängstigung der Verbraucher, die sich mit Einkäufen zurückhalten, stürzt Unternehmen aller Branchen in Depressionen.

Fakt ist allerdings auch, dass bereits die Wochen zwischen Juli und Mitte September etwa in der Chemie zu den schwächsten gehörten, die die Branche je erlebt hat. Die neu aufgebauten Produktionskapazitäten lagen praktisch brach. Es kündigte sich bereits vor dem 11. September an, dass die Unternehmen wegen fehlender Aussicht auf Erholung stark auf die Kostenbremse treten müssen.

Manche Firmen nutzen die jetzige Situation, um einen bereits geplanten Stellenabbau ohne größere Aufruhr in Belegschaft und Öffentlichkeit bewältigen zu können - und ihn womöglich härter ausfallen zu lassen als zunächst für durchsetzbar gehalten wurde. In der durch Verängstigung geprägten politischen Lage lassen sich eben nicht nur längst überfällige Umstrukturierungen leichter durchziehen, sondern auch frühere Managementfehler besser kaschieren. Die Terroranschläge sind da ein willkommener Vorwand.

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