Terroranschläge machten ersten Aufschwung zunichte
Elektronik-Branche sieht Ende der Talfahrt

Auf dem Weltmarkt für elektronische Bauelemente zeichnet sich nach Einschätzung der Branche ein Ende der Talfahrt ab. Nach einem drastischen Einbruch im laufenden Jahr sei für 2002 eine Erholung absehbar, berichtete der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) am Dienstag auf der Messe "Productronica" in München.

dpa MÜNCHEN. Auch der Chiphersteller Infineon rechnet nach herben Einbußen auf dem Halbleitermarkt mit einer Besserung. Speziell im Automobilbereich und auf dem Handy-Markt sei ein erster Silberstreif am Horizont erkennbar, sagte Infineon-Vorstandsmitglied Sönke Mehrgardt. "Es gibt keinen Grund für zu großen Pessimismus."

In Deutschland wird die Trendwende nach Einschätzung des ZVEI allerdings noch mindestens ein halbes Jahr auf sich warten lassen. "Als erstes wird der Markt in den USA anspringen", sagte Reiner Simson vom ZVEI-Vorstand. Erste Anzeichen für einen Aufschwung seien im September allerdings durch die Terroranschläge zunichte gemacht worden. Impulse für den Bauelemente-Markt erwartet er langfristig durch die Einführung der Handys für den neuen Mobilfunkstandard UMTS. "Wir glauben aber nicht, dass es nochmal zu einem Boom kommen wird wie im Jahr 2000."

Im laufenden Jahr wird der deutsche Markt für elektronische Bauelemente nach Angaben des ZVEI voraussichtlich um 9,6 % auf 18,3 Mrd. Euro zurückgehen. Damit habe Deutschland im internationalen Vergleich immer noch eine "weiche Landung" absolviert, hieß es. Weltweit werde der Markt 2001 um 18,6 % auf 323 Mrd. Euro abnehmen. Besonders stark sei das Geschäft mit Halbleitern eingebrochen. Allein in Deutschland gehe dieser Bereich bis zum Jahresende um 14 % auf 10,6 Mrd. Euro zurück.

Abschwung am Halbleitermarkt so groß wie nie zuvor

Weltweit fällt der Abschwung des Halbleitermarktes in diesem Jahr nach Angaben von Infineon-Vorstand Mehrgardt mit rund 29 % so hoch aus wie nie zuvor. Selbst in den Krisenjahren 1975 und 1985 sei der Markt nur um jeweils 19 % geschrumpft. Auch Infineon hatte die Krise mit voller Wucht zu spüren bekommen und zuletzt hohe Verluste ausgewiesen. Die Zahlen für das abgelaufene Quartal gibt Infineon in der kommenden Woche bekannt.

Trotz des Stellenabbaus bei Infineon und vielen anderen Unternehmen der High-Tech-Branche ermunterte der Verband der Elektrotechnik (VDE) junge Menschen zum Studium der Informationstechnik. Die derzeit schwierige Situation der Branche dürfe nicht dazu führen, dass Abiturienten sich von der Elektro- und Informationstechnik abwenden, warnte der Verband. Im kommenden Jahr gebe es in diesem Bereich mit 6 500 Absolventen nur halb so viele wie benötigt. Derzeit entschieden sich Abiturienten hingegen verstärkt für die Studienfächer Jura und Wirtschaftswissenschaften.

Die Messe "Productronica" ist nach Angaben der Veranstalter die weltweit führende Messe für die Elektronik-Fertigung. Mehr als 1 400 Aussteller zeigen noch bis zum 9. November Neuheiten bei der Entwicklung von Bauelementen und anderen Technologien für Anwendungen in der Industrie, Automobilfertigung, Kommunikationstechnologie und Elektronik. Die Veranstalter erwarten wie im Vorjahr rund 52 000 Besucher.

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