Terrordiskussion überschattet Wirtschaftsprojekte
Schröder besucht zum dritten Mal China

Bundeskanzler Gerhard Schröder will der deutschen Wirtschaft bei seinen offiziellen Besuchen in Indien und China Türen öffnen.

HB/mg PEKING. "Der Bundeskanzler will gewissen Projekten, die bereits angeschoben sind, einen letzten Schub verleihen", hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. In Indien, wo Schröder am Sonntagnachmittag eintraf, werde es weniger um konkrete Vertragsunterzeichnungen, als vielmehr um das Gespräch über Projektvorhaben gehen. In China sollen dagegen mehr als 20 Einzelverträge unterzeichnet werden.

Schröder wird Mittwoch zum dritten Mal in seiner laufenden Amtszeit das Reich der Mitte besuchen. Der Kampf gegen den international organisierten Terror hat Schröders Gesprächen mit Staatspräsident Jiang Zemin und Ministerpräsident Zhu Rongji weitaus mehr Bedeutung gegeben, als diese gehabt hätten, wäre es lediglich um die überwiegend problemlosen chinesisch-deutschen Beziehungen gegangen. Schröder ist der erste Regierungschef der EU, der seit den Anschlägen in den USA das Reich der Mitte besucht. Der Kanzler eröffnet in Schanghai am Freitag ein Stahlwerk, das ThyssenKrupp für 1,4 Mrd. $ zusammen mit einer Tochter der lokalen Baosteel-Gruppe baut. Das Joint Venture, an dem ThyssenKrupp 60 % hält, soll in der ersten Phase 72 000 Tonnen Edelstahl pro Jahr produzieren, in der Ausbauphase ab Ende 2005 rund 268 000 Tonnen. Zudem wird möglicherweise über eine Bestellung von bis zu 50 Airbus-A-320-Flugzeuge mit einem Auftragsvolumen von etwa 2,5 Mrd. DM gesprochen.

Bauarbeiten an Transrapidstrecke

Der Kanzler wird auch die Bauarbeiten an der Transrapidstrecke in Schanghai besichtigen. Der Vertrag für die 31,5 km lange und 2,5 Mrd. Euro teure Verbindung vom neuen Flughafen Pudong im Ostteil der Stadt zum östlichen Endpunkt des U-Bahn-Netzes wurde zu Jahresbeginn unterzeichnet. Im Januar 2003 - in nur 15 Monaten - soll der Probelauf stattfinden. Er ist entscheidend für erhoffte milliardenschwere Folgeaufträge, darunter die prestigeträchtige, 15 Mrd. $ teure Fernstrecke Peking-Schanghai. Schröder wird auch den jüngsten Obi-Markt in Schanghais Finanzdistrikt Pudong besuchen. Die Baumarktkette, Nummer zwei in Europa, hat in den vergangenen 15 Monaten in China vier Märkte errichtet, den jüngsten im März in Pudong. Dort wird Schröder eine deutsche Woche eröffnen.

Von herausragender Bedeutung ist der Vertragsabschluss über eine Produktionsanlage von Bayer. Der Chemiekonzern unterschrieb im September mit dem lokalen Partner Shanghai Chlor Alkali einen 450 Mill. Dollar umfassenden Vertrag zur Produktion von Polykarbonaten im Chemiepark Caojing, dem größten seiner Art in Asien, in dem die BASF in unmittelbarer Nachbarschaft mit der amerikanischen Huntsman Corp. für 1 Mrd. Euro eine Polyurethan-Produktion aufbauen will. Die gemeinsame Machbarkeitsstudie mit den chinesischen Partnern wird in diesen Tagen fertig gestellt und anschließend der Planungskommission vorgelegt.

Schröder wird zum Auftakt des China-Besuchs in Peking am 31. Oktober Ministerpräsident Zhu Rongji treffen. Am Abend ist ein Staatsbankett mit der großen Wirtschaftsdelegation geplant, die Schröder - angeführt von Wirtschaftsminister Müller - mitbringt. Highlights der Delegation sind ein Technologieforum in Peking, bei dem deutsch-chinesische Firmenkooperationen unterzeichnet werden sollen. Am zweiten Tag in Peking wird Schröder mit Staatspräsident Jiang Zemin zusammen treffen und anschließend privat mit Premier Zhu in die ostchinesische Hafenstadt Dalian fahren. Dalian ist die führende Hafenstadt an der Bohai-Küste, Chinas dritte Boomregion. In den bilateralen Beziehungen gibt es kaum Konfliktpunkte. Dissens herrscht jedoch in Bezug auf die Menschenrechte. Der aber soll aber ohne Einschaltung der Medien erörtert werden.

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