Terrorisierung so mancher Bilanz
Wall Street inside

Und dabei sollte die Handelswoche doch eigentlich ruhig und eher etwas langweilig verlaufen. Mit dem nahenden Feiertag am Donnerstag, dem Unabhängigkeitstag, und einem nur halben Handelstag am Freitag, hätten Investoren und Händler eigentlich durch Abstinenz glänzen sollen. Hätte...sollen...

wsc NEW YORK. Auf dem Parkett der New Yorker Aktienbörse sieht?s in der Tat etwas leerer aus, was das Handelsvolumen allerdings nicht zu bremsen scheint. Die Kursschwäche hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Neben dem am Freitag bevorstehenden Arbeitsmarktbericht, der nicht sonderlich gut ausfallen dürfte, steht wieder die Terrorisierung so mancher Bilanz im Mittelpunkt. Spekulationen um mögliche Bilanzmanipulationen bei Vivendi sind für den US-Aktienhandel zwar nicht hilfreich, spielen aber dennoch keine sonderlich große Rolle. Vielmehr fürchten Investoren, dass mit Beginn der Ertragssaison noch so manche Bilanzleiche in den USA auftauchen könnte.

Analysten lassen an kaum einem Sektor ein gutes Haar. Auf breiter Front werden die Gewinnprognosen nach unten revidiert. Während Merrill Lynch die Umsatzprognosen von Dell Computer um 700 Mio. $ auf 17,9 Mrd. $ für das zweite Halbjahr nach unten revidiert, äußert sich Salomon Smith Barney negativ zu Cisco Systems. Basierend auf Marktumfragen habe sich das Nachfrageumfeld im Juni verschlechtert, obwohl saisonalbedingt mit einer Steigerung gerechnet wurde. Die Ergebnisse dürften daher am unteren Ende der erwarteten Spanne liegen.

Kräftig abwärts geht es vor allem bei den Chipwerten. Der Chip Index verliert gegen Mittag fast 6 Prozent und Intel rutscht auf den niedrigsten Stand seit Juni 1998. National Semiconductor wurde von Salomon Smith Barney auf "halten" abgestuft. Die Nachfrage in den Bereichen Computer und Flachbildschirme entwickelt sich nicht gemäß den Erwartungen. Dies werde wahrscheinlich zu einem niedrigeren Auftragsbestand führen. In der auf Funktelefone spezialisierten Sparte, hat wiederum das Risiko überhöhter Lagerbestände zugenommen. Dass es in der Chip Industrie weiter hakt, spüren anscheinend auch die Hersteller von Chip-Maschinen. Laut Morgan Stanley werden Kapitalinvestitionen in Chip-Maschinen in diesem Jahr nicht etwa um 15, sondern um 20 Prozent sinken. Im kommenden Jahr sei wieder mit Wachstum zu rechnen, allerdings nicht mit 30 %, sondern nur mit 20 %.

Wenig erfreulich entwickelt sich dieser Tage auch das technische Umfeld des Aktienmarktes. Während der Nasdaq bereits letzte Woche unter die Tiefstände vom 21. September gerutscht ist, folgt an diesem Dienstag der S&P 500 Index. Die Talfahrt scheint zumindest in dieser Woche noch nicht beendet zu sein.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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