"Terrorismusbekämpfung ist wichtig"
Prodi gegen Irak-Angriff ohne Uno-Mandat

Zwei Tage vor der Irak-Rede des US-Präsidenten George W. Bush in der Uno hat EU-Kommissionspräsident Romano Prodi die USA gedrängt, den Irak nicht ohne Mandat der Vereinten Nationen anzugreifen.

Reuters LISSABON/WASHINGTON. "Wir müssen den Terrorismus bekämpfen, aber ich glaube nicht, dass ein Krieg ohne Unterstützung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen eine Lösung ist", sagte Prodi am Dienstag dem Radiosender TSF laut einem auszugsweise vorab veröffentlichten Interview. Bush soll am Donnerstag vor der Uno-Vollversammlung zum Irak sprechen. Nach Einschätzung seines Sprechers ist es dem US-Präsidenten bereits gelungen, Stimmung für schärfere Uno-Resolutionen zu erzeugen, um Irak zu zwingen, die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen aufzugeben.

Vor Bush wird bereits am Dienstag der britische Premierminister Tony Blair, der dem US-Präsidenten am Wochenende bei einem Besuch seine Unterstützung zugesichert hat, vor Gewerkschaftern in Blackpool für seine Irak-Politik werben. Blair werde bekräftigen, angesichts der Beweise, dass Iraks Präsident Saddam Hussein über chemische und biologische Waffen verfüge und seine Bemühungen zur Entwicklung von Atomwaffen fortsetze, dürfe man nicht untätig bleiben, sagte Blairs Sprecher.

Der Irak hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. Es handele sich um vorgeschobene Gründe, um eine Agression gegen den Irak zu rechtfertigen, sagte Außenminister Nadschi Sabri. Der irakische Vizepräsident Taha Jassin Ramadan forderte die arabischen Bürger auf, im Fall eines US-Angriffs gegen US-Ziele im Nahen Osten zurückzuschlagen. "Irak hat das göttliche Recht, sich zu verteidigen und in diesem Fall haben alle arabischen Bürger, wo immer sie sein mögen, das Recht, die Agression mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen", sagte Ramadan in Amman.

Bushs Sprecher ließ offen, ob der US-Präsident die jüngste Initiative des französischen Präsidenten Jacques Chirac unterstütze. Der hatte gefordert, die Uno solle Irak im Abrüstungsstreit eine Frist setzen. Falls die Regierung in Bagdad sie verstreichen lasse, solle eine Resolution über ein militärisches Vorgehen folgen. Die dänische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, sie habe den USA Zustimmung zu Zwangsmaßnahmen zugesichert, falls Irak die geforderte Rückkehr der Uno-Rüstungsinspektoren verweigere.

Prodi: Anti-Terror-Koalition in Gefahr

Prodi sagte, ohne ein Uno-Mandat für ein militärisches Einschreiten gegen den Irak "fürchte ich, dass die größte Errungenschaft von allen, der Grundpfeiler der US-Außenpolitik nach dem 11. September, nämlich die internationale Anti-Terror-Koalition, zerstört werden könnte." Überzeugende Beweise für eine Verbindung zwischen der irakischen Regierung und der El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden hat die US-Regierung einem Bericht der "Washington Post" zufolge noch nicht gefunden. Der US-Geheimdienst CIA habe nach der Analyse von Fotos, abgehörter Kommunikation und Informationen von Agenten entsprechende Vorwürfe nicht bestätigen können, berichtete die Zeitung.

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