Terrorist muss sich nicht in den Bergen aufhalten
Auf der Suche nach bin Laden

US-Soldaten und afghanische Anti-Taliban-Kräfte sind Osama bin Laden offenbar dicht auf den Fersen. In den vergangenen Tagen gab es vermehrt Hinweise, dass sich der mutmaßliche Terroristenführer und seine Führungsriege in den Weißen Bergen südlich von Dschalalabad verstecken.

ap WASHINGTON. Anti-Taliban-Kämpfer bereiten eine Operation zur Ergreifung bin Ladens vor - zusätzlich motiviert durch das Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar (55 Millionen Mark - 28 Millionen Euro), das die USA ausgesetzt haben. Der amerikanische Geologe John Shroder Jr. informierte am Dienstag eigenen Angaben zufolge die US-Regierung, dass die Felsen, die in bin Ladens Videobotschaften zu sehen waren, zu einem Gebirgszug gehörten, der von den Einheimischen Spin Ghar genannt wird. "Ich bin dort schon gewesen. Die Beschaffenheit des Geländes, die Form der Felsen, alles passt", sagt der Professor der Universität von Nebraska in Omaha.

Nach dem Tod von El-Kaida-Militärchef Mohammed Atef - er starb bei einem Angriff auf Kabul im vergangenen Monat - gehören noch Bin Ladens Vertreter Ajman el Sawahri, Finanzchef Scheich Sajid und der Logistik-Planer Abu Subajdah zum engsten Kreis um den mutmaßlichen Terroristenführer. Berichte über den Tod Saijds bei einem Luftangriff auf das Tunnel- und Höhlensystem in den Weißen Bergen am Montag konnten bislang ebenso wenig von unabhängiger Seite bestätigt werden wie die über eine angebliche Verwundung El Sawahris.

Zudem ist es keineswegs sicher, dass sich bin Laden tatsächlich in einem Höhlenkomplex in den Weißen Bergen aufhält. Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen hieß es am Dienstag, weder Pakistan noch die USA wüssten, wo bin Laden sich versteckt halte. Auch der Befehlshaber der US-Streitkräfte in Afghanistan, General Tommy Franks, nannte mehrere mögliche Verstecke. Die Suche konzentriere sich aber auf die Berge südlich von Dschalalabad und bei Kandahar, sagte er.

Wenn bin Laden und seine Gefolgsleute aber tatsächlich in den Weißen Bergen sind, dann gilt der Bunkerkomplex Tora Bora als ihr wahrscheinlichster Aufenthaltsort. Dort hatten sich bereits die Mudschahedin während der sowjetischen Invasion in den achtziger Jahren versteckt. Mit finanzieller Unterstützung der USA bauten die Partisanen den Komplex im Berg Ghree Chil aus, wie der frühere afghanische Widerstandskämpfer Ali Dschalali erzählt, der heute in den USA lebt. Obwohl die Sowjets den Komplex mehrfach bombardiert hätten, sei es ihnen nicht gelungen, die Kämpfer dort zu besiegen.

El-Kaida soll die Versorgung abgeschnitten werden

Tora Bora wurde in den neunziger Jahren von bin Ladens Anhängern besetzt, wie Geologe Shroder berichtet. Die nördlichen Ausläufer der Weißen Berge befinden sich in der Provinz Nangarhar, wo auch der Khyber-Pass liegt. Südlich der Berge befindet sich an der pakistanischen Grenze die Stadt Parachinar. Ein Schmugglernest, wo der das Wegerecht habe, der die größte Waffe besitze, erzählt Shroder. Die pakistanische Regierung hat in Parachinar kaum Macht, was Bin Laden die Flucht nach Pakistan erleichtern würde.

Bin Laden in den Bergen zu fangen oder zu töten ist nach Ansicht von Beobachtern eine schwierige Angelegenheit. Um die mutmaßlichen Terroristenführer zu eliminieren, müsse man ihnen zunächst die Versorgung abschneiden, empfiehlt Dschalali. Genau das planen die einheimischen Kämpfer. Zunächst würden die Wasserquellen abgeschnitten, sagte der Sicherheitschef der Anti-Taliban-Kräfte in Nangarhar, Mohammed Saman. "Ohne Wasser ist das Leben sehr schwierig. Dann greifen wir an."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%