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Terroristen ermorden US-GeiselDPA-Datum: 2004-06-29 07:39:41

Bagdad (dpa) - Auch nach der vorgezogenen Machtübergabe kommt der Irak nicht zur Ruhe. Extremisten ermordeten nur wenige Stunden nach Übertragung der Souveränität an das irakische Volk einen seit April entführten US-Soldaten, wie der Nachrichtensender El Dschasira berichtete.

Bagdad (dpa) - Auch nach der vorgezogenen Machtübergabe kommt der Irak nicht zur Ruhe. Extremisten ermordeten nur wenige Stunden nach Übertragung der Souveränität an das irakische Volk einen seit April entführten US-Soldaten, wie der Nachrichtensender El Dschasira berichtete.

Zudem erschütterten vier Explosionen am frühen Dienstagmorgen die irakische Hauptstadt Bagdad, sagte ein Korrespondent des Senders. Die Ursache der Explosionen war nach Angaben des Senders zunächst unklar.

El Dschasira strahlte Videoaufnahmen aus, bei denen es sich um die Exekution des 20-jährigen Soldaten Keith Maupin handeln soll. Auf den Aufnahmen war nur ein von hinten gefilmter Mann mit Armeeuniform zu sehen. Der Soldat soll durch einen Schuss in den Hinterkopf getötet worden sein. Das US-Verteidigungsministerium konnte am Montagabend die Echtheit der Aufnahmen nicht bestätigen. Nach Angaben von El Dschasira hat sich eine bislang unbekannte islamische Gruppe zur Tötung bekannt. Die Hinrichtung sei damit begründet worden, dass die Vereinigten Staaten ihre Politik im Irak nicht verändert hätten.

In der Gewalt von Kidnappern sollen sich zudem auch ein US-Soldat, ein pakistanischer Fahrer und drei Türken befinden. In Videos, die von arabischen TV-Sendern ausgestrahlt wurden, drohten verschiedene Gruppen mit der Enthauptung der Geiseln. An einer Straßensperre 50 Kilometer südlich von Kirkuk sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im südirakischen Basra wurde ein britischer Soldaten getötet.

Am Montag hatte die US-geführte Koalition aus Sorge vor Terroranschlägen die Souveränität an das irakische Volk übertragen. Die Machtübergabe an die Übergangsregierung erfolgte nach knapp 15 Monaten Besatzung zwei Tage früher als angekündigt. Bei einer schlichten Zeremonie in Bagdad überreichte der scheidende US- Zivilverwalter Paul Bremer den Vertretern der neuen irakischen Führung ein entsprechendes Dokument. Übergangsregierungschef Ijad Allawi sprach von einem «historischen Tag». Für die Sicherheit im Irak bleibt eine über 150 000 Mann starke multinationale Truppe unter US-Führung zuständig.

Die volle Souveränität - einschließlich der militärischen Kontrolle im Land - soll erst eine demokratisch gewählte Regierung erhalten. US-Präsident George W. Bush würdigte die Machtübergabe als eine entscheidende Niederlage für die Terroristen und die Feinde der Freiheit. Der britische Premierminister Tony Blair, der engste Verbündete Bushs im Irak-Krieg, betonte, die Aufständischen hätten ihr Ziel nicht erreicht zu verhindern, dass der Irak «ein Symbol der Hoffnung wird».

Zahlreiche Staaten boten der neuen irakischen Regierung Hilfe beim Aufbau eines demokratischen Staates an. Die Staats- und Regierungschefs der 26 NATO-Länder verständigten sich nach schwierigen Verhandlungen in Istanbul darauf, die Ausbildung von irakischen Sicherheitskräften zu unterstützen. Einzelheiten wurden nicht festgelegt. Der Kompromiss kommt den Kriegsgegnern Deutschland und Frankreich entgegen, die eine eigene Rolle der NATO im Irak immer abgelehnt haben. Bundeskanzler Gerhard Schröder bekräftigte, dass deutsche Soldaten im Irak nicht zum Einsatz kämen. Irakische Militärs könnten in Deutschland ausgebildet werden.

US-Zivilverwalter Bremer verließ kurz nach der Zeremonie den Irak. Der Spitzenvertreter der USA und neue Botschafter, John Negroponte, traf am Abend in Bagdad ein. Die USA stellten nach Angaben der US- Mission in Bagdad zugleich die diplomatischen Beziehungen zum Irak wieder her. Die Beziehungen waren 1991 eingefroren worden, nachdem der Irak unter Saddam das benachbarte Kuwait überfallen hatte.

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