Terroristen-Jagd: Geisterjagd: Wo ist bin Laden?

Terroristen-Jagd
Geisterjagd: Wo ist bin Laden?

Vier Monate nach Beginn des Afghanistan- Krieges überfällt die Anti-Terror-Kämpfer der USA immer stärker eine böse Ahnung: Osama bin Laden, der größte Schurke in diesem tödlichen "Spiel", hat wahrscheinlich seinen Kopf aus der Schlinge gezogen.

dpa WASHINGTON. "Ist Bin Laden entkommen?", fragte in großen Lettern die Zeitung "USA Today", und US-Präsident George W. Bush antwortete nicht etwa mit einem kategorischen Nein. Seine Erwiderung lautete: "Oh, ich weiß, die Medien sagen gern "Wo ist der gute alte Bin Laden?" Er ist nicht das Thema. Das Thema ist internationaler Terror."

Für gut die Hälfte seiner Mitbürger ist er aber sehr wohl ein Thema. Solange der El-Kaida-Chef in Freiheit sei, könne der Krieg nicht als Erfolg betrachtet werden, befanden sie in einer Meinungsumfrage. Bin Laden symbolisiere das Problem, ob Washington dies nun passe oder nicht, sagen Beobachter. In der Presse wird bereits gefragt, ob die Strategie, so wirksam sie auch gegen die Taliban war, für die Ergreifung Bin Ladens mangelhaft gewesen sei.

Wo bin Laden ist, weiß nach offiziellen Äußerungen niemand seiner Jäger. Die Spur sei erkaltet, sagte Bob Graham vom Geheimdienstausschuss des US-Senats. Überall und nirgends wird er angeblich gesehen. Wie ein rastloser "Fliegender Holländer" scheint er die Welt zu durchstreifen. Einmal wurde die später dementierte Version verbreitet, Bin Laden sei nach Erkenntnissen der CIA wahrscheinlich mit dem Schiff geflohen. Den Amerikanern kommen aber eher Gedanken an den Rockstar Elvis Presley, dessen Fans sich mit seinem Tod 1977 nie abgefunden haben und ihn vermeintlich immer wieder mal sichten. "Mal Pakistan, mal Jemen, sogar Paris - Es ist wie die Elvis-Sightings", klagt ein anonymer Geheimdienstmann.

Dass der hoch gewachsene bärtige Terror-Millionär aus Saudi Arabien längst tot ist und nur noch als Kunstgestalt auf vorher aufgezeichneten Videos auf der Erde zu sehen ist, schließen seine Jäger nicht aus. "Osama bin Laden ist tot. Es gibt kein Grab", wusste der "Observer" in Islamabad bereits am 25. Dezember. Pakistans Präsident Pervez Musharraf äußerte Mitte Januar die Ansicht, der El- Kaida-Chef sei höchstwahrscheinlich an einer Nierenkrankheit gestorben, da er in den Höhlen Afghanistans nicht ausreichend behandelt werden konnte.

Doch so recht will keiner an den Tod glauben. Vermutlich halte sich Bin Laden immer noch im Grenzgebiet zwischen Ost-Afghanistan und Nordwest-Pakistan verborgen, spekulieren US-Beamte. Im November wurde er von den Geheimdiensten in Kandahar im Süden geortet, dann in Zentral-Afghanistan, schließlich in den Höhlenwelten von Tora Bora oder Zawar Kili. Eine aus Tora Bora Anfang Dezember aufgefangene Botschaft mit der Stimme Bin Ladens wird nun für eine gezielt gelegte falsche Spur gehalten. Das könnte auch die Aussage des gefangenen Bin Laden-Spitzenberaters Ibn al-Shaykh al-Libi gewesen sei, wonach der Chef schon vor den terroristischen Angriffen des 11. September aus dem Lande geschlüpft sein soll.

Bush ist es gleichgültig, er will Bin Laden nach eigenen Worten "tot oder lebendig". Die USA seien geduldig und beharrlich. "Wir geben nicht auf, bis er und alle anderen Killer der Gerechtigkeit übergeben worden sind." Hauptziel sei aber der internationale Terrorismus in all seinen Verästelungen.

CIA-Direktor George Tenet warnte jetzt vor einem Senatsausschuss: "Ich muss wiederholen, El Kaida ist noch nicht zerstört. Wir rechnen damit, dass El Kaida und andere terroristischen Gruppen weiter Angriffe auf dies Land und seine Interessen im Ausland planen." Mehr als 1000 El-Kaida-Mitglieder seien den Verfolgern in 60 Ländern in die Falle gegangen. Osama bin Laden ist - noch? - nicht darunter.

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