Terroristen sitzen im Verborgenen
Rumsfeld: Kein Großangriff der US-Streitkräfte

Die USA werden nach den Worten von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld keinen Großangriff starten, um den Kampf gegen Terrorismus zu gewinnen.

Reuters/ap WASHINGTON. Es werde keine Invasion der US-Streitkräfte wie beim Angriff der Allierten auf Frankreich 1944, mit dem das Ende von Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg eingeläutet worden sei, geben, sagte Rumsfeld am Dienstag. Zugleich warnte Rumsfeld, ein Krieg werde schwierig und gefährlich sein, dabei könnten viele Menschen ihr Leben verlieren. Rumsfeld sagte zudem, er werde die Presse über den Einsatz nicht belügen. Die USA haben ihre Einheiten in die Golf-Region als militärische Vorbereitung auf eine Reaktion auf die Anschläge am 11. September in den USA entsandt.

Es liege in der Natur der Sache, dass es nicht mit einem massiven Angriff oder einer Invasion getan sei, sagte Rumsfeld mit Blick auf den von Bush ausgerufenen Kampf gegen Terrorismus. "In Wahrheit geht es nicht um Rache. Es geht nicht um Vergeltung. Es geht um Selbst-Verteidigung. Die USA wissen, die einzige Art und Weise sich gegen Terrorismus zu verteidigen, ist, den Kampf mit den Terroristen aufzunehmen", sagte Rumsfeld. Diese säßen jedoch nicht in großen Staaten mit großen Gebäuden und großen Armeen, sondern im Verborgenen in dutzenden von Ländern. "Und sie bekommen Hilfe von Leuten, die ihnen nicht helfen sollten", fügte Rumsfeld hinzu.

Rumsfeld versprach ferner, die Medien über den Kampf gegen Terrorismus nicht zu belügen. Allerdings könne er nicht versprechen, immer die ganze Wahrheit zu sagen, wenn dies den Einsatz gefährden könne. "Ich kann mich nicht erinnern, die Presse jemals belogen zu haben", sagte Rumsfeld. "Und mir scheint, dass es dafür keinen Grund geben wird." Im Zweiten Weltkrieg hätten die Allierten Journalisten absichtlich falsche Angaben über den Beginn des Einsatzes gemacht, um die Deutschen im Dunkeln zu halten, sagte Rumsfeld. Beim Golfkrieg hatte es wegen angeblicher Zensur Kritik am US-Verteidigungsministerium gegeben.

Die USA haben nach den Anschlägen in New York und Washington angekündigt, einen Krieg gegen den internationalen Terrorismus führen zu wollen. Sie haben allen Staaten Vergeltungsschläge angedroht, die Terroristen Unterschlupf gewähren oder unterstützen.

Powell: Sturz des Taliban-Regimes kein Ziel

Der Sturz des radikalislamischen Taliban-Regimes in Afghanistan ist nach Worten von US-Außenminister Colin Powell kein erklärtes Ziel Washingtons. Im Falle einer Auslieferung des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden würden die USA möglicherweise sogar Unterstützung für die Taliban in Erwägung ziehen, sagte Powell am Dienstag. Weitere Bedingung sei eine Zerschlagung des Netzwerks El Kaida.

"Wenn sie das täten, würden wir uns nicht darüber den Kopf zerbrechen, ob das Regime an der Macht ist oder nicht", erklärte Powell. Für die Taliban würde dies "bedeutende Vorteile" bringen. Man müsse sich bewusst sein, dass die USA umfangreiche humanitäre Hilfe in Afghanistan finanziere, betonte der Minister. «Wenn sie aber nicht zur Besinnung kommen, werden wir weitere Aktionen gegen die Taliban starten.»

Zu einem möglichen Militärschlag sagte er: "Es ist ein schwieriges Terrain, um konventionelle Kämpfe zu führen." Dennoch erwöge die US-Regierung alle möglichen Maßnahmen, um die Taliban zum Einlenken zu bewegen.

Mission mit neuem Namen

Zuvor hatte bereits Regierungssprecher Ari Fleischer erklärt, die USA würden keinen Versuch unternehmen, das radikalislamische Taliban-Regime zu stürzen. Allerdings solle die Regierung in Kabul dafür bestraft werden, dass sie Terroristen Unterschlupf gewähre, sagte Fleischer.

Das Verteidigungsministerium in Washington änderte unterdessen den Namen für die Militäraktion gegen den Terrorismus; er lautet nun: "Enduring Freedom" (Dauerhafte Freiheit). Der ursprünglich ausgegebene Name "Operation Infinite Justice" (Operation Unbegrenzte Gerechtigkeit) galt als beleidigend für Moslems, da nach islamischem Glauben nur Allah für unbegrenzte Gerechtigkeit steht.

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