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Terroristin Andrea Klump legt Teilgeständnis ab

Die frühere RAF-Terroristin Andrea Klump hat überraschend ein Teilgeständnis zu einem Sprengstoffanschlag in Ungarn im Jahr 1991 abgelegt. Im Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart räumte die 46-Jährige am Donnerstag ein, von dem Attentat auf einen Bus mit 31 jüdischen Auswanderern gewusst zu haben.

dpa STUTTGART. Die frühere RAF-Terroristin Andrea Klump hat überraschend ein Teilgeständnis zu einem Sprengstoffanschlag in Ungarn im Jahr 1991 abgelegt. Im Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart räumte die 46-Jährige am Donnerstag ein, von dem Attentat auf einen Bus mit 31 jüdischen Auswanderern gewusst zu haben.

Sie habe es abgelehnt, sich daran zu beteiligen, sagte sie in einer 15- minütigen Erklärung. Jedoch habe sie ihrem Lebensgefährten Horst Meyer logistisch geholfen, indem sie insgesamt sechs Zimmer in Zentrumsnähe angemietet und den Haushalt für ihn geführt habe. "Mir war klar, dass ich damit Horst Meyer und den geplanten Anschlag unterstütze", erklärte sie. Den Sprengstoff habe sie jedoch nie gesehen. "Auch wenn ich nur am Rande mit dem Sprengstoffanschlag zu tun hatte, empfinde ich heute Scham über mein Verhalten", sagte Klump.

Das Gericht wies nach der Erklärung darauf hin, dass die 46- Jährige möglicherweise nicht - wie bisher angeklagt - wegen Mordversuchs in 33 Fällen verurteilt werden könnte, sondern nur wegen Beihilfe hierzu.

In Budapest war am 23. Dezember 1991 ein mit 25 Kilogramm Sprengstoff beladenes Auto explodiert. Der Anschlag galt einem Bus mit 31 jüdischen Auswanderern aus der Sowjetunion. Der Sprengsatz detonierte wegen eines Fehlers der Funk-Fernbedienung zu früh. Die Hauptwirkung traf deshalb ein vorausfahrendes Polizeifahrzeug. Zwei Polizisten wurden schwer verletzt, vier jüdische Auswanderer leicht. Zu der Tat bekannte sich die palästinensische Terror-Organisation "Bewegung für die Befreiung Jerusalems".

Klump räumte entgegen ihrer bisherigen Aussagen weiter ein, bereits im September nach Budapest eingereist und fast drei Monate dort geblieben zu sein. Sie habe auch gewusst, dass sich Meyer im Auftrag der Palästinenser in der ungarischen Hauptstadt aufgehalten habe. Da sie sich an dem Attentat nicht selbst beteiligen wollte, sei sie über den genauen Zeitpunkt nicht eingeweiht worden. Sie sei nach einem Hinweis von Meyer wenige Tage vor dem Attentat in ihren damaligen Wohnort Belgrad zurückgereist. Sie habe Zugverbindungen recherchiert. Ihr sei jedoch nicht bekannt, ob diese Informationen von Meyer oder anderen verwendet wurden.

Meyer und Klump wurden 1999 in Wien gestellt. Meyer wurde dabei von der Polizei erschossen. Klump verbüßt derzeit eine neunjährige Haftstrafe wegen Beteiligung an einem versuchten Bomben-Anschlag 1988 auf eine Nato-Einrichtung in Spanien.

Der Prozess wird am 13. September fortgesetzt.

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