Terrornetzwerk bin Ladens ist noch nicht zerschlagen
Analyse: Was kommt nach Afghanistan?

Mit der Zerschlagung des Taliban-Regimes in Afghanistan wird der Krieg gegen den Terror nicht zu Ende sein. In den USA läuft die Diskussion über die nächsten Schritte bereits auf Hochtouren. Nur bei uns nicht.

George Bush und Gerhard Schröder. Unterschiedlicher könnte die Haltung im Kampf gegen den Terror nicht sein. Der US-Präsident verbrachte gestern den Vorabend des Erntedankfestes bei den Elitesoldaten einer Luftlandedivision. Seine Botschaft an die amerikanische Nation: Richtet Euch darauf ein, dass der schwierige Krieg gegen den Terrorismus noch sehr lange weiter gehen wird. Der deutsche Kanzler verbrachte den Mittwoch auf dem SPD-Parteitag in Nürnberg. Seine Botschaft an die Deutschen: Mit der Entsendung von nicht einmal 4 000 Bundeswehrsoldaten ins Krisengebiet haben wir unsere Schuldigkeit getan.

Schröders politische PR-Maschinerie schürt in diesen Tagen den Eindruck, als ob das Schlimmste im Anti-Terror-Krieg bereits vorbei sein. Glaubt man ihm, dann gilt: Nun schlägt die Stunde der Friedenskonferenzen und Hilfstransporte. Und der deutsche Pazifismus kann aufatmen. Die Kanzler-Worte sollen vor allem den Koalitionspartner beruhigen: Auf dem Parteitag der Grünen, der am Wochenende in Rostock eröffnet wird, will sich Schröder die Zustimmung zum Militäreinsatz der Bundeswehr mit der Hoffnung erkaufen, dass es wahrscheinlich gar nicht mehr gefährlich wird für "unsere Jungs".

Das könnte ein böses Erwachen geben. Einerseits ist das Terrornetzwerk Osama bin Ladens noch keineswegs zerschlagen. Je stärker die Terroristen in Afghanistan in die Enge getrieben werden, umso gefährlicher werden sie. Andererseits wird US-Präsident Bush in den nächsten Monaten den Druck auf andere Staaten erhöhen, die Terrorgruppen unterstützen. Ob es dabei auch zu militärischen Aktionen kommt, etwa im Irak, ist noch offen. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch relativ hoch. Die Grünen werden dann endgültig auf die Barrikaden gehen. Und Schröder schlittert in seine nächste Regierungskrise.

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