Terrorverdächtiger aus Hamburg
Kein Beleg für Zusammenleben mit Atta

Die Bundesanwaltschaft hat bislang keine Beweise dafür, dass der in den USA unter Terrorismusverdacht verhaftete Hamburger mit dem Terrorpiloten Mohammed Atta in der Hansestadt zusammengelebt hat. Für diese Vermutung gebe es in den bisherigen Vernehmungen durch US-Behörden keine Anhaltspunkte, sagte am Montag die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten.

HB KARLSRUHE/HAMBURG. Sonstige Kontakte zwischen den beiden könnten nicht ausgeschlossen werden. Zu Ergebnissen der Durchsuchung der Hamburger Wohnung des Deutsch-Afghanen machte sie keine Angaben.

In der Wohnung des Verdächtigen im Stadtteil Barmbek wurde verdächtiges Material sichergestellt. Mehr als 50 Videokassetten, ein umfangreiches Zeitungsarchiv mit Artikeln über Kriege und Konflikte in aller Welt sowie die Kopie einer Überweisung über 25 000 $ wurden gefunden, bestätigte die Polizei. Der Hamburger Staatsschutz hatte danach am 20. August die Wohnung des aus Kabul stammenden Mannes auf Wunsch der US-Ermittler durchsucht.

Der 39-Jährige lebt in einem unscheinbaren Rotklinkerbau in einer ruhigen Seitenstraße des früheren Arbeiterviertels Barmbek-Nord. Hausbewohner hatten kaum Kontakt zu dem Mitarbeiter einer Im- und Exportfirma im Hamburger Hafen. Nach Aussage eines anderen Nachbarn war der Verdächtige bereits in den 70er Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, um seine Kinderlähmung behandeln zu lassen. Nach den bisherigen Erkenntnissen war er vor acht Wochen zu einem Verwandtenbesuch in die USA geflogen. Nach mehreren Vernehmungen durch die US-Behörden soll er verhaftet worden sein und in Alexandria bei Washington in Untersuchungshaft sitzen.

Unklar ist, was genau die USA dem 39-Jährigen mit deutschem Pass vorwerfen. Die Ermittlungen seien zeitaufwendig, erklärte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Generalbundesanwalt Kay Nehm führt gegen den Deutsch-Afghanen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Entgegen den Angaben der Bundesanwaltschaft berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass der 39-Jährige Mitbewohner von Mohammed Atta, einem der Attentäter vom 11. September, war. Der Deutsch-Afghane habe nach seiner Festnahme zugegeben, 1994 mit Atta in einem Hamburger Studentenwohnheim gelebt zu haben, berichtete das Magazin. Ferner habe er enge Kontakte zu weiteren Terrorverdächtigen wie dem in Syrien inhaftierten Mohammed Haydar Sammar eingeräumt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%