Testfall für das digitale Schlachtfeld
US-Armee rüstet sich mit neuen und leichteren Waffen

In einem zweiten Krieg gegen den Irak wäre die amerikanische Armee weitaus besser ausgerüstet als noch vor zwölf Jahren. Sollte die USA losschlagen, so setzen die Militärs nicht nur auf die Vernetzung der militärischen Systeme. Sie nutzen auch neue Materialien, mit denen die modernen Waffen leichter werden.

DÜSSELDORF. Ein Angriff auf den Irak gilt unter Militärexperten als ein weiterer Testfall für das digitale Schlachtfeld, das die US-Militärs unter Gefechtsbedingungen erproben wollen. In Kuwait hat bereits eine frisch ausgerüstete US-Division Stellung bezogen, die Erfahrungen im Einsatz mit der neuen digitalen Vernetzung sammeln soll. Mit unbemannten Flugobjekten, so genannten Aufklärungsdrohnen, werden Ziele ermittelt, die per Satellit an die Kommandozentrale oder einzelne Einheiten weitergegeben werden können. Die Truppenteile erhalten so einen Überblick über das Schlachtfeld und können Ziele schneller und besser erfassen.

Der Kern des Systems ist die neueste Version der Abrams-Panzer, die das Unternehmen General Dynamics entwickelt und geliefert hat. Sensoren des Panzers sind mit dem bewaffneten Truppentransporter Bradley und den zur Division gehörenden Apache- Longbow-Helikoptern zusammengeschaltet. Die Vernetzung, so hoffen die Militärs, soll vor allem verhindern, dass - wie im Golfkrieg 1991 geschehen - ein Fünftel aller Gefallenen versehentlich von den eigenen Leuten getötet werden.

Die Technik der lasergesteuerten Bomben, die noch im Golfkrieg 1991 verwendet wurde, tritt immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen gibt es jetzt immer häufiger Systeme, die per Satellit gesteuert werden. Ihr Vorteil: Der Pilot muss die Bombe nicht mehr ins Ziel lenken, die Koordinaten werden vorher programmiert. Die Bombe muss nur noch ausgelöst werden, um ihre tödliche Mission zu erfüllen.

Doch moderne Elektronik ist nur eines der Mittel, um den Verlauf eines möglichen Krieges zu beschleunigen. Mit dem militärischen Strategiewechsel unter Pentagon-Chef Donald Rumsfeld, durch den die Soldaten beweglicher und die US-Armee mobiler werden sollen, haben neue und leichtere Materialien eine größere Bedeutung erlangt. "Die US-Armee versucht künftig mit immer weniger Panzerung auszukommen", beschreibt Sascha Lange, Rüstungsexperte bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik, die Entwicklung. Der Vorteil liegt auf der Hand: Leichtere Fahrzeuge lassen sich auch per Flugzeug transportieren und müssen nicht umständlich per Schiff zu ihren Einsatzorten gebracht werden.

Während man bisher davon ausging, dass ein Truppenfahrzeug mehrfache Treffer aushalten muss, geben die US-Militärstrategen heute die Parole aus: "Vom Schild zum Schwert." Durch den Informationsvorsprung und die größere Beweglichkeit auf dem Schlachtfeld sollen die Armeeeinheiten in der Lage sein, den Feind zu töten, bevor er selbst zum Schuss kommt. Die Einheiten werden dazu kleiner, mobiler und damit effizienter, hoffen die Militärs im Pentagon.

Auch der einzelne Soldat soll beweglicher sein, um mit seiner Ausrüstung sowohl im Feld als auch im Häuserkampf überleben zu können - wo immer ihn seine "Mission" auch hinführt. Um den Krieg mobiler zu machen, setzen die Entwickler in den Rüstungsschmieden daher immer mehr auf Materialien wie Keramik: "Die Zeit des Metalls geht früher oder später zu Ende", prophezeit ein US-Rüstungsmanager.

Doch auch mit den neuen Werkstoffen hat ein amerikanischer GI noch schwer zu schleppen: Bis zu 70 Kilo trägt er mit sich herum. Das Kleidungsstück, das ihm am Körper am meisten drückt, ist seine kugelsichere Weste - und die besteht inzwischen aus Keramik. Diese bringt allein gut acht Kilo auf die Waage. Die US-Truppen, die sich in der Wüste an der Grenze zum Irak auf den Ernstfall vorbereiten, tragen damit heute zwar wesentlich leichter als ihre Kameraden während des Golfkriegs 1991.

Bei den klimatischen Bedingungen im Irak hilft dies jedoch dem Soldaten nur bedingt weiter - besonders wenn er bei einem Angriff mit Chemiewaffen in einem entsprechenden Schutzanzug steckt. "Ob man nun bei 37 Grad in einem leichten oder in einem schweren Gummianzug steckt - es ist immer noch ein Gummianzug", geben Militäranalysten zu bedenken.

Doch nicht nur die Soldaten sollen mit neuen Materialien geschützt werden: Der Rüstungskonzern General Dynamics hat für einen Schwimmpanzer der US- Marine zum Schutz der Oberfläche Keramik mit Silikon-Nitrit-Kügelchen modifiziert, um bei Beschuss Splitterungen zu verhindern.

Neben Keramik spielen auch Karbonfasern eine wichtige Rolle: Teile des Militärtransporters C17-A Globemaster, den der Luftfahrtkonzern Boeing gebaut hat, bestehen aus solchen Elementen, ähnlich der Tarnkappenbomber B2. Auch die Aufklärungsdrohnen werden aus dem leichten und widerstandsfähigen Material gebaut.

"Doch trotz vieler technischer Neuerungen nutzt die US-Armee grundsätzlich die gleichen Systeme wie beim letzten Golfkrieg", sagt allerdings Rüstungsexperte Lange. "Sie sind nur viel besser geworden."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%