Testländerspiel
Bosniens Elf will Volk vereinen

Die Feuertaufe für die Fußball-Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina ging gründlich schief. Als das Team im Olympia-Stadium "Kosevo" in Sarajevo gegen das benachbarte Jugoslawien spielte, standen im August auch serbische Zuschauer aus dem eigenen Land lautstark auf der Seite des Gegners.

dpa SARAJEVO. Während sie nationalistische Lieder sangen und ihren als Kriegsverbrecher angeklagten Ex-Politiker Radovan Karadzic hoch leben ließen, konterten bosnische Moslems mit "Allah ist groß". Zwei Tore für die Gastmannschaft ließen die Spannungen weiter steigen. Bei folgenden Zusammenstößen wurden auch 19 Polizisten verletzt.

So muss die Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina, die am Freitag den Vize-Weltmeister Deutschland empfängt, erst noch die Herzen aller Volksgruppen in dem Nachkriegsland gewinnen. Zu tief ist der Riss zwischen Serben sowie Moslems und Kroaten, als dass Sportfans der drei Volksgruppen für ein Team jubeln wollten. Erst seit diesem Jahr spielen überhaupt wieder 20 Mannschaften aus allen Landesteilen in einer gemeinsamen Liga.

Von 1992 an herrschte in Bosnien wegen des Krieges Spielpause, der Fußball-Weltverband (FIFA) und die Europäische Fußbal-Union (UEFA) schlossen den Bundesstaat Jugoslawien aus. Wie in anderen Staaten des zerfallenen Jugoslawiens, dessen Spieler vorher als "Brasilianer des Balkans" geachtet waren, gingen Sportler ins Ausland oder an die Front. Einen Einstand in den europäischen Fußball gab Bosnien erst wieder im April 1996 gegen Albanien.

Der damalige Nationaltrainer Fuad Muzurovic hatte ausdrücklich auf den Einsatz von Spielern aus ausländischen Clubs verzichtet. Nur wer in den Polizeitruppen oder der Armee gedient habe, dürfe antreten. Doch das Konzept schlug schon vom ersten Spiel (0:0) an trotz der Anfeuerung durch 18 000 patriotische Fans in der Stadt Zenica fehl.

"Der bosnische Fußball liegt noch deutlich hinter dem Welt-Fußball zurück", sagt der heutige Nationaltrainer Blaz Sliskovic. Die 83. Platz in der Weltrangliste belegt seine These. Die Spieler seien noch zu langsam und könnten einen verlorenen Ball kaum noch zurück erkämpfen. Im Training gebe es Motivationsprobleme. "Ich glaube, dass die Deutschen uns wahrscheinlich wegen unserer derzeitigen Position im internationalen Fußball unterschätzen. Aber wir nehmen es als Chance und werden versuchen, sie niederzukämpfen", sagt der Trainer.

Wegen mehrerer Krankheiten und Verletzungen - unter anderem sagte auch der Hamburger Sergej Barbarez ab - sollen dabei zwei Spieler aus der Juniorenmannschaft, die Serben Vladan Grujic und Dragan Vladnjak, eine Chance bekommen. Vorwiegend aber setzt sich die Mannschaft aus "Legionären" zusammen, wie beispielsweise Hasan Salihamidzic vom FC Bayern München und Zlatan Bajramovic vom Zweitligisten SC Freiburg.

Das Spiel ist am Freitag Ereignis des Tages, auch wenn ein Sieg über Deutschland eine große Überraschung wäre. Trainer Sliskovic ist überzeugt: "Die Mannschaft ist bereit. Das Spiel wird ein großes Spektakel."

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