Teufel hat es allen noch einmal gezeigt
Porträt: Erwin Teufel

dpa STUTTGART. Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel hat es allen Kritikern noch einmal gezeigt: Mit einem Zuwachs von gut vier Punkten auf rund 45 % erreichten der Spitzenkandidat und die Südwest-CDU ein selbst für Anhänger überraschend gutes Ergebnis. Die auch in den eigenen Reihen befürchtete Schande, bei der Landtagswahl die magische Marke von 40 % zu unterschreiten und damit die parteiinterne Kritik auf sich zu ziehen, bleibt dem Amtsinhaber erspart. Frontmann Teufel, der sich vor kurzem noch über «orkanartigen Gegenwind» von der Bundes-CDU beschwert hatte, erreichte damit sein bestes Ergebnis bei Landtagswahlen.

Nicht nur die Fortsetzung der Koalition mit den Liberalen ist ihm gesichert, nach einzelnen Hochrechnungen schien sogar eine absolute Mandatsmehrheit und damit Alleinregierung der Christdemokraten möglich. Als «gutes Ergebnis für Baden-Württemberg» bezeichnete der strahlende Wahlsieger das Abschneiden seiner Partei. «Ich freue mich auch persönlich ungemein über diesen Vertrauensbeweis», fügte er hinzu. Fraglich ist angesichts des glänzenden Wertes, ob Teufel, wie von Beobachtern bislang vermutet, in der Mitte der Legislaturperiode das Zepter an einen Nachfolger weitergeben wird. Kronprinz Günther Oettinger (46), seit zehn Jahren CDU-Fraktionschef, wird sich möglicherweise noch gedulden müssen.

Vor gut zehn Jahren zog Teufel in das Zentrum der Macht in Baden- Württemberg ein: Damals wechselte er nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Lothar Späth (CDU), dem letzten Anführer einer CDU - Alleinregierung, vom Sessel des CDU-Fraktionschefs in die Villa Reitzenstein. Bei der Landtagswahl 1992 musste die im Südwesten von Erfolg verwöhnte CDU dann Abschied nehmen von der zwei Jahrzehnte währenden absoluten Mehrheit.

Der am 4. September 1939 in der Nähe von Rottweil geborene Bauernsohn konnte es in der brillanten Außendarstellung nie mit seinem Amtsvorgänger aufnehmen. Im Gegenteil: Bei den Talk-Shows im Wahlkampf wirkte er hölzern, verkrampft und wurde von seinem telegenen Stellvertreter Walter Döring (FDP) in den Schatten gestellt. Teufel arbeitete lieber im Stillen und vollendete dabei mehrere Großvorhaben, an denen Späth gescheitert war: Zusammenschluss der Energieversorger, Bankenfusion und Vereinigung von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk zur länderübergreifenden Anstalt. Nach der von ihm ungeliebten großen Koalition (1992-1996) führte Teufel von 1996 an eine CDU/FDP-Regierung. Kurz nach der Wahl vor fünf Jahren musste er im Landtag seine wohl schmerzlichste Niederlage hinnehmen: Bei der Ministerpräsidentenwahl verweigerten ihm sechs Abgeordnete vermutlich aus den eigenen Reihen die Zustimmung und zwangen ihn in den zweiten Wahlgang. Der Grund war wahrscheinlich Ärger über die Postenverteilung in der Regierung.

Teufel, der seine politische Karriere mit 25 Jahren in Spaichingen als Deutschlands jüngster Bürgermeister begann, liebt Rekorde, am meisten, wenn es von ihm selbst mitverantwortete sind. Allerdings finden viele seine detailversessene Zahlenverliebtheit und sein gebetsmühlenartiges Aufzählen von Erfolgen ermüdend, wenn nicht sogar peinlich. Andererseits genießt der CDU-Landeschef in Teilen der konservativen Bevölkerung Respekt, weil er verlässlich, bodenständig und geradlinig wirkt. Affären und Eskapaden sind dem Landesvater fremd. Teufel, lange loyaler Gefolgsmann von Altbundeskanzler Helmut Kohl, hatte nie bundespolitische Ambitionen. Doch traf es ihn schwer, als ihn der ehemalige CDU-Bundesvorsitzende Wolfgang Schäuble aus dem Amt seines Stellvertreters drängte.

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