Teure Kassen heben Beiträge noch stärker an
Krankenkassenbeitrag dürfte um 0,3 Prozentpunkte steigen

Die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen dürften zum Jahreswechsel von jetzt durchschnittlich 13,6 % auf etwa 13,9 % des Bruttoeinkommens steigen.

ap BONN. Der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Rainer Daubenbüchel, sagte am Donnerstag in Bonn, bei ohnehin schon überdurchschnittlich teuren Kassen wie der AOK sei sogar eine noch stärkere Anhebung zu erwarten.

Daubenbüchel erklärte, die deutliche Steigerung sei weniger in der von den Kassen beklagten Zunahme der Arzneimittelausgaben im laufenden Jahr begründet als darin, dass eigentlich schon Anfang 2001 eine Beitragserhöhung um 0,2 Prozentpunkte nötig gewesen wäre. Wegen des Sonderkündigungsrechts der Versicherten sei aber "der Anreiz für Beitragserhöhungen denkbar gering", meinte der Versicherungsaufseher. Deshalb schöben die Kassen derartige Maßnahmen so weit wie möglich hinaus. Das führe dann aber zu noch stärkerem Druck, da nun auch zusätzlich die Defizite des bereits abgelaufenen Geschäftsjahres finanziert werden müssten.

Betroffen seien praktisch alle gesetzlichen Krankenkassen, sagte Daubenbüchel. Ohnehin schon teuere Kassen mit Beitragssätzen von derzeit 13,8 bis 14 % müssten wahrscheinlich sogar die Beiträge noch um 0,1 Prozentpunkt stärker, das hieße dann um 0,4 Prozentpunkte, anheben, da sie auch noch die Abwanderung von Versicherten nach der Erhöhung ausgleichen müssten. Die Zahlenangaben seien insgesamt allerdings noch mit Vorsicht zu genießen. Zwar lägen entsprechende Haushaltspläne der Kassenvorstände vor, doch seien sie von den Verwaltungsräten noch nicht genehmigt.

Mit Beitragssätzen von 13,9 und 13,8 % liegen derzeit bereits die Barmer Ersatzkasse und die DAK über dem Durchschnitt von 13,6 %. Die Ortskrankenkassen verlangen Sätze zwischen 13,5 und fast 15 % . Dagegen fordern die Betriebskrankenkassen im Durchschnitt nur einen Beitrag von 12,5 % des Bruttoeinkommens.

Keine Erstattung für Arzneimittel aus dem Internet

Würde der Plan des Bundesgesundheitsministeriums verwirklicht, wonach Ärzte nur noch Wirkstoffe verschreiben und die Apotheken das jeweils billigste Medikament aus dieser Gruppe abgeben sollen, könne dies nach Berechnung des Versicherungsamtes zwei Milliarden Mark im Jahr sparen, was eine Senkung des Beitrags um 0,1 Prozentpunkte ermöglichte. Daubenbüchel bezweifelte jedoch, dass das Vorhaben Gesetz wird. Eine Möglichkeit zum Sparen bleibt den Krankenkassen nach Angaben der Behörde vorerst verschlossen: Die Kassen dürfen nicht für Arzneimittel aus dem Internet bezahlen, auch wenn diese billiger sind als in deutschen Apotheken. Das geltende Recht verbiete den Versandhandel mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln in der Bundesrepublik erklärte das Bundesversicherungsamt. Auch wenn die Politik Sympathie für diese Möglichkeit des billigeren Einkaufs aus dem Ausland bekunde, könne das Amt die Erstattung der Kosten durch Krankenkassen nicht dulden, solange das gesetzliche Versandhandelsverbot nicht gelockert sei.

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