Teures Wasser
Versorger entdecken ein neues Milliardengeschäft

vwd DÜSSELDORF. Die letzten Zweifel wurden am 25. September beseitigt: Insgesamt elf Mrd Euro legte der RWE -Konzern kurz vor dem operativen Start seiner neuen Stammhäuser auf den Tisch, um den britischen Wasserversorger Thames Water zu übernehmen und international zur Nummer Drei der Branche aufzusteigen. Vorausgegangen waren Kooperations- und Fusionsverhandlungen der Essener und auch der neuen Eon AG unter anderem mit den weltgrößten Wasserunternehmen, den französischen Konzernen Vivendi und Suez Lyonnaise des Eaux. Die deutschen Versorger haben im Jahr 2000 endgültig den Wassermarkt und damit ein neues Milliardengeschäft entdeckt.

Es gehe um "nasses Gold", heißt es seither, um "das Öl des 21. Jahrhunderts". Dabei ist die künftig wachsende Bedeutung des "Lebensmittels Nummer Eins" schon lange klar: Nach UN-Angaben haben mittlerweile mehr als eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Weltbank sieht den globalen Investitionsbedarf - auch durch dringend anstehende Erneuerungen der Infrastruktur in den Industriestaaten - in den kommenden zehn Jahren bei 600 Mrd $. Das jährliche Umsatzvolumen wird auf rund 300 Mrd $ geschätzt. Angesichts dieser Größe und Dynamik des Wassermarktes sei es auch für deutsche Anbieter noch nicht zu spät, hier tätig zu werden, meint Branchenanalyst Eric Heymann von der Deutsche Bank Research.



Multi-Utility- Strom, Gas und Wasser aus einer Hand

Dass die Wasserversorgung und damit verbunden auch die Abwasserentsorgung aber im abgelaufenen Jahr derart in den Blickpunkt rückte, hat noch weitere Ursachen: Zum einen hat sich der Multi-Utility-Gedanke bei den großen deutschen Versorgern durchgesetzt - also das Anbieten von Strom, Gas und Wasser aus einer Hand. Durch die parallele Lieferung dieser leitungs- beziehungsweise netzgebundenen Güter versprechen sich die Unternehmen beim Wasser Synergien unter anderem mit dem Energie- und dem Abfallgeschäft. Die RWE AG nennt sich selbst mittlerweile "Multi-Utility-Konzern", und auch die E.ON AG hat diesen Gedanken - ohne das Wort Multi-Utility zu benutzen - aufgegriffen.

Zum anderen werden Privatisierungen und die Liberalisierung in der Branche sowohl in Berlin als auch in Brüssel vorangetrieben. Die Europäische Kommission hat im Herbst ein Grundsatzpapier zur sogenannten Daseinsvorsorge veröffentlicht. Danach können sich die zuständigen Gremien nach der Öffnung des Strom- und des Gasmarktes auch eine Liberalisierung der Wasserwirtschaft vorstellen. Das Bundeswirtschaftsministerium lässt derzeit ein Gutachten zum Wettbewerb im Wassersektor erarbeiten, das in der ersten Hälfte des kommenden Jahres fertig sein soll. Allerdings ist der politische Widerstand gegen eine Liberalisierung dieser sensiblen Branche hoch, auch wenn die deutschen Wasserpreise die höchsten in Europa sind.

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