„Teuro“ ist das Wort des Jahres
Euro überrascht Märkte mit fulminanter Jahresend-Rally

Hinter uns liegt das Jahr des Euros - und zwar gleich in zweierlei Hinsicht.

DÜSSELDORF. Zum einen hat die europäische Gemeinschaftswährung zum US-Dollar deutlich aufgeholt. Zum anderen haben die Bürger der zwölf europäischen Mitgliedsstaaten in diesem Jahr erstmals die neue Währung in die Hände bekommen. Doch während die Einführung des Euros weitgehend reibungslos klappte, hakte es im Anschluss mit der Akzeptanz der neuen Geldscheine und Münzen. Bis heute hat sich daran nicht allzu viel geändert.

Im Mai und Juni schlug der "Teuro" hohe Wellen - und zwar im In- wie im Ausland. Daran änderten auch Beteuerungen nichts, dass der Einfluss des Euros auf die Preise nur sehr gering sei. So betonte etwa der Chefvolkswirt bei der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, Anfang Juni, "der Gesamteffekt hält sich in äußerst engen Grenzen". Gleichwohl sei nicht zu bestreiten, dass die Einführung des Euros von Einzelnen zu Preiserhöhungen missbraucht worden sei.

In Deutschland war wochenlang von einem regelrechten Käuferstreik die Rede. Und der Glauben an den "Teuro" ist hartnäckig, obwohl die Preissteigerung in Deutschland nach den jüngsten Daten von Eurostat mit einem Prozent derzeit unter den Euro-Staaten am niedrigsten ist. Proteste gegen den "Teuro" gab es aber auch im Ausland. Die Griechen protestierten noch im September landesweit mit einem Kaufverzicht auf die Preiserhöhungen nach der Euro-Einführung. Verbraucherverbände und Gewerkschaften bezeichneten den Boykott seinerzeit als erfolgreich. Vor allem in Supermärkten wurde ein Rückgang der Kundenzahl um fast 70 % registriert. Und italienische Verbrauchergruppen riefen Anfang Juli zu einem Kauf-Streik auf, obwohl das italienische Statistikamt Istat ebenfalls erklärte, der Euro habe sich nur geringfügig auf die Preise ausgewirkt.

In Deutschland und Österreich wurde "Teuro" soeben zum Wort des Jahres 2002 gekürt. Die kurze Wortschöpfung aus teuer und Euro ist nach Auffassung der Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS) kreativ und prägnant zugleich. Das Wort bringe das Gefühl vieler Menschen zum Ausdruck, dass im Zuge der Euro-Einführung zum 1. Januar 2002 vieles teurer geworden sei.

Inzwischen macht das Wort vom "Teuro" an anderer Stelle die Runde: an den Devisenmärkten. Denn die Gemeinschaftswährung hat zum lange Zeit scheinbar übermächtigen US-Dollar kräftig aufgeholt. Die DZ Bank weist darauf hin, dass der Euro "zum ersten Mal in seiner Geschichte am Jahresende oberhalb seines Kurses vom Jahresanfang" notiert. Für den Kursanstieg habe die Einführung des neuen Bargelds aber wohl nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Vielmehr hätten "konjunkturelle Hiobsbotschaften aus den Vereinigten Staaten in Verbindung mit strukturellen Ungleichgewichten" den Euro zum Abbau seiner "chronischen Unterbewertung animiert".

Die Anleger haben nach den Bilanzskandalen bei Worldcom und Enron das Vertrauen in die USA verloren. Zudem hat der Dollar sein Image als "sicherer Hafen" eingebüßt. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die Terroranschläge in New York im September 2001. Entsprechend belastet wird die US-Devise aktuell durch den drohenden Krieg im Irak. Da die Vereinigten Staaten die Hauptlast des Konflikts tragen müssen, werden negative Folgen für die US- Wirtschaft nicht ausgeschlossen. Andererseits könnten die USA schnell wieder zum Ziel neuerlicher Terroranschläge werden.

Die vermeintliche Euro-Stärke ist daher eigentlich eine Dollar- Schwäche. Denn auch mit Euroland steht nicht alles zum Besten. Nahezu ignoriert wurden die zahlreichen negativen Wirtschaftsdaten aus dem Euro-Raum. Und verdrängt wurde auch, das es keine Fortschritte beim Abbau des Reformstaus in vielen Ländern gibt.

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