Texanischer Ölunternehmer legt Finanzierungspaket vor
Milliardär Davis erhöht Druck auf Vivendi

Der an der US-Sparte von Vivendi interessierte Milliardär Davis lässt nicht locker. Mit einem Finanzierungspaket über zehn Milliarden Dollar untermauert er seine Offerte. Der Druck auf Vivendi-Chef Fourtou wächst.

FRANKFURT/M. Der US-Milliardär Marvin Davis, der mit seiner Offerte für die US-Unterhaltungssparte von Vivendi zweimal abgeblitzt ist, legt nach. Nach Informationen des Handelsblatts wird der texanische Ölunternehmer den Franzosen für die US-Sparte ein fest zugesagtes Finanzierungspaket über 10 Mrd. Dollar präsentieren, das von vier renommierten Kreditinstituten aus den USA begleitet wird. "Davis wird eine gesicherte Finanzierung für die Geschäfte von Vivendi Universal Entertainment vorlegen", bestätigten dem Milliardär nahe stehende Kreise entsprechende Informationen des Handelsblatts.

Geldgeber sind die Bank of America, die Deutsche Bank, Wachovia sowie Fleet Boston. Weitere Mittel sollen die Privat-Equity-Gesellschaften Bain und Texas Pacific beisteuern, wie es heißt. Beide Finanzinvestoren waren bereits früher im Zusammenhang mit der Offerte von Davis genannt worden. Davis führt seit Herbst vergangenen Jahres Gespräche mit Vivendi über einen Kauf von Vivendi Universal Entertainment (VUE). Ein erstes Angebot hatte Vivendi-Chef Jean-René Fourtou im November 2002 abgelehnt.

Anfang dieses Jahres hatte Davis sein Angebot noch einmal nachgebessert und ist nun bereit, insgesamt 20 Mrd. Dollar für VUE auf den Tisch zu legen. Doch auch dieser Vorschlag war bei Fourtou auf wenig Gegenliebe gestoßen; der Vivendi-Chef hatte die Gespräche mit Davis vor gut einer Woche vertagt, gleichwohl aber nicht abgebrochen.

Die Präsentation der von namhaften Instituten abgesicherten Finanzierung wird nach Einschätzung von Branchenkennern den Druck auf Fourtou nochmals erhöhen. Derehemalige Aventis-Manager steht vor der schwierigen Aufgabe, die auf rund 15 Mrd. Euro geschätzte Verschuldung des französischen Konzerns zu reduzieren.

Das Vorhaben ist offensichtlich schwieriger als gedacht. So musste Fourtou vor wenigen Tagen seine ursprünglichen Pläne begraben, den französischen Bezahlsender Canal Plus zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Die damit ausbleibenden Verkaufserlöse will Fourtou nun durch den "Verkauf anderer Aktivitäten" auftreiben. Im Mittelpunkt dürfte dabei die Unterhaltungssparte VUE stehen.

Interessenten für diesen Bereich, zu dem die Universal-Filmstudios, ein Kabel-Netz, Fernsehkanäle und Freizeitparks gehören, gibt es zu Hauf. So sollen unter anderem Gespräche mit der Liberty Media Corp., Metro Goldwyn Mayer und dem TV-Sender NBC geführt worden sein. Ein weiterer Interessent ist der US-Medienmanager Barry Diller, zur Zeit Chef von VUE.

Ihn hatte Fourtou damit beauftragt, die Unterhaltungssparte neu aufzustellen. Allerdings scheint der Vivendi-Chef mit den Fortschritten von Diller nicht so recht zufrieden zu sein. Unternehmenskreise sehen deshalb durchaus gute Chancen für die Offerte des 77jährigen Davis. Er war bis 1985 Besitzer der Filmstudios Twentieth Century Fox, hat also einschlägige Erfahrungen.

Doch noch gibt es einige Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Zum einen will Davis die Sparte "en bloc" erwerben, Fourtou dagegen hofft, durch den Verkauf einzelner Teile mehr als die angebotenen 20 Mrd. Dollar erlösen zu können. Zum anderen besitzt Diller über seine Gesellschaft USA Interactive 5,3 % an VUE und damit ein Mitspracherecht. Außerdem erschwert eine Steuerschuld über 2 Mrd. Dollar einen Verkauf von VUE.

Branchenkenner interpretieren die langen Verhandlungen mit Davis und Diller als Versuch von Fourtou, Davis zu einem noch höheren Angebot zu bewegen. Ob dieser darauf eingehen wird, ist allerdings fraglich. "Ich glaube nicht, dass Davis noch einmal aufstocken wird", sagte ein Vertrauter des Ölmilliardärs.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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